Politik | Inland
10.06.2017

Lunacek in Wien Listenerste: "Herr Kurz, es ist 2017"

"Gemeinsam machen wir vieles möglich", sagt Ulrike Lunacek, die mit einer großen Mehrheit als Wiener Listenerste gewählt wurde und für Politik gegen "Angstmacher und Zündler" einstehen möchte. Maria Vassilakou will Lunacek als Kanzlerin sehen.

Ulrike Lunacek führt die Wiener Landesliste für die Nationalratswahl im Herbst an. Sie ist am Samstag von den rund 500 stimmberechtigten Delegierten im Wiener Austria Center mit großer Mehrheit zur Spitzenkandidatin gekürt worden. Neben Lunacek kandidierte noch die Aktivistin Elfriede Schuh für den ersten Platz.

Sie freue sich "von ganzem Herzen", auch in Wien die Liste anzuführen, beteuerte Lunacenk in ihrer Rede. "Ich nehme die Wahl sehr gerne an, weil ich mit euch gemeinsam diese Wahl gewinnen will", sagte die aktuelle Europa-Parlamentarierin - die eingestand, dass die Entwicklung der vergangenen Wochen sie durchaus überrascht hat. Viele hätten sie gefragt: "Warum tust du dir das an? Warum springst du noch einmal in das kalte Wasser der Bundespolitik?"

Der Grund sei, dass sie als "Bürgerin dieses Landes" unter anderem nicht tatenlos mitansehen möchte, wie es zu einer Neuauflage einer blauen Regierungsbeteiligung kommt. Denn dieser "Dammbruch" drohe, auch weil die SPÖ eine Koalition mit der FPÖ nicht mehr ausschließe. Sie stehe nun hier, weil sie verhindern wolle, dass die Angstmacher und Zündler an die Macht kommen.

Ehe für alle: "Herr Kurz, es ist 2017"

"Gemeinsam machen wir vieles möglich. Wir haben noch viel vor", versicherte Lunacek. Ein wichtiges Ziel sei unter anderem, dass lesbische und schwule Paare in Österreich heiraten dürfen: "Herr Kurz, es ist 2017, schneiden sie die alten Zöpfe der ÖVP endlich ab und machen sie moderne Politik", appellierte sie an den künftigen ÖVP-Chef, hier aktiv zu werden.

Auch die Umsetzung der Bildungsreform und der Forderungen des Frauenvolksbegehrens nannte sie als vordringliche Aufgaben. Weiters müssten dem Klimawandel "handfeste Maßnahmen" entgegengesetzt werden: "Unser aller Zukunft steht auf dem Spiel."

Vassilakou: SPÖ, ÖVP und FPÖ verwechselbar

Bereits zum Auftakt wurden die Anwesenden von der Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou auf den Wahlkampf eingeschworen. Sie zeigte sich in ihrer Rede überzeugt: "Der Oktober wird eine Richtungsentscheidung. Die Fragen stellen sich so offen wie schon lange nicht mehr." Es gehe darum, ob autoritäre Tendenzen oder die liberale Demokratie gewinne.

"Ich weiß, dass die Österreicherinnen und Österreicher die richtige Antwort auf die Fragen haben", zeigte sich Vassilakou überzeugt. Wie die Antwort ihrer Ansicht nach lautet, verriet sie sogleich: "Geben sie den Grünen ihre Stimme." Denn auf der anderen Seite würden mit SPÖ, ÖVP und FPÖ drei Parteien stehen, die nicht mehr auseinanderzuhalten seien: "Es ist ihnen gleichgültig, wie regiert wird, Hauptsache sie regieren."

Der designierte ÖVP-Obmann Sebastian Kurz etwa sei, so befand Vassilakou, ein skrupelloser Opportunist. SPÖ-Kanzler Christian Kern würde wiederum nicht zögern, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zum Vizekanzler zu machen. Die grüne Frontfrau in Wien - die formal keine Parteichefin ist - zeigte sich aber zuversichtlich: "Das Pendel schwingt zurück in Europa." Viele hätten genug von "Hetzern und Opportunisten": "Wir brauchen euren Hass und euren Geifer nicht."

Vassilakou "will Lunacek als Kanzlerin sehen"

Lob gab es für Lunacek: "Sie ist eine große Europäerin, die ich ganz oben sehen will, als Ministerin, als Vizekanzlerin und - warum so bescheiden tun - auch als Bundeskanzlerin."

Das Prozedere für die Wahl der Wiener Liste ist umfangreich. So darf sich jede Kandidatin und jeder Kandidat ausführlich vorstellen. Auch Fragen an die Bewerber sind erlaubt. Für sämtliche Plätze gab es mehrere Interessenten.

Korrektur: In einer früheren Version der Überschrift wurde das Zitat von Maria Vassilakou ("Wir brauchen euren Hass und Geifer nicht") irrtümlich Ulrike Lunacek zugeschrieben.