Politik | Inland
22.04.2018

„Junge Wilde“ wollen bei maroden Grünen jetzt den Ton angeben

Die Ökos suchen Personal und Themen. Doch vielen, die jünger sind als die Partei, geht das zu langsam.

In Salzburg steht heute die vierte und letzte Landtagswahl des Jahres für die Grünen an, bei der es gilt, die Verluste so gering wie möglich zu halten. In Innsbruck gab es zwei Tage vor der Gemeinderatswahl noch einen Eklat: Die Vizebürgermeisterin trat überraschend aus der Partei aus.

Die Grünen hatten durchaus schon bessere Tage, und sind fest entschlossen, diese wieder aufleben zu lassen: Interims-Parteichef Werner Kogler ist unermüdlich auf Zuhör-Tour – ohne Remmidemmi, meist unbeachtet von der Öffentlichkeit – und lässt sich von den Österreichern mitunter die Leviten lesen.

Die Grünen waren offenbar nur mit sich selbst beschäftigt“, sagt der Mann, der Kogler und Neubaus Bezirksvorsteher Markus Reiter jüngst an einem warmen April-Abend die Tür geöffnet hat. Er heißt Karl, ist Kulturmanager und hat tatsächlich einmal grün gewählt. Nicht bei dieser Nationalratswahl. Warum, das erklärt er Kogler und Parteikollegen Reiter jetzt in klaren Sätzen: Ihr streitet intern zu viel, ihr seid eine Verbotspartei. Wie oft hat Interimsboss Kogler das wohl schon gehört?

Zu viel 1980er-Mief

Damit für die Grünen, die im Oktober nach 31 Jahren aus dem Nationalrat geflogen sind, ein Comeback bei der nächsten Bundeswahl 2022 auch nur ansatzweise realistisch ist, braucht es neue Impulse. Am 5. Mai lädt die Öko-Bewegung in Linz zu einem Nachdenk-Treffen („Zukunft gestalten“) und diskutiert in Workshops über Demokratie, Ökologie und Wirtschaft. Doch sechs Monate nach dem fatalen Wahlsonntag geht vielen vieles zu langsam, noch immer sei zu viel 1980er-Mief drinnen, heißt es da. Das grüne Grundsatzprogramm stammt aus dem Jahr 2002, immerhin.

Im Vorfeld formiert sich nun eine Gruppe junger Landtagsabgeordneter, die in Linz ein „Next Generation Lab“ bilden. Das sind etwa Stefan Kaineder aus Oberösterreich, Nina Tomaselli aus Vorarlberg und Peter Kraus, Zukunftshoffnung für Wien.

„Sie bilden eine junge, starke Achse von West nach Ost, die jetzt Ideen entwickeln soll, wie wir die Parteistrukturen ins 21. Jahrhundert bringen“, sagt der Grüne Bundesrat David Stögmüller – mit 31 Jahren ebenfalls zu jung, um so etwas wie die Besetzung der Hainburger Au miterlebt zu haben.

Neue Gesichter

Hört man sich bei den „jungen Wilden“ um, bekommt man sinngemäß Folgendes zu hören: Wir haben die Gründerjahre mit all den Streitereien nicht miterlebt, und wir distanzieren uns von den Unruhestiftern rund um Flora Petrik (siehe oben rechts). Wir leisten jetzt in den Ländern gute Arbeit. Also gebt uns beim Wiederaufbau die entsprechende Verantwortung.

Noch spricht niemand laut von einem Aufstand, Gott bewahre. „Das wäre nicht der richtige Weg“, sagt etwa der 33-jährige Kaineder – es gehe ums Mitgestalten, Mitbestimmen, nicht um Druck. Parteichef Kogler sei dieser neue Schwung mehr als willkommen.

Von einer Revolution will auch der Wiener Gemeinderat Kraus nichts wissen: „Wir entwickeln ein Angebot, das sich an alle richtet, die jünger sind als die Partei.“ Beim Bundeskongress, der am 17. November stattfinden wird, wollen die Jungen etwas „Herzeigbares“ präsentieren, dann werden auch personell die Weichen für die Zukunft gestellt.

Im Zuge des Neustarts braucht es neue Gesichter. Ein Faktum, das sich in der wichtigsten Landesgruppe, Wiens Grünen, noch nicht breit herumgesprochen hat, wie es heißt. Wohl auch deshalb gibt es hochrangige Funktionäre, die auch eine Neugründung der Partei nicht ausschließen wollen.

Ein heißes Eisen ist die mögliche Ablöse von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, um die Chancen bei der Wien-Wahl 2020 zu verbessern. Derzeit soll es mindestens vier Interessenten für die Poleposition geben – der junge Kraus wird oft genannt. Einen parteiinternen Streit will man tunlichst vermeiden. Noch so einen würden die Grünen wohl nicht überleben.