Sebastian Kurz

© KURIER/Gilbert Novy

ARbeitsmarktpolitik
12/03/2015

AMS-Kurse: Kurz kritisiert Geschlechtertrennung

Kurse für Menschen aus arabischem Raum nach Geschlecht getrennt. Wiener AMS-Chefin verteidigt Konzept.

Die teilweise Geschlechtertrennung bei den AMS-Kompetenzchecks für Flüchtlinge in Wien sorgt für Missstimmung bei VP-Integrationsminister Sebastian Kurz. Die Kurse, in denen die mitgebrachten Qualifikationen Asylberechtigter erhoben werden, werden in den Muttersprachen gehalten - jene in Russisch oder Französisch gemeinsam, jene in Arabisch und Farsi (das im Iran und Afghanistan gesprochen wird) aber nach Frauen und Männern getrennt. Für Kurz, der die Maßnahmen grundsätzlich begrüßt, ist diese Trennung ein großer Fehler.

Prinzipiell seien die Kompetenzchecks "zutiefst sinnvoll und positiv", schickte Kurz voraus. Aber es sei " absurd", wenn die Kurse für arabisch Sprechende nach Geschlechtern getrennt, für Russen und andere aber gemeinsam durchgeführt werden. Da gehe es um die Grundwerte und deren Vermittlung "von Anfang an".

Kürzung der Sozialleistungen

"Wenn man jemandem das beim ersten Mal durchgehen lässt, mit welchem Argument erklärt man dann in weiterer Folge, dass es jetzt auf einmal anders zu sein hat?", so Kurz. Wer nicht von Anfang verlange, dass die hiesigen Grundwerte respektiert werden, "tut diesen Menschen nichts Gutes und auch unserer Gesellschaft nicht. Die Gleichstellung von Frauen und Männern sei in Österreich ganz zentral und dürfe nicht in Frage gestellt werden - auch nicht zu Beginn der Integrationsmaßnahmen, meint der Integrationsminister.

Es dürfe hier nicht falsch verstandener Toleranz agiert werden. Wenn die Regeln, die hierzulande herrschen, nicht eingehalten werden, könne mit Sanktionen wie Kürzung der Sozialleistungen reagiert werden.

AMS-Chefin verteidigt gemischte Kurse

Die Chefin des Arbeitsmarktservice Wien, Petra Draxl, verteidigt ihr Konzept und spricht in diesem Zusammenhang von einem „innovativen Projekt“. Es sei aus frauenpolitischer Sicht eine sinnvollere Vorgehensweise, schließlich hätten Frauen ganz andere berufliche Erfahrungen als Männer, erklärt Draxl im Ö1-Morgenjournal. Es mache daher Sinn, spezifische Schwerpunkte gerade für Frauen zu setzen. "Sie arbeiten nicht gut in einer Gruppe gemeinsam, wo der Mechaniker und der Elektroniker mit der Lehrerin und der Krankenschwester ist", so Draxl. Zudem würden auch Männergruppen von Frauen unterrichtet, betonte die AMS-Chefin. Und arabisch sprechende Männer würden als Kursleiter auf die Werte und Gegebenheiten in Österreich aufmerksam machen. Es gebe aber außerdem auch viele funktionierende gemischte Kurse, etwa im Computerbereich.

Dass Männer angeblich nicht mit Frauen in einen Kurs gehen wollen, habe nichts mit der Entscheidung zu tun. Dies sei ihres Wissens auch noch nie vorgekommen, so Draxl.

Rund 20.000 arbeitsuchende Asylberechtigte waren in Österreich im Oktober gemeldet, rund zwei Drittel davon in Wien.

Hundstorfer will Flüchtlingen entgegen kommen

Sozialminister Rudolf Hundstorfer hält es zu Beginn der Eingliederungsprozesses für zulässig, den arabischen Flüchtlingen "einen kleinen Schritt entgegen" zu kommen - wobei aber "umgekehrt vollkommen klar ist, dass vermittelt wird, bei uns ist das Leben anders". Alle anderen Maßnahmen seien dann ohnehin gemischt-geschlechtlich.

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