Free influenza vaccination programme in Vienna

© REUTERS / LISI NIESNER

Pro & Contra
02/23/2021

Lockdown-Lockerungen: Soll es mehr Rechte für Geimpfte geben?

Soll es bald ein "Frei-Impfen" geben? Ein Pro und Contra.

von Richard Grasl, Christoph Schwarz

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer soll eine Weitergabe des Coronavirus verhindern. Ist das der viel zitierte "Gamechanger" in der Pandemie? Und was bedeutet das für den Lockdown und die Maßnahmen in Österreich?


Soll es bald ein "Frei-Impfen" geben? Was dafür spricht - und was dagegen.

Pro

Die Erkenntnis, dass Pfizer-Geimpfte fast nicht mehr ansteckend sind, ist natürlich ein Gamechanger. Jedenfalls in rechtlicher Hinsicht, aber auch in wirtschaftlicher. Wer selbst das Virus nicht mehr weitergeben  oder mit einem schweren Krankheitsverlauf die Intensivstationen nicht mehr belasten kann, darf mit staatlicher Gewalt nicht mehr in seinen Freiheitsrechten eingeschränkt werden. Ausgangssperren sind daher jedenfalls tabu, Beschränkungen in  der Erwerbstätigkeit oder bei der Sportausübung ebenso.

Doch neben der rechtlichen Sicht ist es vor allem eine wirtschaftliche Mega-Chance. Im Sommer werden rund 2,5 Millionen Menschen   in Österreich immunisiert sein. Neben den dann mehr als 500.000 Menschen, die bereits  mit Corona infiziert waren und wieder genesen sind, stellt diese Gruppe einen enormen Wirtschaftsfaktor dar. 

Diese Glücklichen können im Sommer in die Hotels, ins Wirtshaus, beim Einkaufen ohne Maske Spaß haben, ins Theater oder ins Fitnessstudio.

Doch um keinen Spalt in die Gesellschaft zu treiben, ist eines unabdingbar: Alle, die noch keine Impfung angeboten bekommen haben oder sich nicht impfen lassen wollen, müssen die Möglichkeit haben, sich mit negativen Tests kostenlos und ohne lange Wartezeit die gleichen Rechte zu verschaffen. So wie das derzeit auch schon mit den 48 Stunden gültigen Zertifikaten für den Friseurbesuch geht. Und was wir schleunigst brauchen: eine App, die Impf- oder Genesenen- oder Teststatus anzeigt. Rein datenschutzrechtlich sollte es dabei keine Probleme geben.

- von Richard Grasl

Contra

Es ist eines der Wörter dieser Krise: Solidarität. Seit einem Jahr üben sich die vielen in Solidarität mit den wenigen. Sie tragen Maske, gehen nur aus vier (oder fünf?) Gründen aus dem Haus, verzichten auf Schule, Feiern, Freunde, Familie.  All das, damit schutzbedürftige Gruppen – Ältere und Menschen mit Vorerkrankung – tunlichst vom Virus verschont bleiben.

Und ja, jetzt, wenn die Schutzbedürftigen geimpft sind, sind sie an der Reihe, sich in Solidarität zu üben: Urlauben, shoppen und ohne Maske durch den Alltag, weil man eh schon immunisiert ist? Das hält eine Gesellschaft, die ohnehin schon unter Druck steht,  schwer aus. (Von der schwierigen Frage, wie Sie erkennen, ob der maskenlose U-Bahn-Fahrgast  Ihnen gegenüber tatsächlich geimpft oder nur ein dreister Corona-Leugner ist, ganz zu schweigen.) In Zeiten wie diesen dürfen nicht nur juristische Argumente zählen. Auch das ökonomische ist zweifelhaft: Glauben wir – salopp gesagt – wirklich, dass der geimpfte 85-jährige Pflegeheimbewohner jetzt den Konsum retten wird?

Wer eine Spaltung der Gesellschaft aufhalten will, braucht Fingerspitzengefühl. Nicht zuletzt weil jenen, die nicht geimpft sind, eine doppelte Benachteiligung droht: Ihnen bleiben die Freiheiten, die andere wieder genießen könnten, ja nur verwehrt, weil sie sich laut nationalem Impfplan – da ist sie wieder, die Solidarität! – noch gar nicht impfen lassen können. (Auch ob sie Pfizer erhalten werden, steht nicht in ihrer Macht.) Einziger Ausweg: Die Regierung muss beim Impfen in die Gänge kommen,  bevor uns der Konflikt um die Ohren fliegt.

- von Christoph Schwarz

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