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Politik Inland
10/18/2019

"Kriege sind planbar, aber unkalkulierbar"

20 Jahre Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement: Starlinger unterstreicht Bedeutung für Österreichs Landesverteidigung.

von Ulrike Botzenhart

"Je verworrener es wird, umso analytischer sollte man vorgehen: Nach diesem Grundsatz agiert das IFK, das Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement. Auf die Analysen und Fact Sheets habe ich mich schon als Berater beim Bundespräsidenten sehr stark gestützt“, betonte Verteidigungsminister Thomas Starlinger am Donnerstag in der Landesverteidigungsakademie anlässlich der 20-Jahr-Feiern des IFK.

Er bat die international renommierten Forscherinnen und Forscher, Zivilisten wie Militärs, weiterhin ihren Beitrag zur "geistigen Landesverteidigung" zu leisten. Den Focus sollten sie auf die "hybriden Bedrohungen" legen – oder wie Starlinger es mit Blick auf die Landung russischer Soldaten in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen auf der Krim 2014 formuliert: "Von kleinen grünen Männchen, die auf irgendeiner Insel auftauchen, bis zur Meinungsmanipulation über Soziale Medien." Besonderes Lob sprach er IFK-Chef Brigadier Walter Feichtinger für dessen Video-Blog "Feichtinger kompakt" aus, der komplexe Konflikte leicht verständlich erklärt ("Feichtinger kompakt" ab sofort jeden Samstag auf SchauTV).

Der strich die Expertise seines Teams hervor und die Aufgabe, nicht nur das Bundesheer, den Bundespräsidenten und die Regierung zu beraten, sondern auch Militärs zu schulen, mit Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten und die Öffentlichkeit zu informieren.

Zur Gründung des Instituts kam es nach dem Zerfall der Sowjetunion und den Zerfallskriegen in Jugoslawien. "Sie hatten gezeigt, dass wir Wissens- und Forschungsbedarf haben“, sagt Feichtinger. „Wir hatten keine Erklärungen dafür, wie sich diese Kriege entwickeln, wie sie geführt werden und wie man internationales Krisenmanagement machen kann, um Kriege auch wieder zu beenden.“

Langer Atem notwendig

Es folgten die Anschläge von 9/11 und die Kriege in Afghanistan und im Irak, die Umbrüche im arabischen Raum und den Konflikten in Syrien und im Jemen, der Krieg in der Ukraine und die Missionen im Tschad und Mali, um nur einige zu nennen. Aus jeder Mission, jedem Konflikt „lernt man was dazu, jeden Tag“, sagt Feichtinger. Als „bitterste Erkenntnis“ führt er an, dass internationales Krisenmanagement meist nur bis zum Status „Stabilisieren“ reicht, aber die Auflösung, die Transformation des Konflikts funktioniert nicht. Entweder, weil der lange Atem bei den Missionen nicht reicht, oder die Akteure im Konfliktraum das nicht wollen. Und ohne das Wollen der Akteure und des Landes, in dem man "als Gast" ist, geht gar nichts. "Frieden kann nur von innen kommen."

Und mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in Syrien gibt er zu bedenken: "Kriege sind planbar aber nicht kalkulierbar.“

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