KURIER-Leser im Kanzleramt

Kurier Leser bei Werner Faymann…
Foto: Deutsch Gerhard "Wir verbessern Österreich“: Drei engagierte Leser wurden von den Regierungschefs empfangen

Die besten Ideen der KURIER-Aktion „Wir verbessern Österreich“ wurden der Regierung übergeben.

Sie warteten im Eck-Salon, ein wenig versteckt hinter all den Kameras, Fotografen und Journalisten, die dem Bundeskanzler und seinem Stellvertreter im Kongress-Saal delikate Fragen zu Griechenland stellten. Als der Ministerrat geschafft war, kam ihr Augenblick: Die KURIER-Leser Leopold Stieger, Shokat Ali Walizadeh und Paul Höllnagel hatten einen Termin mit den Regierungschefs: Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger nahmen sich Zeit, um die Vorschläge der drei Zeitungsleser zu hören.

Mit KURIER-Chefredakteur Helmut Brandstätter waren sie gekommen, um die besten Vorschläge der KURIER-Leser-Aktion „Wir verbessern Österreich“ zu präsentieren. Mehr als 112.000 Leser haben via Internet in den vergangenen zehn Wochen mitgemacht, Hunderte Einsendungen landeten im Leserservice. Was läuft schief bei der Bildung? Was könnte man bei der Integration verbessern? Wie steht es um das Gesundheitssystem? Zu all diesen Themen gab es Ideen. „Es war ein Appell: Kümmert euch um unsere wirklichen Probleme“, sagte Chefredakteur Brandstätter. Und so kam es, dass sich die Regierungschefs eine halbe Stunde Zeit für die „Leser-Delegation“ nahmen – und der Kanzler kurzerhand in sein Büro lud.
„Ich möchte Ihnen gerne die Sorge um die Zukunft meiner Enkerln hierlassen“, sagte Leopold Stieger zum Regierungschef. Der Unternehmensberater bat Faymann und Spindelegger um eine „radikale Pensionsreform“: „All die Verführungen zur Frühpension sind
problematisch.“ Anstatt „Sehnsucht nach der Pension“ zu fördern, seien die Potenziale Älterer zu erkennen und zu nutzen. Spindelegger gefiel das: „Sie sprechen mir in vielem aus dem Herzen.“

Feedback-Kultur Paul Höllnagel hatte das Bildungsthema ins Kanzleramt geführt. „Wir brauchen eine neue Feedback-Kultur an den Schulen. Dazu gehört auch, dass der, der nicht mehr Pädagoge sein möchte, umgeschult werden kann. Es muss Exit-Strategien für Lehrer geben.“ Dem gebürtigen Afghanen Shokat Ali Walizadeh ging es ebenfalls um das Bildungsthema – wenn auch aus anderer Perspektive: „Die erste Zeit im Asylheim war schrecklich. Ich hatte keine Beschäftigung, ich konnte nicht Deutsch lernen. Dabei ist doch Bildung so wichtig.“ Sprache als Schlüssel für bessere Integration? Da hatte er beide Parteichefs auf seiner Seite.

KURIER-Leser übergaben "Forderungen" an Kanzler

Die Gewinner

Die drei Sprecher, die die KURIER-Leser im Kanzleramt vertraten

Leser am Wort (1)
Foto: Gerhard Deutsch

Leopold Stieger (li.) ist Unternehmensberater, hat die Plattform „Seniors4success“ gegründet und lebt für das Motto „Wer rastet, der rostet“. Im Zuge der KURIER-Aktion macht sich Stieger für eine radikale Pensionsreform stark. Er hält die geltenden Zuverdienstgrenzen bei den Pensionen für unfair. Wer im Alter arbeiten möchte, der sollte dafür nicht bestraft werden.

Paul Höllnagel (re. neben Chefredakteur Brandstätter) wünscht sich eine Reform der Bildungslandschaft und warnt davor, Eltern, Schüler und Lehrer gegeneinander auszuspielen: „Wenn wir wollen, dass Pädagogen mehr Zeit in Schulen verbringen, so müssen auch die Arbeitsbedingungen stimmen.“ Für Lehrer, die genug haben, solle es Umschulungen geben.

Shokat Ali Walizadeh (ganz re.) kritisierte aus eigener Erfahrung die Zustände im Asylwesen. Der gebürtige Afghane durfte als Flüchtling weder arbeiten noch Deutsch lernen – und dabei wäre gerade das ein wesentlicher Schritt zur Integration gewesen, sagt er. Heute macht der 22-Jährige eine Lehre zum Zahntechniker. Ob er bleiben darf, ist trotzdem offen.

Die Ergebnisse

"Leser am Wort"

Leser bei Faymann (1)
Foto: Gerhard Deutsch

Mehr als 112.000 Interessierte, Hunderte Vorschläge, die in der KURIER-Redaktion landeten: Die Serie „Wir verbessern Österreich“ war von großem Zuspruch begleitet, der Besuch von KURIER-Lesern im Kanzleramt (siehe links) zweifelsohne ein Höhepunkt. Was waren die wichtigsten Forderungen und Ergebnisse?

Bildung

Viele Eltern drängten gegenüber dem KURIER auf ein besseres Raumangebot in den Schulen: Mehr Rückzugsräume und kursähnliche Angebote für die Schüler; und bessere Arbeitsplätze für die Lehrer, um von ihnen verlangen zu können, mehr Arbeitszeit in den Schulen zu verbringen. Auch die Forderung nach einer generellen Kindergartenpflicht, um Kinder früher fördern zu können, wurde ventiliert.

Politik/Mitsprache

Die Minderheitenrechte im Parlament sind, so die KURIER-Leser, zu schwach – etwa bei der Einsetzung von Untersuchungsausschüssen. Viele Bürger wünschen sich neue, transparentere Regeln, nach denen Minister bestellt werden – zum Beispiel im Zuge eines „Minister-Hearings“.

Gesundheit

Der Mutter-Kind-Pass solle bis ins Schulalter ausgeweitet werden, um die Entwicklung der Kinder besser verfolgen zu können. Ein weiteres Verlangen: Ein Automatenverbot für zuckerhältige Getränke an allen öffentlichen Schulen.

(Kurier) Erstellt am
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