Politik | Inland
08.01.2018

Energiesparen für jedermann

Wie man seinen Energieverbrauch senken und damit Geld sparen kann.

Zuerst einmal klingt alles recht kompliziert und vielleicht sogar ein wenig beängstigend: Jeder Österreicher ist für jährlich acht Tonnen Kohlendioxid (CO2), die in unsere Atmosphäre geblasen werden, verantwortlich. Das ist weniger, als der durchschnittliche US-Amerikaner emittiert (16 Tonnen), aber deutlich mehr, als etwa ein Inder produziert (0,8 Tonnen CO2). Es sollten aber weniger als zwei Tonnen sein, um 80 Prozent weniger, mahnte hier am Neujahrstag der Ökologe Bernd Lötsch. Denn weltweit gibt es eine Verpflichtung für den Klimaschutz und für eine Eindämmung der Erderwärmung; und das Kohlendioxid in der Atmosphäre wirkt wie ein Glasdach eines Treibhauses, der die Temperaturen weltweit in die Höhe treibt.

Das CO2 entsteht bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdgas oder Erdöl. Wir produzieren es direkt, etwa durch Autos, in denen Treibstoff verbrannt wird, beim Heizen mit Öl oder Gas oder indirekt über den Stromverbrauch, der in Kohle- oder Gaskraftwerken produziert wird. Aber auch in Produkten, die mit (fossiler) Energie hergestellt werden oder durch einen CO2-aufwendigen Transport zu uns kommen.

Eine simple Lösung, wie wir von den fossilen Energien loskommen, gibt es nicht. Einerseits müssen wir auf weitere technologische Durchbrüche hoffen, bei den Erneuerbaren Energien und bei den Energiespeichern. Anderseits können wir jetzt schon kleine Schritte setzen, wie wir unseren Lebensstil ändern könnten, um unseren "ökologischen Fußabdruck" zu reduzieren. Und damit sparen wir nicht nur CO2 ein. Sondern auch Geld.

DIE HALBE ENERGIE REICHT SICHER AUS

Etwa zwei Drittel von Österreichs Gesamtenergie-Verbrauch kommt aus fossilen Brennstoffen, vor allem Öl zum Heizen und Treibstoffe für unsere Autos. Diese Energiemenge einfach nur durch Erneuerbare Energien zu ersetzen, also durch Wind- und Wasserkraft, durch Sonnenstrom (Photovoltaik), durch solares Heizen oder Erdwärme (Geothermie), wird, da sind sich alle Experten einig, nicht möglich sein – und es muss gar nicht möglich sein. Denn alle wissenschaftlichen Studien erachten die nahezu Halbierung des Energieverbrauchs als möglich. Die „Smart Savings“-Studie des WWF Österreich gibt sich besonders ambitioniert, wonach die Reduktion sogar bis 2030 möglich ist – ohne Komfort-Verlust.

Energie-Effizienz

Das Zauberwort heißt Effizienz: Beim Warmwasserverbrauch, bei Küchengeräten wie Kühl- und Gefrierschränken, beim Kochen (Induktion), bei Waschmaschinen und Wäschetrocknern, bei der Büro- und Unterhaltungselektronik und bei der Beleuchtung.

Besonders viel Sparpotenzial gibt es bei den mehr als 2,2 Millionen Wohnungen und 900.000 Gebäuden durch eine thermische Sanierung. Die Sanierungsrate müsste dafür massiv gesteigert werden, was eine Win-win-Situation für Bewohner und Bauindustrie wäre, um den Energieverbauch (Heizen und Warmwasser) von derzeit durchschnittlich 65 kWh pro Quadratmeter und Jahr auf 35 kWh/m² und Jahr zu verbessern. Passivhäuser verbrauchen nur mehr 15 kWh/m² und Jahr, es gibt aber auch Plusenergie-Häuser, die etwa durch Photovoltaik mehr Energie generieren, als benötigt wird.

MIT DEM GETEILTEN AUTO ZUR VERKEHRSWENDE

Es war eine der ersten Problemanalysen der neuen Umweltministerin Elisabeth Köstinger, und sie konnte sie wortident von ihren Vorvorgängern übernehmen: „Der Verkehr ist unser größtes Sorgenkind“.

Das ist Experten zufolge schon lange der Fall. Während die Verkehrsemissionen international seit 1990 nur um 16 Prozent gestiegen sind, wuchsen sie in Österreich gleich um 60 Prozent. Das führt dazu, dass der -Ausstoß nicht wie in anderen Ländern sinkt, sondern steigt – der Verkehr macht ein Drittel aller Emissionen aus.
Doch laut Adam Pawloff, Sprecher von Greenpeace, besteht Hoffnung. In puncto Verkehrswende herrsche reger Innovationsgeist, die E-Mobilität entwickle sich „im internationalen Vergleich gut“; Bewegung ortet er auch am Carsharing-Markt. Und das ist, wie Zahlen des VCÖ zeigen, notwendig: In Gemeinden unter 10.000 Einwohnern hat mehr als jeder vierte Haushalt mindestens zwei Autos. Der Trend, sich Autos zu teilen, komme aber langsam dort an, so Pawloff .

Beispiele dafür existieren zuhauf. Beim „Mühlferdl“ in Oberösterreich kann man sich um 3,90 Euro pro Stunde ein E-Auto borgen, die ÖBB stellt in 16 Bahnhöfen Carsharing-Autos bereit. Für die meisten Anbieter sei Wien der interessanteste Markt – rund 45 Prozent der Haushalte sind ohne Auto. Ein Beispiel dafür ist, fernab der großen Player, „Scot2t“. Das Unternehmen stellt Benzin- und Elektroroller zu 19 Cent pro Minute zur Verfügung.

Ob geteilt oder nicht, laut Pawloff wird der Anteil an E-Autos bald steigen – bis 2022 werde ein Diesel gleich viel kosten wie ein Elektroauto. Nun gehe es darum, politische Anreize für E-Mobilität und Carsharing zu setzen. „Damit das alte Sorgenkind Verkehr diesen Status auch irgendwann wieder abgeben kann.“

GRÜNER REISEN

Irgendwie ist es schon vertrackt. Der Mensch will reisen, um die Schönheiten der Welt zu sehen – doch was dabei herauskommt, ist weniger schön: Die -Belastung ist massiv (der Tourismus ist für fünf Prozent des weltweiten Ausstoßes verantwortlich), der Ressourcen-Verbrauch ebenso (im indischen Goa braucht ein Bewohner 14 Liter Wasser pro Tag, ein Tourist hingegen 1785 Liter) – die Folgen für die Einheimischen sind problematisch: Sie leiden oft viel stärker unter den Auswirkungen des Klimawandels als die Touristen in ihren Heimatländern – hängen aber zeitgleich wirtschaftlich vom Tourismus ab.

Wenige Spuren

Wie entkommt man diesem Dilemma? „Man muss so wenig Spuren wie möglich hinterlassen“, sagt Daniela Luschin. Die Ethnologin aus der Obersteiermark organisiert seit 13 Jahren mit ihrem Mann Tashi Wangail Reisen nach Ladakh. Die buddhistisch geprägte Region am Fuße des Himalaya leidet stark unter der Gletscherschmelze. Die Reisenden werden darum ausschließlich von Einheimischen betreut („die Leute müssen die Chance haben, langfristig zu überleben“), es werden nur regionale Lebensmittel verkocht („Schnitzel gibt’s bei uns nicht“), und man setzt auf „Homestays“ – familiäre Betriebe, die zudem hauptsächlich Solarenergie nutzen.

Grüner Urlaub also? So weit es geht, natürlich: Anreisen muss man dennoch per Flugzeug. Um die -Belastung zu minimieren, bietet Luschin wie viele andere Veranstalter Kompensation an – über die Firma Atmosfair etwa, die in klimafreundliche Projekte investiert. Pro Flug kommen so ein paar Dutzend Euro hinzu, um die -Bilanz auszugleichen – und schon geht’s um die Welt, im zweifachen Sinn.

WIE MAN MIT FREMDEN DATEN DAS EIGENE HAUS HEIZT

Zugegeben, die Idee, sich an einem Computer zu wärmen, klingt im ersten Moment nicht sexy.

Was ist aber, wenn man damit Geld verdienen kann? Die Idee des Dresdener Unternehmens Cloud&Heat klingt spannend: Server, wie sie in jeder Firma stehen, produzieren enorm viel Hitze, sie werden darum für teures Geld gekühlt. Warum diese Abwärme nicht nutzen, dachte sich Nicolas Röhrs: Er bastelt seither aus Großrechnern Heizungen. „Das macht mehr Sinn, als riesige Wärmemengen in die Umwelt zu blasen“, sagt er. Die Methode, die er etwa in der EZB in Frankfurt eingebaut hat, ist simpel: An den Rechnerwänden wird Wasser erwärmt; mit einer Anlage werden so drei energieeffizient gebaute Einfamilienhäuser versorgt.

Energiefresser Bitcoin

Interessant ist das deshalb, weil durch die zunehmende globale Vernetzung die Rechenleistungen immer mehr werden – und somit auch die Energiekosten steigen. Gut beobachtbar ist das am Bitcoin-Boom: Das rechenintensive System, mit dem man per „Mining“ die Kryptowährung erschafft, frisst mittlerweile aufs Jahr gerechnet 37,5 Terrawattstunden – das ist fast gleich viel Energie wie der Wüstenstaat Katar.

Ein Wiener Start-up hat auch hier eine grüne Lösung gefunden. Die kleine Firma HydroMiner nutzt Energie aus zwei österreichischen Wasserkraftwerken, um Bitcoins zu schürfen – Container, in denen Rechner lagern, werden direkt ins kühle Wasser der Kraftwerke gestellt und dort mit grünem Strom versorgt; möglichst -neutral also.
Ähnlich wie ihre Kollegen von Cloud&Heat nutzt man damit eine Notwendigkeit der digitalen Welt aus, um Geld zu sparen – oder, noch besser: um es zu verdienen.