Nur jede zweite Integrationsprüfung wird bestanden
Zusammenfassung
- Die Erfolgsquote bei Integrationsprüfungen auf den Niveaus A2 und B1 ist seit 2023 gesunken und liegt 2025 jeweils nur noch bei rund der Hälfte der Antritte.
- Als Gründe nennt das Ministerium vor allem mehr Teilnehmende aus Herkunftsländern mit niedrigeren Bestehensquoten, geringere formale Bildung und eine leicht sinkende Kursanwesenheit.
- Während die Grünen der ÖVP und dem ÖIF Versäumnisse in der Integrationspolitik vorwerfen, verweist der ÖIF auf Qualitätssicherung und die Regierung plant strengere Regeln bis hin zu Sanktionen bei Abbruch von Integrationsprogrammen.
Nur knapp jede zweite Integrationsprüfung in den Sprachniveaus A2 und B1 wird bestanden. Laut einer Anfragebeantwortung von Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) an die Grünen ist die Erfolgsquote bei den Prüfungen, in denen sowohl Deutschkenntnisse als auch Werte abgefragt werden, rückläufig.
Das Ministerium führt das unter anderem darauf zurück, dass weniger Personen aus Herkunftsländern mit hohen Bestehensquoten antreten.
Während 2023 noch 53 Prozent der A2-Prüfungsantritte positiv absolviert wurden, waren es 2025 nur noch 48 Prozent. Genauso sieht es bei den B1-Prüfungsantritten aus: 2023 lag die Erfolgsquote bei 55, 2025 bei 49 Prozent. Im Schnitt treten Personen nun auch häufiger bei den Prüfungen an:
- Beim Niveau A2 waren es 2023 im Schnitt 1,28 und 2025 1,43 Antritte pro Person,
- bei B1 2023 1,24 und 2025 1,48 Antritte.
Das erlaube aber keine Aussage darüber, ob die Person die Prüfung letztlich besteht oder nicht mehr antritt, so das Ministerium. Da das Integrationsgesetz A2- sowie B1-Prüfungen regelt, gibt es in der Anfragebeantwortung nur Zahlen zu diesen Niveaus.
Prüflinge mit weniger formaler Bildung
Die sinkenden Bestehensquoten seien auf mehrere Faktoren zurückzuführen, hieß es auf Nachfrage zur APA. So gebe es nun mehr Prüfungsteilnehmende aus Herkunftsländern mit niedrigeren und anteilsmäßig weniger aus Herkunftsländern mit höheren Bestehensquoten. Erfolgreicher seien etwa Menschen aus der Ukraine, Bosnien und Herzegowina, Rumänien oder Russland; weniger erfolgreich jene aus dem Irak, Afghanistan oder Syrien.
Vermehrt würden Personen bei den Prüfungen antreten, die vorher einen Alphabetisierungskurs besucht haben, was eine besondere Herausforderung darstelle. Insbesondere Personen mit geringer formaler Bildung oder ohne schulische Vorerfahrung würden mehr Zeit und Antritte benötigen, um die Prüfungen zu bestehen. Außerdem sinke die Anwesenheit in den Kursen leicht. Personen, die häufiger im Unterricht dabei sind, haben aber höhere Bestehensquoten, teilte das Ressort mit.
ÖIF weist Kritik zurück
Die Grünen sehen die Verantwortung bei der ÖVP. Diese sei seit 15 Jahren für die Integration zuständig - "und die Bilanz ist inakzeptabel", so die stellvertretende Klubobfrau Sigrid Maurer. "Ministerin Bauer investiert ihre Arbeitszeit in lauten Instagram-Populismus statt sich um funktionierende Integrationspolitik zu kümmern und die offensichtlichen Qualitätsdefizite und Missstände beim ÖIF (Österreichischer Integrationsfonds, Anm.) endlich zu beheben."
Der ÖIF wies die Kritik am Donnerstag zurück. Die Deutschkurse des ÖIF verfügten "als einzige in Österreich über eine gesetzlich verankerte Qualitätssicherung". Zudem hätten neun von zehn Teilnehmern angegeben, mit den Kursen sehr zufrieden zu sein. Seit Jahren weise man auf das niedrige Bildungsniveau sowie den hohen Alphabetisierungsbedarf mancher Geflüchteter hin, so der ÖIF. Die Daten zeigten aber, wer regelmäßig teilnimmt, aktiv mitarbeitet und auch außerhalb des Unterrichts lernt, macht deutlich bessere Fortschritte beim Deutschlernen. Deshalb seien die ÖIF-Deutschkurse mit April 2026 - etwa mit mehr Verbindlichkeit - gezielt weiterentwickelt worden.
Integrationspflicht geplant
Knapp 10.000 Mal sollen Deutschkurse im Jahr 2025 laut der Anfragebeantwortung unentschuldigt abgebrochen worden sein. Die Regierung plant eine Integrationspflicht, die verschärfte Maßnahmen beim Abbruch von Integrationsprogrammen vorsieht.
Das Programm soll laut Regierungsübereinkommen unter anderem den Erwerb der deutschen Sprache, Wertevermittlung und Integrationsberatung beinhalten, bei Nichterfüllung sollen Sanktionen wie Leistungskürzungen folgen. Zuletzt gab es zwischen SPÖ und ÖVP hier allerdings Unstimmigkeiten.
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