SOS-Kinderdorf-Reform: 10 Kinder, eine Mama und ein Dorfpapa für alle

Friedrich Santner war selbst ein Kinderdorf-Kind.
Neuer Aufsichtsrat will das alte Konzept des Kinderdorfes und die Gmeiner-Prinzipien überdenken.

Friedrich Santner, neuer Aufsichtsratschef, ist selbst in einem SOS-Kinderdorf aufgewachsen. In Moosburg – also ausgerechnet da, wo Mitte September die ersten Missbrauchsvorwürfe aufkamen, die sich seither immer mehr ausweiten. Er selbst habe keine Gewalt erlebt, sagt der 65-Jährige, will seine Erfahrungen bei der Umstrukturierung einfließen lassen. Ein paar Ansätze gibt es schon.

Da wäre etwa das Ur-Konzept des Kinderdorfes: Santner schilderte am Mittwoch bei einem Medientermin, dass er in den 1960er-Jahren als einer von neun Buben mit einem Mädchen bei einer 26-jährigen, zölibatär lebenden Kinderdorf-Mutter untergebracht gewesen sei. Als „Vaterfiguren“ galten ein Dorfleiter, der über allem gestanden sei, und ein Dorfmeister, der den Buben das Rasenmähen, Nägel einschlagen und Schrauben beigebracht habe. „Das ist nicht mehr die Realität“, so Santner. Heute lebe nur noch rund ein Zehntel – rund 170 – der betreuten Kinder und Jugendlichen in einem klassischen Kinderdorf, alle anderen in Wohngruppen oder Ähnlichem.

Das pädagogische Konzept wurde weiterentwickelt – die vier Prinzipien von Gründer Hermann Gmeiner aus dem Jahr 1949 – die Mutter als liebenden Elternteil, die Geschwister als familiäre Bindeglieder, das Zuhause, das sich jede Familie selbst schafft, und das Dorf als Gemeinschaft – sind aber immer noch in der Präambel verankert. Ein modernes pädagogisches Konzept würde ausgebildete Erzieher, Sozialarbeiter und Psychologen miteinbeziehen.

Kontrollorgan

Auch die Vereinsstatuten will der neue Aufsichtsratschef geändert sehen. Darin steht teils Kurioses wie etwa, dass die Mitglieder vom Aufsichtsrat bestimmt werden und der Aufsichtsrat von den Mitgliedern gewählt wird. Zudem fiel Santner, der in der Steiermark Karriere als Industriemanager gemacht hat, eine „überbordende Verschwiegenheitspflicht“ in den Arbeitsverträgen auf. Die Geschäftsführung wurde jetzt, im Zuge der Aufarbeitung davon entbunden.

Der Aufsichtsrat ist in erster Linie Kontrollorgan – er überwacht und berät die Geschäftsführung. Im Fall von SOS-Kinderdorf soll das sechsköpfige Gremium auch sicherstellen, dass die von der Griss-Kommission vorgeschlagenen Reformen umgesetzt werden.

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