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Politik Inland
03/04/2021

Längerfristige Allianz mit dem Impf-Weltmeister

Mit Dänemark und Israel will Österreich eine 50-Millionen-Euro Stiftung gründen, um die Pandemie zu bekämpfen.

von Christian Böhmer

Es war sein erster Flug seit Langem. Seit Sebastian Kurz im Dezember nach Brüssel geflogen ist, war er nicht auf offizieller Mission im Ausland. Aber jetzt ist er hier. Bei „Bibi“, Israels Premier Benjamin Netanjahu. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ist auch dabei. Und für alle drei ist das Treffen politisch ein Gewinn: Kurz und Frederiksen können zeigen, dass sie sich beim Impfweltmeister Tipps holen – mehr als die Hälfte der

8,8 Millionen Israelis wurde seit Dezember geimpft.

Und Herr Netanjahu hat in wenigen Tagen eine Parlamentswahl zu schlagen. Da schaden Besuche ausländischer Regierungschefs nie.

Zwei klare Ziele

Was Dänemark und Österreich angeht, war der Kurztrip vom ersten Moment an ein Paarlauf: Frederiksen landete in Wien, ließ Kurz in ihren Flieger zusteigen und gemeinsam feilten die beiden auf dem Weg nach Tel Aviv daran, was man aus dem Heiligen Land als Botschaft mitbringen könnte.

Für das Kanzleramt waren zwei Ziele vorab klar: Zum einen soll es mit Israel und Dänemark eine engere Zusammenarbeit bei Forschung, Entwicklung und Produktion von Impfstoffen geben. Und dann wollte man sich von den Israelis auch Ezzes zum „Grünen Pass“ holen. Genesenen und Geimpften bringt dieser mehr Normalität. Der Pass erlaubt Besuche in Kinos, Theatern und Fitnessstudios. Brüssel will den Pass gerne adaptieren, Auslandsreisen könnten so wieder möglich werden.

Apropos Brüssel: Auch an diesem Tag erklärt das Kanzleramt, dass man nicht gegen oder ohne, sondern parallel zur EU agiere. „Wir sind in enger Abstimmung mit Ursula von der Leyen.“

Was aber wurde nun in Jerusalem paktiert? Die drei „dynamischen kleinen Länder“ (© Netanjahu) wollen einen Fonds stiften, der mit 50 Millionen Euro die Forschung und Produktion von Impfstoffen finanziert.

Langfristige Kooperation

Was Österreich in Sachen Impfung allenfalls von Israel lernen könnte, das weiß Asher Salmon. Der Arzt ist Chef der internationalen Abteilung im israelischen Gesundheitsministerium und an diesem Tag vor Ort. „Wir sind nach dem Prinzip vorgegangen, die Dinge möglichst einfach zu halten. Das bedeutet: Wir hatten nur ein EDV-System, in dem Impfungen eingemeldet werden können. Und wir haben in großen Impfzentren geimpft, um genug Abnehmer für die Dosen zu haben.“

Priorisierungen zwischen den älteren Bevölkerungsgruppen gab es nicht. „In der ersten Phase haben wir alle Menschen über 65 angesprochen, es war egal, ob man 66 oder 87 ist.“ Also keine Vorreihung von Hochbetagten? „Unsere Erfahrung war, dass wir so auch ältere Patienten ansprechen konnten, die skeptisch waren. Sie haben gesehen: Der Andrang ist groß.“

Wenn sie klappt, ist die Kooperation mit Dänemark und Israel für länger gedacht. Experten gehen davon aus, dass Corona auf Jahre ein politisches Thema bleibt. „Wir müssen uns darauf einstellen“, sagt Kurz, „dass uns die Pandemie aufgrund der Mutationen noch lange Zeit beschäftigt.“ In naher Zukunft brauche Österreich rund 30 Millionen Impfdosen. Wozu? „Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren jedes Jahr zwei Drittel der Bevölkerung, also mehr als sechs Millionen Österreicher, geimpft werden müssen.“

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