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Politik | Inland
05/13/2019

Iran-USA: Gefährliches Spiel am Golf

Teheran und sein Einfluss im Nahen- und Mittleren Osten sind den USA ein Dorn im Auge.

„Die Explosionen könnten von Saboteuren aus einem Drittstaat verübt worden sein, die Instabilität in der Region schüren wollen“, sagte Heshmatollah Falahatpisheh, Vorsitzender des Nationalen Sicherheitskomitees des iranischen Parlaments.

Auf vier Handelsschiffe in der Nähe der wirtschaftlich immens wichtigen Straße von Hormus sollen Unbekannte am Sonntag Anschläge verübt haben. Zwar soll dabei niemand zu Schaden gekommen sein, doch in der ohnehin angespannten Situation zwischen dem Iran und den USA könnte ein Funken genügen, um das Pulverfass explodieren zu lassen. Ein US-Flugzeugträger und Kampfbomber wurden bereits stationiert.

Abkommen gescheitert

Der US-Verbündete Saudi-Arabien hat bereits alarmiert reagiert, fürchtet um die globale Ölversorgung. Bislang hat keiner der Staaten konkrete Anschuldigungen erhoben, trotzdem ist die Stimmung zwischen Teheran und Washington derzeit am Kochen: Das Atomabkommen des Iran mit den USA, der EU und Russland ist de facto gescheitert – ausländische Unternehmen fürchten die US-Sanktionen so sehr, dass sie kaum noch in den Iran investieren. Daran dürfte auch der EU-Gipfel mit US-Außenminister Mike Pompeo am Montag nicht viel geändert haben. Einige Außenminister warnten vor einem Krieg. Auch wenn die europäischen Außenminister darauf pochten, dass der Iran das Abkommen bisher eingehalten hat – aus Sicht von US-Präsident Donald Trump (und vielen Demokraten wie Republikanern) ist die islamische Republik ein gefährlicher Gegner. Vor allem in den vergangenen Jahren konnte Teheran seine Einflusszone in der Region massiv ausweiten, durchkreuzte dabei auch US-Interessen.

Der mehrheitlich schiitische Irak steht mittlerweile unter großem Einfluss Teherans, was vor allem der Unfähigkeit der US-unterstützten irakischen Armee, gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu bestehen, geschuldet ist.

Großer Einfluss

Ohne iranische Milizen hätte es weit länger gebraucht, den IS zur Strecke zu bringen. Noch heute werden Iraker von Soldaten der libanesischen Hisbollah ausgebildet. Das ist vor allem deswegen möglich, weil der Iran durch sein Engagement im Syrien-Konflikt eine direkte Landverbindung zwischen Teheran und Beirut herstellen konnte.

Der „schiitische Halbmond“, vor dem besonders arabische, sunnitische Politiker gewarnt haben, ist Realität geworden. Vor allem Saudi-Arabien fühlt sich durch die schiitische Machtzunahme bedroht. Im Libanon sitzt die mit Teheran eng verbündete Hisbollah fest im Sattel – bei den Wahlen im Vorjahr konnte die „Partei Gottes“ Stimmgewinne erzielen und ist Teil der Regierung.

Israel – der wichtigste US-Verbündete in der Region – bombardiert immer wieder syrisches Staatsgebiet, begründet es meistens damit, Waffenlieferungen an die Hisbollah unterbinden zu wollen. In Syrien selbst ist der Iran mit zahlreichen Streitkräften vertreten – neben den legendären Revolutionsgarden und regulären Truppen kämpfen unter anderem 12.000 schiitische Milizionäre aus Afghanistan auf Assads Seiten. Trainiert und ausgerüstet werden sie vom Iran, dessen Einflussgebiet auch ins westliche Afghanistan reicht. Ein Land, in dem die USA den bis dato längsten Krieg ihrer Geschichte führen.

Neben dem russischen Militär sind die Bodentruppen des Iran die größte Stütze des syrischen Machthabers Bashar al-Assad und schützen damit einen erklärten Feind Washingtons.

Hatte Barack Obama noch versucht, die Gefahr einer iranischen Atommacht durch das Atomabkommen einzudämmen, schlägt Trump mit voller Härte gegen das Mullah-Regime. Dieses machte am Montag deutlich, dass es nach wie vor vom Bau atomarer Waffen absehen will: „Wir wollen mit dem Teilausstieg weder jemanden provozieren noch planen wir damit ein unfriedliches Nuklearprogramm“, sagte Behrus Kamalwandi, Sprecher der iranischen Atomorganisation.

Neue Allianzen

Für Trump werden das Lippenbekenntnisse sein, ebenso für die Hardliner in seinem Kabinett – allen voran dem nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Aus US-Sicht stellt Teheran eine Bedrohung zweier wichtiger Verbündeter dar, die sich mittlerweile einander angenähert haben. Vor einigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass Israel und Saudi-Arabien enge Kontakte pflegen. Dies geschieht zwar inoffiziell, unter anderem, um nicht die Palästinenser zu vergrämen, dennoch eint die beiden Staaten die Feindschaft zum Iran.