Politik | Inland 09.05.2018

Köhlmeier zu Strache: "Helfe gerne, Nazi-Elemente wegzudrängen"

Köhlmeier: "Wenn man dagegen aufsteht, bietet man sich selbst auch eine Bühne" © Bild: APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas

Der Schriftsteller verteidigte in der ZiB 2 seine Kritik an Kurz. Versöhnlich zeigte er sich hingegen bei Strache.

Fünf Tage ist die Rede von Michael Köhlmeier beim Gedenktag des Parlaments inzwischen alt. Und noch immer ist die Aufregung darüber nicht abgeklungen. 

Am Dienstagabend stellte sich der Vorarlberger Autor in der "ZiB 2" der Kritik - und zeigte sich im Interview mit Armin Wolf durchaus versöhnlich. Den Vorwurf, das Eintreten von FP-Chef Heinz-Christian Strache gegen Antisemitismus in der FPÖ nicht ausreichend gewürdigt zu haben könne er jedenfalls verstehen. "Vielleicht hätte ich das tun sollen", sagte Köhlmeier. 

Für den Fall, dass Strache seine Hilfe dabei brauche, "diese alten Nazi-Elemente wegzudrängen", biete er ihm seine Unterstützung an. "Ich sehe sofort da und sei es mitten in der Nacht." Köhlmeier lobte auch, dass sich Strache beim "Akademikerball" der FPÖ im Jänner gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen ausgesprochen hatte. Seine eigene Rede im Parlament sei zwar vielleicht nicht feige gewesen, Straches Rede am Akademikerball aber "wirklich mutig", sagte Köhlmeier, denn Strache hätten ja parteiinterne Konsequenzen drohen können.

Köhlmeier steht zu Kritik an Kurz

Klar zurückgewiesen hat Köhlmeier aber die Kritik von Kanzler Kurz an seiner Rede. In Anspielung an die von Kurz propagierte "Schließung der Balkanroute" hatte Köhlmeier in seiner Ansprache am Freitag gesagt: "Es hat auch damals schon Menschen gegeben, die sich damit brüsteten, Fluchtrouten geschlossen zu haben." Kurz warf Köhlmeier daraufhin vor, die Schließung der Westbalkanroute damit mit den Verbrechen der NS-Zeit verglichen zu haben.

Köhlmeier ließ das nicht gelten und betonte, darauf angespielt zu haben, dass beispielsweise auch Schweiz ihre Grenzen für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland geschlossen habe. Auch damals hätten Politiker "zu ihrem hauptsächlichen politischen Slogan gemacht, dass sie die Leute nicht hereinlassen". "Es laufen Menschen um ihr Leben und es liefen damals Menschen um ihr Leben und es hat damals Länder gegeben, die zugemacht haben", so Köhlmeier. Diese Parallele dürfe erziehen: "Ich war nicht derjenige, der für den Herrn Sebastian Kurz die Wahlpropaganda gemacht hat."
 

( kurier.at , kob ) Erstellt am 09.05.2018