Politik | Inland 12.03.2018

Bildungsstiftung: Der VP-Idee droht das Aus

Harald Mahrer will Bildungswissenschaft jenseits der Ideologie. © Bild: APA/HANS PUNZ

Ein schwarzer Finanzminister muss sparen und könnte jetzt ausgerechnet die Idee eines Parteikollegen zu Fall zu bringen. Christiane Spiel erläutert, warum die Bildungsstiftung für den Standort Österreich so wichtig wäre.

Das Ziel klingt hehr: Die Innovationsstiftung für Bildung soll dafür sorgen, dass das Bildungsniveau und die Innovationskraft aller Österreicher gefördert werden. Die Idee stammt vom ehemaligen Wirtschaftsminister Harald Mahrer, der federführend für die ÖVP die Bildungsreform verhandelt hat, und der gerne außerhalb ideologischer Bahnen Lösungen sucht. Unter dem Schlagwort "empirische Bildungsforschung" sollen mittels der Stiftung innovative Modellprojekte für Bildungseinrichtungen entwickelt werden, die vom Krippen- bis zum Erwachsenenalter reichen.

Genau diesem Prestigeprojekt eines VP-Ministers droht nun das Aus durch einen schwarzen Finanzminister. Denn derzeit wird an einer Gesetzesnovelle gearbeitet, die die Finanzierung der Stiftung neu aufstellen soll. Ursprünglich sollte die im Vorjahr gegründete Stiftung mit 50 Millionen Euro aus der Bankenabgabe dotiert werden. Doch der Finanzminister gab das Geld nie frei, obwohl er laut Gesetz dazu verpflichtet gewesen wäre. Die Anschubfinanzierung erfolgte deshalb aus Rücklagen des Wirtschaftsministeriums.

Es kann auch weniger sein als die geplanten 50 Millionen Euro.

Jetzt soll die Finanzierung auf neue Beine gestellt werden. Das Bildungsministerium will mehr private Spender durch neue Absetzbarkeitsregeln gewinnen, und zudem überlegt man dort, von einer einmaligen Dotierung auf eine mehrjährige umzustellen. Auf die Höhe der zukünftigen Dotierung wollte man sich auf KURIER-Nachfrage im Büro von Bildungsminister Heinz Faßmann nicht festlegen. "Es kann auch weniger sein als die geplanten 50 Millionen Euro." Ein Aus der Innovationsstiftung, wie von der SPÖ befürchtet, drohe der Stiftung allerdings nicht.

Hintergrund: Die türkis-blaue Bundesregierung will insgesamt 2,5 Milliarden Euro einsparen, weshalb man nach Einsparungsmöglichkeiten suchte. Die Bildungsstiftung wurde von der Budgetsektion des Finanzministeriums jedenfalls nicht für würdig genug empfunden, um weiter so hoch dotiert zu werden. Unterm Strich bleibt: Die Stiftung hängt in der Luft.

Wie genau es mit der Stiftung weitergehen wird, wird man erst nach der Budgetrede Ende März wissen.

Experten wie die Bildungspsychologin Christiane Spiel fänden es jedenfalls mehr als schade, wenn die Stiftung nicht wie geplant ihre Arbeit aufnehmen könnte.

...und damit letztlich die Lernerfolge und Leistungen der Lernenden steigern.

Warum diese so notwendig ist? "Die Idee ist, dass in Kooperation mit Bildungseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen wissenschaftlich fundierte innovative Bildungsprojekte konzipiert werden, die die Bildungspraxis weiter entwickeln und damit letztlich die Lernerfolge und Leistungen der Lernenden steigern."

Diskussionsrunde "Schulsystem"
Diskussionsrunde "Schulsystem" in der Industriellen Vereinigung, Wien am 01.07.2015. © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Diese Projekte sollten laut Spiel in einem Drei-Stufen-Plan entwickelt werden: Als erstes startet man mit einen Pilotprojekt an einem Standort. Dann wird geprüft, ob dieses Projekt auch in breiterer Fläche umsetzbar ist. In einem dritten und letzten Schritt soll daraus ein Prototyp entstehen, der auch Angaben über eine flächendeckende Implementierung beinhaltet. Konkret heißt das: Wie kann ich das Projekt in der Praxis umsetzen, wie die Lehrpersonen qualifizieren und mitnehmen, welche Hürden gilt es vorab zu überwinden?

Spiel verweist auf Deutschland, wo nach dem ersten PISA-Schock die empirische Bildungsforschung ausgebaut wurde, mittlerweile breit aufgestellt ist und entsprechend mit der Bildungspraxis kooperiert.

Man kann Ergebnisse meist nicht Eins zu Eins übernehmen.

Anders ist die Situation in Österreich, wo die Standards in der Bildungsforschung höchst unterschiedlich sind und man in vielen Bereichen auf die Befunde aus anderen Ländern zurückgreifen muss. Das Problem: "Man kann Ergebnisse meist nicht Eins zu Eins übernehmen", so Spiel. Es wäre vielmehr nötig, herauszufinden, welche österreichspezifischen Lösungen es braucht. Nur so könne die Bildungswissenschaft und somit auch das Bildungssystem verbessert werden.

Gute und breit aufgestellte Bildungsforschung ist laut Spiel eine wichtige Voraussetzung für gute und erfolgreiche Bildungspraxis. Mit solchen Projekten, wie sie in der Innovationsstiftung vorgesehen sind, könnte ein substantieller Beitrag zur Weiterentwicklung des österreichischen Bildungswesen geleistet werden.

( kurier.at , ub ) Erstellt am 12.03.2018