Politik | Inland
26.06.2017

Julian Schmid: Er besiegte Pilz in Listenwahl

Seit 2013 ist Julian Schmid Nationalratsabgeordneter. Das junge Gesicht der Partei fiel bisher vor allem mit Äußerlichkeiten auf: Kapuzenpulli, Badehose und Öffi-Plakate.

Die Grünen und ihre Jugend. Das Reizthema spitzte sich im Frühling insofern zu, als sich die Partei im Streit von ihrer Jugendorganisation getrennt hat. Dabei sollten sich die Grünen doch dringend verjüngen und benötigen, auch nach dem Abgang von Eva Glawischnig, dringend frisches Blut.

Der prominente Listenplatz 4 für den 28-jährigen Julian Schmid geht nicht unbedingt als Teil einer Verjüngungskur durch. Zwar wurde beim Bundeskongress mit Peter Pilz einer der letzten "Silberrücken", wie lang gediente, männliche Politiker bei den Grünen gerne genannt werden, von der Bundesliste gekickt. Schmid ist aber kein neues Gesicht, er saß bereits vier Jahre für die Grünen im Parlament und wirkte dort bisher nicht sonderlich auffällig.

Kapuzenpulli

Im Oktober 2013 zog der Kärntner als 24-jähriger in den Nationalrat ein und war in der vergangenen Legislaturperiode der jüngste aller Abgeordneten. Sein auffälligstes Attribut: Ein Kapuzenpulli, den der Jugendsprecher zu seiner Antrittsrede trug. Sorgen von Kollegen, der legere Kleidungsstil könne die Würde des Hauses beschädigen, versuchte Schmid zu zerstreuen: "Nicht meine Kapuzenpullis beschädigen die Würde", sagte er damals dem KURIER, sondern Aktionen wie "das Abblocken des Hypo-U-Ausschusses".

Einen Anzug besitze er gar nicht, erklärte er damals. "Nur weil ich im Parlament bin, muss ich nicht versteinern", sagte er. "Das Parlament ist eine Volksvertretung und ich will authentisch bleiben".

Seinen Hoodie hat er inzwischen dem grünen Archiv überlassen, wo solche Devotionalien gesammelt werden.

Öffi für alles

Auffällig war auch ein grünes Wahlplakat aus dem Wien-Wahlkampf 2015, das Julian Schmid übersät mit roten Kussmündern zeigte. Dazu war der Slogan zu lesen: "Ich bin Öffi für alles."

Schmid kandidierte zwar gar nicht für den Wiener Gemeinderat, für die NEOS war das Plakatmotiv aber Grund für eine Beschwerde bei der Werbewatchgroup, die das Sujet als sexistisch einstufte. "Die Inszenierung des lächelnden Mannes mit dem Slogan 'Ich bin Öffi für alles', suggeriert, dass er für sexuelle Abenteuer offen ist", schrieb das Kontrollgremium damals, "dadurch findet eine Sexualisierung des Mannes statt".

Angst vor Sexualisierung zeigt der Jungpolitiker tatsächlich nicht. Im Sommer des selben Jahres schickte er auf seinem Facebook-Profil Urlaubsgrüße aus Mallorca, braungebrannt und in Badehose. Schmid wandle mit nacktem Oberkörper auf den Spuren von Strache und Stronach, wurde da in den sozialen Medien gelästert.

Diesen Sommer will sich der Kärntner aber etwas ernsthafter geben und möchte im echten Leben gleich in fünf Lehrlingsjobs schnuppern: in der Gastronomie, am Bau, bei einem Kfz-Betrieb, bei Spar und einem Friseur. Er wolle die Anliegen der Lehrlinge stärker ins Parlament bringen, sagte Schmid bei seiner emotionalen Rede am Bundeskongress und positionierte sich als das grüne Gesicht der "Generation Krise", als Kämpfer für die Jugend, eine gerechte Schule und Jugend-Öffitickets.

Zukunftshoffnung

Vor allem junge Wähler will Schmid, der 2002 in Kärnten die Grünalternative Jugend mitgründete und später studienbedingt nach Wien übersiedelte und dort zweieinhalb Jahre als Bezirksrat aktiv war, für die Grünen ansprechen. "Ich will, dass wir Grüne in dieser Wahl die Zukunftshoffnung werden - nicht Kurz' neoliberales Blabla."

Weniger angriffig zeigte sich Schmid dieses Jahr im Konflikt zwischen der Parteispitze und den Jungen Grünen. Er hielt sich komplett heraus und knüpfte lieber im Hintergrund an seinen Netzwerken zu Jugendorganisationen, jungen Abgeordneten und auf Social Media.

Nun hat Schmid mit Hilfe der vielzitierten grünen Basis zumindest den grünen Bundeskongress aufgemischt. Ob er für die Partei mehr als nur die Zukunftshoffnung ist, sollte er aber bereits diesen Herbst im Wahlkampf unter Beweis stellen. Denn die Partei geht mit trüben Aussichten ins Rennen und hat nun auch noch den prominenten Eurofighter-Aufdecker Pilz verloren. Woran Schmid nicht unwesentlichen Anteil hat.