Politik | Inland
28.03.2017

Integrationsjahr: Zivildienstträger bekommen 120 Euro pro Flüchtling

Regierung sichert Organisationen Pauschalbetrag für Arbeitstraining zu, Rotes-Kreuz-Generalsekretär Kerschbaum will echte Kosten evaulieren.

Mit dem Integrationsjahr, das die Regierung heute im Ministerrat beschließen wird, kommt auf die Zivildienstträger viel Arbeit zu. Sie sollen Asylberechtigte und Asylwerber mit guten Bleibechancen beschäftigen. Das Ganze nennt sich " Arbeitstraining" und soll für mindestens 5000 der insgesamt 15.000 Teilnehmer des Integrationsjahres Pflicht werden.

Das Rote Kreuz hatte den enormen Mehraufwand kritisiert - und eine Entschädigung gefordert. Dem kamen die zuständige Staatssekretärin Muna Duzdar und das Sozialministerium nun entgegen: Pro beschäftigtem Flüchtling und Monat soll die Organisation 120 Euro erhalten.

Ein Pauschalbetrag, der bereits im Rahmen des freiwilligen Integrationsjahres bezahlt wurde. Dieses Angebot haben seit 2015 aber erst wenige 100 Personen in Anspruch genommen. Jetzt geht es um eine Pflichtbeschäftigung für Tausende.

Reichen die 120 Euro?

Generalsekretär Werner Kerschbaum zeigt sich über die in Aussicht gestellte Entschädigung hocherfreut. Nur: "Wir wissen noch immer nicht, was genau von uns erwartet wird. Und können deshalb auch noch nicht beurteilen, ob diese Pauschale alle Kosten deckt."

Er nimmt das freiwillige Integrationsjahr als Maßstab: In diesem Programm konnten Flüchtlinge eine Ausbildung als Rettungssanitäter absolvieren. Diese umfasst insgesamt 150 Stunden, monatlich kostet der Trainer 180 Euro.

Eine Hilfstätigkeit wäre freilich weit günstiger. Kerschbaum kann sich vorstellen, die Asylberechtigten auch mit der Pflege von Grünflächen, in der Abfallwirtschaft oder im Lager zu beschäftigen. "Dann gehen sich die 120 Euro aus", sagt er. "Wenn aber eine Ausbildung erwartet wird, dann wird es eng." Das Arbeitstraining soll zwischen drei und neun Monate dauern.

Evaluierung der wahren Kosten

Kerschbaum schlägt deshalb vor, das Programm - so, wie es jetzt geplant ist - einmal auszuprobieren. "Und nach ein paar Monaten rechnen wir nach, wie viel uns das tatsächlich gekostet hat", erklärt er. Das Paket Integrationsjahr lässt sich die Regierung jährlich rund 137 Millionen Euro kosten. "Da muss es drin sein, die realen Kosten zu evaluieren und uns zu ersetzen", betont der Rot-Kreuz-Generalsekretär.

Wichtig sei ihm auch, sich die Teilnehmer am Arbeitsprogramm "aussuchen zu können". "Wir können denjenigen nur sinnvoll beschäftigen, wenn er Deutsch kann. Und ein Deutschkurs geht sich mit den 120 Euro erst recht nicht aus", sagt Kerschbaum.

Kein Extra-Geld für Beschäftigte

Die Beschäftigten selbst bekommen übrigens kein Extra-Geld. Ihre Lebensunterhaltskosten werden aus dem Topf des AMS abgedeckt. Das AMS ist für die gesamte Organisation des Integrationsjahres zuständig.

Ist diese Deckung niedriger als die Mindestsicherung, wird bis zu ihr (rund 830 Euro) aufgestockt - es gebe aber keinesfalls mehr, wird im Sozialministerium betont. Dieses Geld kann als Sanktion sogar gekürzt werden, wenn ein Flüchtling nicht am Arbeitsprogramm teilnimmt.