Politik | Inland
24.04.2018

Meischberger im Buwog-Prozess: Grasser „hätt’ sie net auskennt“

Walter Meischberger bleibt dabei: Der entscheidende Tipp für den Millionen-Deal kam von Jörg Haider.

Er schwingt den Golfschläger so ruhig er kann. Wusch, wusch, Ball für Ball. Es fällt ihm schwer, denn innerlich kocht Walter Meischberger.

Ein Montag im Juni 2004. Drei Tage zuvor war Nennschluss für die Versteigerung der BUWOG-Wohnungen. Meischberger weiß nicht, wie die erste Bieterrunde ausgegangen ist. Er weiß nur, dass es um das Geschäft seines Lebens geht. Zehn Millionen Euro Provision warten auf ihn und Kompagnon Peter Hochegger, wenn das von ihnen beratene Immofinanz-Konsortium den Zuschlag erhält. Jetzt golft er in der Freudenau. Zum Runterkommen, als Zeitvertreib.

Plötzlich läutet das Mobiltelefon. „Die Nummer war anonym“, erzählt Meischberger. Doch der Anrufer gab ihm einen Tipp, der zum entscheidenden seiner Kariere werden sollte – in jeder Hinsicht.

Entscheidender Tipp

Am 30. Prozesstag des BUWOG-Verfahrens erzählt Walter Meischberger noch einmal, wie alles gewesen sein soll. Von wem bekam er den Gold-Tipp, dass man jedenfalls über 960 Millionen Euro bieten muss, um die Wohnungen der BUWOG zu ersteigern?

Der frühere FPÖ-Manager hat schon bei seiner „persönlichen Erklärung“ referiert. Doch an diesem Tag fragt Richterin Marion Hohenecker aktiv nach. Sie nimmt ihn, wenn man so will, in die Mangel.

Zurück zum Golfplatz. Hier soll just Jörg Haider es gewesen sein, der Meischberger anrief.

Der Kärntner Landeshauptmann war’s angeblich, der wusste, dass die CA Immo eine Finanzierungsgarantie von 960 Millionen Euro hatte – was Meischberger später Hochegger weitergab.

Haider nannte mir fünf Zahlen“, sagt Meischberger vor Gericht. Und Haider meinte, dass es eine weitere, eine zweite Bieterrunde würde geben müssen.

Genau hier stellt Richterin Hohenecker eine dieser Fragen, bei denen sie sich bewusst naiv stellt („Sie verzeihen meine Einfachheit“): Welches Interesse hätte Jörg Haider daran gehabt, dass das Immofinanz-Konsortium den Zuschlag bekommt?

Meischbergers erste Antwort lautet, Haider wollte vermutlich nicht, dass US-amerikanische Hedgefonds Sozialwohnungen in Österreich erwerben – immerhin enthielt das BUWOG-Paket auch Immobilien in Kärnten.

Der Schönheitsfehler: Im Finale waren mit der Immofinanz und der CA Immo ohnehin nur zwei heimische Bieter im Rennen. Keine Rede also von Heuschrecken.

Meischberger versucht es anders: Vielleicht wollte Haider der Immofinanz helfen? Er kannte dort Bank- und Versicherungschefs.

Grasser wie ein "Magnet"

So wirklich überzeugt und überzeugend wirkt das alles nicht. Aber spannend ist ohnehin anderes. So erfährt man an diesem Gerichtstag mehr über die Beziehung zwischen Meischberger und Karl-Heinz Grasser. Macht und Amt hätten den Minister zu einem „Magneten“ gemacht. „Wie Eisenspäne“, sagt Meischberger, „haben sich die Menschen nach ihm ausgerichtet.“

Bei all seinen Ausführungen kommt Meischberger kein einziges Mal ins Stottern. Er ist eloquent, zeigt Charme, auch Witz.

Und so nimmt er – bewusst oder unbewusst – am Ende sogar seinen Spezi Grasser aufs Korn.

Es ist die Stelle, an der Meischberger erklärt, dass er felsenfest überzeugt war, dass er für die Millionen-Provision gar keine Steuern hätte zahlen müssen.

Die Richterin wendet ein, dass ein guter Freund Meischbergers – gemeint ist jetzt Grasser – „wohl gewusst“ hätte, wie man das BUWOG-Abgabengesetz ganz richtig liest.

„Na, der hätt' sich da net auskennt“, antwortet Meischberger. Und als ihm dämmert, was er gerade gesagt hat, entschuldigt er sich bei der Richterin. „Bei mir müssen Sie sich nicht entschuldigen.“

Und Grasser? Der lächelt.