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Gesamtschule light
11/28/2013

Entscheidung fürs Gymnasium erst mit 12?

Eine zweijährige „Orientierungsphase“ für 10-Jährige wird von SPÖ und ÖVP angedacht – als Schulversuch.

von Karin Leitner

Die SPÖ möchte die „gemeinsame Schule“ der 10- bis 14-Jährigen, die ÖVP will die Gymnasien erhalten. Seit drei Wochen versuchen die koalitionären Bildungsverhandler, einen Kompromiss zu finden. Weil es sich spießte, wurde erwogen, das Ideologie-Thema zu vertagen. Mithilfe von Schulexperten könnte eine Lösung gefunden werden; dann, wenn die neue Regierung schon steht, hieß es. Gar eine Volksbefragung zur Causa wurde erwogen.

Das könnte sich erübrigt haben. Es zeichnet sich ein Kompromiss ab. Einer, der klassischer nicht sein könnte: Der SPÖ ist die Selektion mit 10 ja zu früh, der ÖVP mit 14 zu spät. Also könnte es für 10-Jährige eine zweijährige „Orientierungsphase“ geben. Erst dann soll entschieden werden, ob sie in eine „Neue Mittelschule“ oder in ein Gymnasium gehen. Erprobt werden soll das in einem Schulversuch. Eine logistische Herausforderung. „Es müssen zwei Jahrgänge zusätzlich in die Volksschulen rein“, wird erläutert. Würde flächendeckend umgestellt, müssten alle Volksschulen umgebaut werden. Und: Volksschullehrer bräuchten einen Lehrplan für sechs Jahre – sofern nicht AHS- oder NMS-Pädagogen die 10- bis 12-Jährigen unterrichten müssen.

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll hat schon vor Jahren für eine 6-jährige Volksschule plädiert. Seit 2009 gibt es „Modellschulen“ in seinem Land. Damals war diese Variante als möglicher Ausweg aus dem Schul-Dilemma genannt worden.

Protest-Front

Jene, die die Gesamtschul-Neuerung betreffen würde, waren am Donnerstag mit anderem beschäftigt: die Pflichtschullehrer. Deren Gewerkschafter berieten, in welcher Form die 72.000 Volksschul-, Hauptschul- und NMS-Pädagogen gegen das neue Lehrerdienstrecht protestieren: Es gibt österreichweit Informationsveranstaltungen „außerhalb der Unterrichtszeit“, sagt Gewerkschaftsboss Paul Kimberger. Zudem werden Unterschriften gesammelt. Zehn Tage lang, ab 4. Dezember, läuft die Aktion. „Das muss aber nicht der letzte Schritt sein.“

Obwohl künftige Pflichtschullehrer – mit 24 Stunden pro Woche – kaum mehr unterrichten müssen als jetzige (21 bzw. 22) und anfangs besser entlohnt werden, verwahren sich ihre Vertreter gegen die neuen Regeln – weil es für Pädagogen der 4. Klasse Volksschule keine Zulage für Schularbeitsarbeit gibt. Und die Regierung zu wenig Hilfspersonal zugesichert habe. Die AHS- und BMHS-Pädagogen toben, weil die Lehrpflicht von 18 auf 24 Stunden steigt. Am 5. Dezember gibt es Dienststellenversammlungen – „ein erster Schritt in unserem Kampf“, wie AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin sagt.

Zu wenig Plätze für die Kleinsten

Für jedes dritte Kinder unter drei Jahren sollte es laut EU-Vorgaben einen Kinderbetreuungsplatz geben. Tatsächlich kommt nur jedes fünfte Kind in einer Krippe oder in einem Kindergarten unter. Das bemängelt der Rechnungshof (RH) in einem neuen Bericht. Ebenso kritisieren die Prüfer, dass das verpflichtende Kindergartenjahr noch nicht qualitativ evaluiert worden sei.

Bei der „Querschnittsprüfung“ wurden Daten aus vier Ministerien, zwei Ländern (Niederösterreich und Steiermark) und zwei Gemeinden unter die Lupe genommen. Positiv bewerteten die Kontrollore, dass die Betreuungsquote für die unter Dreijährigen zwischen 2008 und 2011 sowohl in den beiden Ländern als auch bundesweit „deutlich angestiegen“ sei. Die von der EU vorgegebene Quote von 33 Prozent wird dennoch nicht erreicht. In Niederösterreich gab es 2011 für 21,2 Prozent der Kleinsten Betreuungsplätze, in der Steiermark gar nur für zehn Prozent. Österreichweit waren es 19,7 Prozent, 2012 stieg der Wert laut Frauenministerium auf 20,8 Prozent an.

Auch das verpflichtende Kindergartenjahr für alle Fünfjährigen war Prüfgegenstand. Der RH moniert, dass zwar zwölf Millionen Euro für eine Evaluierung vorgesehen seien, bis dato sei aber nur erhoben worden, wie viele Fünfjährige nun in den Kindergarten gehen. Inwieweit sich das Pflichtjahr etwa auf die Bildungsmöglichkeiten unabhängig von der sozioöko

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