ÖBB-Chef Christian Kern mit Werner Faymann, Ex-Bundeskanzler

© APA/HERBERT NEUBAUER

Faymann-Nachfolge
05/09/2016

Manager oder Klubchef als neue Nr.1

Drei sind im Rennen: Bahn-Chef Kern, Fernsehmanager Zeiler und SPÖ-Klubchef Schieder.

von Michael Bachner

Die SPÖ hat mit wirtschaftsliberalen Managern nicht immer die besten Erfahrungen gemacht, sagen Gewerkschafter. Vorbehalte gibt es auch heute noch.

Dennoch: Nach derzeitigem Stand könnte der nächste SPÖ-Chef und Kanzler wieder ein Mann aus der Wirtschaft sein. Zwei Manager sind im Rennen um die Faymann-Nachfolge. Daneben gilt SPÖ-Klubchef Andreas Schieder manchen als Kandidat. Wie seine Chancen stehen, lässt sich in der völlig zerstrittenen Partei jedoch nur schwer einschätzen.

Schon am kommenden Dienstag soll der neue Oberrote jedenfalls von einem Parteivorstand fixiert werden.

Ginge es nur nach SPÖ-Interims-Chef Michael Häupl, hätte wahrscheinlich Medien-Topmanager Gerhard Zeiler (60), wie Häupl aus Ottakring, die besten Karten. Doch Ex-ORF-Chef Zeiler, der schon im Juni 2015 via KURIER deponierte, er würde zur Faymann-Nachfolge "nicht Nein sagen", saß am Montag bereits wieder im Flieger zurück nach New York. Zufall oder nicht? Zeilers Sprecher meinte bloß, er stünde für Interviews nicht zur Verfügung.

Kern ist Favorit

Dem um zehn Jahre jüngeren Bahn-Chef Christian Kern kommt momentan die Favoriten-Rolle zu. Und mehr und mehr Parteigranden haben deponiert, sich Kern als Faymann-Nachfolger vorstellen zu können. Auffällig war die Wortmeldung des Kärntner Landeshauptmannes Peter Kaiser. Über Kern sagte er: "Ich halte sehr viel von ihm." Über Zeiler sagte Kaiser: "Ich habe nichts Negatives über ihn gehört, aber kein konkretes Bild von ihm."

Chef-Schaffner Kern gilt seit Längerem als rote Kanzler-Reserve. Immer wieder musste er Putschgelüste dementieren. So etwa 2015, als er mit seiner Frau Eveline Steinberger-Kern, einer Unternehmerin, die Grazer Opernredoute besuchte. Das Besondere daran: Die Kerns saßen als Gäste in der Loge des damaligen steirischen Landeshauptmannes Franz Voves, der gerne gegen die Bundes-SPÖ polterte.

Für das breite Publikum wurde die Angst des Faymann-Lagers vor dem erfolgreichen Bahn-Manager am deutlichsten, als Doris Bures Ende 2014 ausrückte, um Kerns Macher-Image öffentlich infrage zu stellen. Ausgerechnet Faymanns engste Vertraute, die Kern 2010 (als Infrastrukturministerin) aus dem Verbund-Vorstand holte und in den ÖBB-Chefsessel hievte, sagte: "Wie ich keine gute Bahn-Managerin wäre, wäre er kein guter Politiker." Und Faymann vertraute klarerweise der Einschätzung der mittlerweile zur Nationalratspräsidentin Aufgestiegenen: "Die Doris Bures kennt den Christian Kern besser als ich, die wird schon wissen, wer er ist."

Mittlerweile weiß ganz Österreich, wer Kern ist. Das hat der Simmeringer der Flüchtlingskrise zu verdanken. Kern und die ÖBB standen 2015 stellvertretend für das "Refugees welcome"-Österreich. Damit hat sich der Manager auch bei den Linken in der SPÖ Sympathien gesichert, die gegen Asyl-Verschärfungen wettern.

Knackpunkt FPÖ

Ob Kern, der nur wenige Jahre in der Politik war (1991 bis 1997 als Sprecher von SP-Klubchef Kostelka) auch jene überzeugen kann, die sich der FPÖ an den Hals werfen wollen, ist daher fraglich. Diesen Brückenschlag zum blauen Niessl-Lager müssten auch Schieder und Zeiler schaffen – zugetraut wird er ihnen.

Schon 2011 lotete Zeiler eine Rückkehr nach Österreich aus, er überlegte eine Kandidatur im ORF. Doch nach wenigen Gesprächen zog er sich zurück, Faymann bevorzugte den heute noch amtierenden ORF-Chef Alexander Wrabetz.

Zeiler damals: Er habe erkannt, dass es "Teilen der Politik nicht darum geht, wer das Unternehmen am besten führen kann, sondern, wer willfährig parteipolitische Personalwünsche umsetzt."

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