Kern zu Telekom: "Ein Riesen-Erdbeben"

ÖBB-Chef Kern: Unter Schwarz-Blau sei zu locker mit Steuerzahler-Geld umgegangen worden. Gemeint ist die Telekom Austria, betroffen war auch die Bahn.
Foto: KURIER/Gnedt Martin

Nachgefragt: ÖBB-Chef Christian Kern schildert seine Sicht der Dinge auf den Skandal in der Telekom.

ÖBB-Chef Christian Kern schildert seine Sicht der Dinge auf den Skandal in der Telekom (TA). Kern sagte zu(r):

Ablenkung von ÖBB-Problemen Dass jetzt die Telekom und nicht wir die Prügel einstecken müssen, freut mich keine Sekunde. Im Gegenteil. Ich habe volles Mitgefühl mit Telekom-Chef Hannes Ametsreiter. Es ist wirklich eine schwierige Situation, wenn man plötzlich nur noch mit der Vergangenheit belastet ist.

Querverbindungen Die Telekom-Probleme sind mit den ÖBB-Problemen nicht vergleichbar.

Zu Hochegger & ÖBB Es gab sehr viele Gerüchte rund um diesen Komplex. Wir haben uns das sehr genau angesehen, aber wir haben als Unternehmen nicht die nötigen Mittel alles aufzuklären. Daher haben wir alles der Staatsanwaltschaft übergeben. Vieles ist in einer Grauzone passiert. Es ist oft sehr schwierig zu beurteilen, ob da der strafrechtliche Rubikon überschritten wurde.

Erbrachte Leistungen Wir haben zu Hochegger rund 300 Belege geprüft und sind mit Ausnahme der Zahlung für die Marke "railjet" immer auf eine relativ klar dokumentierte Leistung gekommen. Ich würde aber nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass nichts strafrechtlich Relevantes passiert ist. Daher sind wir zur Staatsanwaltschaft gegangen.

Mögliche Sonderprüfung Nein, ich verlasse mich voll auf die Justiz. Leider gehen die Verfahren langsamer, als es wünschenswert wäre. Der Ressourcenmangel bei der Staatsanwaltschaft und dem Bundesamt für Korruptionsbekämpfung ist nicht zu übersehen. Diese Behörden besser auszustatten, ist ein Gebot der Stunde.

Vorstandsrechten Wir sind gebrannte Kinder aus der Vergangenheit und haben eine sehr restriktive Vorgangsweise entwickelt. Ab 10.000 Euro braucht es in der Bahn Gesamtvorstandsbeschlüsse. Das Vier-Augen-Prinzip wird lückenlos eingehalten, wir haben eine Anti-Korruptionsstelle eingerichtet und rollen eine neue Compliance-Struktur aus. Das ist wichtig, bringt uns aber leider keinen Cent mehr Umsatz.

Folgen der TA-Affäre
Das ist ein Riesen-Erdbeben, das über die Telekom hinauswirken wird. Die Art und Weise wie in Österreich gewirtschaftet wird, ändert sich.

(kurier) Erstellt am
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