Reischl, Mernyi, Pichler (v.re.n.li.)

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Politik Inland
06/25/2019

„Kampforganisation“: Neues Führungsteam im ÖGB

Gewerkschaftsbund: ÖGB-Chef holt Kampagnenmanager Willi Mernyi und Kassenobfrau Ingrid Reischl in die Zentrale

von Michael Bachner

Auch im ÖGB wird es angesichts des Nationalratswahlkampfes keine Sommerpause, sondern eine große „Dialog-Offensive“ geben.

Dazu stellt ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian nach dem Wechsel des Leitenden Sekretärs Bernhard Achitz in die Volksanwaltschaft sein Führungsteam neu auf. Den Job von Achitz teilen sich künftig zwei Gewerkschafts-Urgesteine auf. Katzian will durch diese Reorganisation inhaltlich innovativ sowie „kraftvoll und kampagnenfähig“ sein. Für was auch immer auf die Arbeitnehmer nach der Wahl an neuen Bösartigkeiten zukomme, wie er nicht müde wird zu betonen.

Katzian rechnet ja fix mit einer Neuauflage der Koalition von ÖVP und FPÖ – sollte sich diese Konstellation wieder ausgehen, wie er zuletzt im KURIER-Interview sagte.

Für die inhaltliche Grundlagenarbeit an der ÖGB-Spitze ist ab sofort Ingrid Reischl (60) zuständig. Reischl stammt wie Katzian aus der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), deren Vorsitzender Katzian bis zu seinem Wechsel an die ÖGB-Spitze im Juni 2018 war. Sie ist studierte Politikwissenschaftlerin, hat an der Universität Wien unterrichtet und gibt Wandern, Reisen, Fitness und Aerobic als ihre Hobbys an.

Bekannt ist Reischl aber vor allem als kämpferische Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse. Durch den türkis-blauen Umbau der Sozialversicherung ist Reischl dort ausgeschieden, wird aber künftig statt Bernhard Achitz Vize in der Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Von dieser Warte aus wettert sie bereits gegen die Pläne der ÖVP, der AUVA auch noch die Pflege umzuhängen.

Der zweite Neuzugang im ÖGB-Führungsteam ist Willi Mernyi (51), der der Gewerkschaft zu neuer Stärke und Außenwirkung verhelfen soll. Mernyi ist seit seiner Jugend ein hoch authentischer Teil der Gewerkschaftsbewegung und hat auch die Sprache der „einfachen Hackler“ drauf. Dort, in den Betrieben, will er künftig beweisen, was die „Kampforganisation“ ÖGB ausmacht und bewirken kann. Bei seiner Präsentation am Dienstag sagte er: „Eine Demo auf dem Heldenplatz ist sicher eine Message, aber so richtig wehtut das nicht.“

Mernyi gilt als erfolgreicher Kampagnenmanager, den die SPÖ schon abwerben wollte. Der ÖGB ließ ihn aber nicht ziehen – obwohl er ein bekennender Rapid-Anhänger ist. Das will etwas heißen unter Ex-Austria-Präsident Katzian, für den die Violetten kein Fußballklub, sondern Religion sind.

Mernyi schwärmt noch immer von den rund 100.000 Menschen, die sich von ihm binnen kürzester Zeit gegen den 12-Stunden-Tag haben organisieren lassen. Privat ist er seit Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ) und bleibt das auch.

Roland Pichler (48) komplettiert das neue Führungstrio an leitenden Sekretären. Er ist bereits seit dem Jahr 2013 für die Finanzen im ÖGB zuständig. Seine Vertragsverlängerung wurde vom ÖGB-Bundesvorstand ebenso einstimmig angenommen wie die Neu-Bestellung von Reischl und Mernyi.