© Kurier/Juerg Christandl

Interview
01/02/2021

Mahrer: "Bin für wöchentliche Tests bis Ostern"

Der Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer erwartet, dass Anfang 2024 die Wirtschaft wieder auf Vorkrisen-Niveau ist. Über das Projekt „Kaufhaus Österreich“ zeigt er sich „über alle Maßen“ verärgert.

von Ida Metzger

KURIER: Herr Mahrer, Sie propagieren das Freitesten für die Gastronomie und den Handel. Die Krux dabei ist: Die Polizei will nicht kontrollieren, die Wirte wollen auch nicht. Wer macht die Kontrolle? Was bringt der Test, der doch nur eine Momentaufnahme ist, überhaupt?

Harald Mahrer: Wir haben erst ein Drittel der Winterzeit hinter uns gebracht, und zwei Drittel liegen bis Ostern noch vor uns. Die Impfung wird bis dahin keine massive Entspannung bringen. Daher braucht es ein Übergangsinstrument. Durch regelmäßige Testungen drücke ich das Infektionsniveau, weil ich die Virusspreader herausfiltern kann. Deswegen bin ich für wöchentliche Tests. Ob das die öffentlichen Stellen schaffen, weiß ich nicht. Viele Unternehmen testen ihre Mitarbeiter wöchentlich, die öffentliche Hand könnte diese Tests als Bescheinigung akzeptieren.

Wenn keiner die flächendeckenden Kontrollen übernehmen will, was nützt das Instrument dann überhaupt?

Diese Gefahr habe ich immer. Es gibt immer sogenannte Freerider, die sich an Vorgaben nicht halten. Es werden Feste gefeiert, obwohl es nicht den Richtlinien entspricht. Aber wie man am Testgeschehen vor Weihnachten gesehen hat, sind die Österreicher durchaus bereit, sich freiwillig testen zu lassen.

Wenn die Österreicher bei den Massentests nicht mitspielen – ist ein vierter Lockdown überhaupt noch stemmbar? Stemmbar ist alles. Der Schaden wird nur weiter größer, und die Frage ist, wie lange die Erholung dauert. Ich halte das Modell, dass man für Tests mehr Freiheit bekommt, für besser als den Anreiz, dass man einen Schnitzelgutschein für einen Test erhält.

Ursprünglich gab es eine Wirtschaftswachstumsprognose von 4,5 Prozent. Durch den dritten Lockdown hat sich diese Prognose auf magere zwei Prozent halbiert. Wie lange wird die Erholung dauern?

Wenn das Ausrollen der Impfung funktioniert und auch die Massentests durchgeführt werden, gehe ich davon aus, dass wir noch eine harte Zeit bis Ostern haben. Aber im Sommer wird bereits eine Stabilisierung einsetzen. 2022 wird dann das Jahr des Durchstartens sein. Auf Vorkrisenniveau werden wir Ende 2023 oder Anfang 2024 sein. Vorher sicher nicht.

Anfang 2021 rechnet man mit einer Pleitewelle, weil die Hilfsprogramme auslaufen und das Finanzministerium die Stundungen einfordern wird. Sind Sie sicher, dass im Sommer 2021 eine Stabilisierung einsetzen wird?

Von jenen Betrieben, die nun Stundungen in Anspruch genommen haben, sagen rund 20 Prozent, dass sie zwei bis drei Jahre benötigen werden, um die Stundungen abzahlen zu können. Beispielsweise die Stadthotellerie hat hier einen hohen Anteil. Diese Branchen brauchen eigene Ratenzahlungsmodelle. Das ist mit der Regierung nun auch so angedacht. Aber ob es eine Pleitewelle gibt, kann heute noch niemand seriös vorhersagen. Es kann sein, dass die Menschen ihr Verhalten verändern. Aber ich spüre, dass die Bürger ihre Normalität mit Reisen, Sport und Events zurückhaben wollen. Es kann also durchaus sein, dass ein Nachholeffekt einsetzt, denn die Sparquote ist derzeit sehr hoch. Wenn die Menschen schnell „entsparen“, kann das ein Boost für die Wirtschaft sein.

Ab 18. Jänner darf die Gastronomie nur bis 20 Uhr öffnen. Gerade in den Abendstunden macht die Gastronomie den meisten Umsatz. Wird es hier weitere Umsatzersatz-Hilfen geben?

Der Finanzminister hat gesagt, dass viel „Pulver verschossen“ ist. Zum Glück liegt der Fixkostenzuschuss II jetzt am Tisch. Der Finanzminister verhandelt mit der EU, dass der Rahmen erhöht wird. Wird der Lockdown gelockert, muss jeder Betrieb dann eigenverantwortlich entscheiden, ob er öffnet oder nicht.

Bundesministerin Margarete Schramböck und WKÖ-Präsident Harald Mahrer

Die Gastronomie bekam im November 80 Prozent, im Dezember 50 Prozent Umsatzersatz. Dazu kommt noch die Kurzarbeit. Gab es hier nicht eine Überförderung im Vergleich zu anderen Branchen?

Es gab sicher Betriebe, die im Sommer eine gute Auslastung hatten. Es gab aber auch viele Betriebe, etwa den Schiffstourismus auf der Donau oder den Städtetourismus, der auch in den Sommermonaten stillstand. Das ist keine Überförderung, sondern eine Art Ausgleich für die Umsätze für die Monate davor. Und viele Wintertourismusregionen, die im November 2019 geschlossen hatten, bekommen gar nichts.

Das „Kaufhaus Österreich“ sollte ein Online-Boost für den heimischen Handel sein. Die Umsetzung hat sich als Bauchfleck erwiesen, der 700.000 Euro gekostet hat. Nehmen Sie diesen Bauchfleck auf Ihre Kappe? Was lief da schief?

Ich hätte mir das Projekt des Wirtschaftsministeriums selbst genauer ansehen sollen. Da hätte man mehr draus machen können. Als Digitalisierungsexperte ärgere ich mich über alle Maßen. Gut gemeint, heißt eben leider nicht immer gut gemacht.

Die Skilifte sind nun geöffnet. Die Fotos von den Menschenmassen vor den Skiliften haben es in die internationalen Medien geschafft. War die Öffnung wirklich eine gute Entscheidung?

Ja, erstens ist Skifahren Freiluftsport. Und zweitens geht es um unsere Reputation als Tourismusland in der Zukunft. Unsere Skiliftbetreiber haben ihre Hausaufgaben in puncto Sicherheit vorbildlich gemacht. Ich finde, es läuft bisher sehr gut und sicher, bis auf ein paar Probleme beim Parkplatz-Management in kleineren städtenahen Skigebieten. Wir kämpfen hier gemeinsam um Zigtausende Arbeitsplätze und die Existenz von über hunderttausend Familien in Österreich. Freizeitsport für die einen bedeutet die Lebensgrundlage von vielen anderen.

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