Politik | Inland
30.12.2017

Kitzmüllers Doppelgängerin war bei Treffen mit Neonazi Küssel

Der Dritten Präsidentin des Nationalrats wurde wegen eines Fotos eine Nähe zu Neonazis nachgesagt. Ein Irrtum.

Die Augenpartie, der Haaransatz, die Lippen – jede Pore, jedes Fältchen wurde von der Twitteria genauestens unter die Lupe genommen. Und man kam zu dem Schluss: Das ist Anneliese Kitzmüller.

Interessant ist das deswegen, weil das Foto von einem Neonazi-Treffen stammt, und die Frau, die der dritten Nationalratspräsidentin zum Verwechseln ähnlich sieht, neben Gottfried Küssel und Michael Scharfmüller steht – zwei einschlägig bekannten Persönlichkeiten aus der rechtsextremen Szene. Auf Twitter machte das Foto die Runde, wurde etliche Male geteilt und kommentiert. (Anmerkung: das Foto darf aus rechtlichen Gründen nicht mehr gezeigt werden).

Fast untergegangen ist dabei Silvia M. mit ihrem Zwischenruf: "Ich bin der Mensch auf dem Foto." Dass ihr Bild "überall gepostet und analysiert wird", werde sie sich nicht gefallen lassen, erklärt sie im KURIER-Gespräch. "Das ist rufschädigend für mich. Das war in der Vergangenheit, ich will damit nichts mehr zu tun haben."

"Ist ja nicht verboten"

Das Foto entstand 2006 in einer Pause der politischen Akademie der "Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik", einer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Organisation. Mit dabei waren Michael Scharfmüller von der rechtsextremen Organisation "Bund freier Jugend" und Gottfried Küssel, der mehrfach wegen Wiederbetätigung verurteilt wurde. Küssel gründete die VAPO (Volkstreue Außerparlamentarische Opposition) und die neonazistischen Homepage "Alpen-Donau Info".

"Ja, ich war bei dieser Veranstaltung, aber das ist ja nichts Verbotenes", sagt Silvia M. – immer noch FPÖ-Wählerin, "aber kein Nazi", wie sie betont. Mit Küssel sei sie damals bekannt gewesen, er habe sie im Auto mit zur Veranstaltung nach Gumpoldskirchen genommen. Seit seiner Inhaftierung sei der Kontakt abgebrochen. Scharfmüller habe sie da zum ersten und einzigen Mal getroffen.

Die Ähnlichkeit mit Anneliese Kitzmüller sieht Silvia M. nicht: "Ich war damals 15 Kilo schwerer als heute, außerdem bin ich neun Jahre jünger als sie."

Die FPÖ-Nationalratspräsidentin spricht derweil von "medialer Hetze" und will klagen. Postings, in denen behauptet wird, sie sei die Frau auf dem Bild, habe sie ihrem Anwalt übermittelt. Auf die Frage des KURIER, ob sie Küssel persönlich kennt, antwortet sie knapp: "Nein."

"Christliche Werte"

Anneliese Kitzmüller kannte vor den Koalitionsverhandlungen kaum jemand. Als "stramm rechts" bezeichnet man die Oberösterreicherin, die Mitglied bei der Mädelschaft "Iduna zu Linz" ist und jüngst verkündete, das Julfest genauso zu feiern wie das Weihnachtsfest.

Wie passt ein altgermanisches, heidnisches Fest, das die Nazis für sich entdeckt hatten, mit den "christlichen Werten" zusammen, die die FPÖ ob der "Islamisierung" stets als so schützenswert erachtet?

"Das Julfest oder die Wintersonnenwende wird in vielen Teilen Österreichs mit verschiedenen schönen Bräuchen parallel zum christlichen Weihnachtsfest begangen. Diese gilt es zu pflegen als Teil unserer Kultur", sagt Kitzmüller auf KURIER-Anfrage, und meint, dass ja auch der Weihnachtsmann immer stärker in Erscheinung tritt. Den mag Kitzmüller, eine Protestantin, aber nicht: "Bei mir kommt das Christkind."