Mensdorff: Der Graf schwieg vielsagend

Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly
Foto: APA HELMUT FOHRINGER Alfons Mensdorff-Pouilly

Der umstrittene Lobbyist sagte im Korruptions-U-Ausschuss sehr wenig – aber das immerhin amikal und launig.

Es wäre unfair, wenn ich ihnen antworte, wo ich mich zuvor bei den Fragen des honorigen Kollegen Pilz entschlagen habe." Mit Sätzen wie diesem machte gestern Alfons Mensdorff-Pouilly weidlich von seinem Entschlagungsrecht Gebrauch.

Der Korruptionsuntersuchungsausschuss wollte den Lobbyisten zu den Jahren 2008/’09 befragen – immerhin hatte Mensdorff von der teilstaatlichen Telekom 1,1 Millionen Euro an Honoraren bekommen. Doch weil "Graf Ali" bereits die Staatsanwaltschaft am Hals hat und weil Beschuldigten nicht zugemutet wird, sich im Ausschuss weiter zu belasten, durfte sich der umstrittene Lobbyist entschlagen – gezählte 43-mal.

Egal, welche "Schalmeienklänge" (Walter Rosenkranz, FPÖ) die Abgeordneten anstimmten: Die wesentlichen Fragen, etwa, worin seine Leistung bei Unterfangen wie dem "Projekt Alpha" (Kauf von Festnetz-Anbietern im Osten) bestand, ließ der Weidmann offen.

Redselig wurde er bei nur einem Thema: beim Jagen an sich. Angestoßen von BZÖ-Fraktionsführer Stefan Petzner referierte der Lobbyist minutenlang über die Spezifikationen des burgenländischen Jagdrechts, über Gatter-Jagden, Niederwild – und warum er sich nicht alle Kunden merkt, die bei ihm zur Flinte greifen ("Ich hab’ im Jahr 35 bis 40 Jagden. Wenn nicht gerade der Kaiser von China kommt, merk’ ich mir keine Namen").

Selbst die vergleichsweise einfache Frage, was es kostet, auf seinem schottischen Gut zu pirschen, ließ der Gutsherr offen: "Das kann ich nicht sagen, denn das hängt davon ab, was sie aus der Minibar nehmen."

Amnesie

 

Für FPÖ-Fraktionsführer Rosenkranz waren derlei Aussagen Anlass, über die bemerkenswerte "Amnesie" zu klagen, die Teilnehmer der Mensdorff’schen Jagden zuhauf befällt.

Denn zuvor hatte schon ÖIAG-Boss Markus Beyrer gröbere Erinnerungslücken bei den bezahlten Jagd-Einladungen offenbart. Der Aufsichtsratspräsident der Industrieholding konnte "nicht beziffern", wie oft er als Generalsekretär der Industriellenvereinigung per Learjet auf Einladung der Telekom zum Schießen nach Schottland flog. Nur so viel: "Es war die absolute Ausnahme."

Beyrer legte sich im Ausschuss mit Grünen Aufdecker Peter Pilz an. Sechs Mal fragte der Grüne, ob der Ex-IV-Boss ausschließe, dass die IV als Geldwäsche-Maschine der ÖVP fungiere. Doch anstatt eines einfachen "Ich schließe das aus" schlug Beyrer Haken, wies die "Unterstellungen" zurück – und zwar so lange, bis der enervierte Pilz die Sitzung unterbrechen ließ und dem ÖIAG-Chef dann doch ein "Dazu habe ich keine Wahrnehmungen" abrang.

Zu späterer Stunde machte noch eine Aktennotiz die Runde, die bei einer Hausdurchsuchung von Mensdorff-Pouilly gefunden wurde: Insgesamt 5,1 Millionen Euro soll der Graf allein 2005 von Firmen-Konten entnommen haben – in bar.

"Derartige Barauszahlungen sind ein klarer Hinweis auf Geldwäsche", befand Untersucher Pilz. Der Graf hätte gern geschwiegen, doch das mit der Geldwäsche wollte er nicht auf sich sitzen lassen: "Ich habe nie einen Politiker, eine Partei oder eine einer Partei nahe stehenden Organisation finanziell unterstützt." Und das sagte er nicht launig, sondern ganz trocken.

(kurier / Christian Böhmer, Philipp Hacker) Erstellt am
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