Kurz wettet mit Schülern um EU-Flüchtlingspolitik

Sebastian Kurz mit Integrationsbotschafter Dönmez vor Schülern
Außenminister Sebastian Kurz und drei Integrationsbotschafter diskutierten mit Linzer Schülern über Kopftuch, Australien und Jobs für Flüchtlinge.

Während die achten Klassen bei der Matura schwitzten, haben die übrigen Schüler des Linzer Ramsauergymnasiums am Mittwoch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und drei Integrationsbotschaftern auf den Zahl gefühlt. Kurz verteidigte u.a. die Linie des EuGH zum Kopftuch und sein Liebäugeln mit der australischen Flüchtlingspolitik - und er wagte sogar eine Wette.

2011 rief Kurz - damals Integrationsstaatssekretär - die Initiative "Zusammen:Österreich" ins Leben, im Rahmen derer rund 300 ehrenamtliche Integrationsbotschafter die Diskussion mit Jugendlichen suchen. Mittlerweile wurden laut Integrationsfonds mehr als 50.000 Schüler erreicht. Diesmal waren der ehemalige Grünen-Bundesrat Efgani Dönmez, die Sportwissenschafterin Indira Hrapovic aus Montenegro sowie der iranischstämmige Unternehmensberater Frederic Farhad Hadjari am Podium.

Nicht vergessen, wo man herkommt

"Es gibt Regeln und Rahmenbedingungen, die gelten für alle", referiert Kurz, etwa, dass man sich die Hand zur Begrüßung gebe. "Das heißt aber nicht, dass man vergessen muss, wo man herkommt." "Wie weit geht das?", will eine Schülerin wissen, "heißt das, dass man sich nicht integrieren will, wenn man ein Kopftuch trägt?". Kurz verteidigt daraufhin das Tragen religiöser Symbole, aber auch begründete Einschränkungen dieser Freiheit: "Wenn Du Stewardess oder Pilotin bist, wirst Du damit leben müssen, eine Uniform zu tragen." Die Vorschriften dürften nur nicht diskriminierend sein.

Dönmez nutzt die Gelegenheit zu einem Aufruf an junge Muslime in Europa: Diese sollten die Freiheit hierzulande dafür nutzen, sich mit Frauen zu solidarisieren, die das Kopftuch nicht freiwillig tragen, "anstatt die Uhr zurückzudrehen". Symbole würden immer wichtiger, je leerer eine Gesellschaft sei. Er ziehe "Werte und Haltungen" Symbolen vor. Der ehemalige Bundesrat, der als türkisches Gastarbeiterkind nach Österreich kam und heute u.a. als Konfliktmediator arbeitet, warnt davor, dass die Gesellschaft "sich in Kollektive aufteilen" lässt.

Kurz wettet mit Schülern um EU-Flüchtlingspolitik
ABD0047_20170503 - LINZ - ÖSTERREICH: Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) am Mittwoch, 03. Mai 2017, anl. eines Schulbesuchs im Rahmen der Initiative "Zusammen:Österreich" in Linz. - FOTO: APA/HANNES DRAXLER

Bekannte Botschaften auf Augenhöhe

Kurz, mittlerweile beim Du-Wort mit den Schülern angekommen ("So viel älter bin ich nicht"), umschifft zwar geschickt unbequeme Fragen ("Wie engagieren Sie sich privat für Integration?"), gibt den Schülern aber das Gefühl, auf Augenhöhe zu sein - auch wenn seine Botschaften sattsam bekannt sind: Die Zuwanderung müsse gebremst werden, die Mehrheitsbevölkerung dürfe nicht überfordert werden, es sei nicht in Ordnung, wenn Kriegsflüchtlinge aus wirtschaftlichen Gründen durch mehrere Länder wandern und erst in Österreich Asyl beantragen.

Wette

Kritische Fragen kommen u.a. zum Thema Arbeitsmarkt: Flüchtlinge könnten oft nicht arbeiten, selbst wenn sie wollen, meint ein Schüler. Kurz kontert, die Zahl der Ärzte und Rechtsanwälte unter den Flüchtlingen sei leider "viel kleiner als dargestellt". Auch das Liebäugeln des Ministers mit der australischen Linie, keine illegalen Bootsflüchtlinge hereinzulassen, sorgt für Fragen: "Was passiert mit den Menschen sonst?" Kurz verteidigt seine Position damit, dass die Schlepper den Flüchtlingen falsche Hoffnungen machen würden und will statt der riskanten Mittelmeerroute lieber auf Resettlementprogramme setzen. Und er wagt sogar eine Wette: Europa werde den bisherigen Weg nicht mehr lange fortsetzen. Wetteinsatz unbekannt.

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