Politik | Inland
05.06.2018

Russisches Vermögen: Die Milliarden-Drehscheibe Österreich

Russische Rohstoffriesen bündeln in Wien ihre Auslandsgeschäfte, Oligarchen stehen auf Hotel-Investments

Wellness, Walzer und Winterurlaub – russische Oligarchen und Manager haben schon Mitte der 1990er-Jahre ihre Vorliebe für Österreich entdeckt, insbesondere Wien als sicheren Hafen für ihr Milliarden-Vermögen und als Drehscheibe für ihre Auslandsgeschäfte. Auffällig dabei ist, dass es sich dabei heute in der Regel um Kreml-nahe Manager, Eigentümer und Konzerne handelt. Dazu zählen Rohstoff-Riesen wie Lukoil, Gazprom und Sibur.

So steuert der russische Erdöl-Gigant Lukoil (124 Milliarden Euro Umsatz, 110.000 Mitarbeiter) seine Auslandsbeteiligungen seit 1995 über die Lukoil International mit Sitz am Wiener Schwarzenbergplatz. Der Bilanzgewinn betrug 2017 rund 12,36 Milliarden Euro. Alleine das Beteiligungsvermögen wird mit 21,33 Milliarden Euro beziffert.

„Wir haben in den vergangenen Jahren verstärkt in den Standort Wien investiert“, sagte Lukoil-Vizepräsident Alexander Matytsyn am vergangenen Freitag anlässlich einer Konferenz in Wien. Vor allem die geografisch perfekte Lage Wiens zwischen Westeuropa und dem Osten schätzt Matytsyn. Und die gute Wohnqualität in Wien-Grinzing. Um sagenhafte 23,81 Millionen Euro kaufte der Lukoil-Manager im September 2015 eine 1036 Quadratmeter Wohnfläche umfassende Villa samt sechs Garagen in der Wiener Himmelstraße. Verkäufer war der österreichische Banker Bernhard Ramsauer.

Luxus-Herbergen

Der russische Oligarch Oleg Deripaska, auf Platz 19 im russischen Milliardärs-Ranking, hält über die Zypern-Gesellschaft Rasperia Trading nicht nur 25,9 Prozent am österreichischen Baukonzern Strabag, sondern kaufte 2007 über die zypriotische Dornton Limited das Fünf-Stern-Hotel Aurelio in Lech am Arlberg. Kolportierter Kaufpreis: 30 Millionen Euro. Der Wert des Luxus-Hotels steht mit 29,77 Millionen Euro in den Büchern (2016). Der Zimmerpreis beträgt 3600 Euro pro Nacht in der Haupt- und 1000 Euro in der Nebensaison. Der Zuschlag für ein Zusatz-Kinderbett ist dagegen mit 250 Euro fast eine Mezzie.

Apropos Hotels. Die russische Milliardärin Elena Baturina und ihre Inteco-Gruppe war jahrelang ein Fixstern in der Nobel-Tourismusregion Kitzbühel. Die reichste Frau Russlands (1,2 Milliarden Dollar Vermögen) machte mit dem Luxushotel Grand Tirolia und einem Golfplatz örtlich Furore. Das Hotel soll die Frau des früheren mächtigen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow aber im April für 45 Millionen Euro verkauft haben. In den vergangenen elf Jahren soll die begeisterte Reiterin laut Tiroler Tageszeitung rund 100 Millionen Euro in ihre Tiroler Projekte gepumpt haben.

Ex-Schwiegersohn

Auch der Petrochemie-Gigant Sibur Holding bündelt seine internationalen Geschäfte in Wien. Sibur International hat ihren Sitz in der Wiener Prinz-Eugen-Straße und setzte 2016 rund 2,09 Milliarden Euro um, der Bilanzgewinn betrug 237 Millionen Euro. Der zweitgrößte Sibur-Aktionär war lange Kirill Shamalov, Jahrgang 1982. Der jüngste Milliardär Russlands und frühere Gazprom-Jurist heiratete 2013 Katerina Tikhonova, Putins jüngere Tochter. Er kaufte 2014 mit einem Kredit der Gazprombank 17 Prozent der Aktienanteile von Sibur um 2,2 Milliarden Dollar. Damit hielt er rund 21,3 Prozent. Später verkaufte er davon große Teile an Sibur-Eigentümer Leonid Mikhelson. Im Jänner 2018 wurde Shamalovs Ehe mit Putins Tochter geschieden. Shamalovs Reichtum schrumpfte angeblich auf 800 Millionen Dollar. Laut Finanznachrichtendienst Bloomberg soll er derzeit nur noch 3,9 Prozent an Sibur halten. Wert: rund 500 Millionen Dollar. Heute ist der frühere Sibur-Vizepräsident Shamalov stellvertretender Vorstandschef des Petrochemie-Riesen. Wie andere Manager auch ist Shamalov von den US-Sanktionen betroffen.

Gazprom-Connection

Auch der Gazprom-Konzern hat einen Ableger am Wiener Schwarzenbergplatz. Dazu zählen Gazprom Austria und Gazprom Neft Trading. Letztere hieß früher Sibneft Oil Trade, setzte 2015 mit rund 70 Mitarbeitern 666 Millionen Euro um, im Jahr zuvor waren es noch rund 11,65 Milliarden Euro.

K. Möchel/St. Schocher