© APA/HERBERT PFARRHOFER

Faktencheck
12/29/2020

Impfplan: Stich-Tage für Österreich

Warum Ältere oder Asylwerber Vorrang haben, und wieso der erste Impfstoff eine logistische Herausforderung ist.

von Johanna Hager, Elisabeth Hofer

Mehr als 6.000 Covid-Tote  sind seit Beginn der Pandemie zu beklagen. Um das Virus zu bekämpfen, wird 2021 geimpft - aber wie und warum gibt es nach den ersten Impfungen nun eine Pause. Der KURIER macht den Faktencheck.

Wie viele Impfungen stehen in Österreich zur Verfügung?

Österreich kann vorerst über das EU-Kontingent rund 3,5 Millionen Impfdosen von BioNTech/Pfizer abrufen. Insgesamt hat Österreich die Möglichkeit, 4,5 Millionen Impfdosen des ersten, in Europa zugelassenen Impfstoffes zu verwenden. Dieser muss zwei Mal verimpft werden. Somit können gut zwei Millionen Menschen damit behandelt werden. Vergangenes Wochenende wurde mit dem Impfen begonnen. Das zweite Vakzin stammt von Moderna und soll im Jänner, laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober womöglich ab dem 6., in Österreich verfügbar sein. Der dritte Impfstoff soll im ersten Quartal zugelassen werden und kommt von AstraZeneca.

Warum wird erst Mitte Jänner weitergeimpft?

Weil der Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei minus 70 Grad gekühlt werden muss und daher eine logistische Herausforderung darstellt. Um die Kühlkette nicht zu unterbrechen, wird der Impfstoff erst aufgetaut und via 17 österreichweiter Impfzentren an die Alten- und Pflegeheime geliefert – und das dauert. Der zweite und dritte Impfstoff müssen nicht tiefgekühlt werden und sind deshalb leichter zu transportieren und unkomplizierter in der Handhabung. Jeder, der möchte, werde in Österreich jedenfalls geimpft werden können, sagt Anschober. „Es ist nicht eine Frage der Menge, sondern des Zeitpunkts.“

6.000 Corona-Tote sind in Österreich bisher zu beklagen. Zum Vergleich: 2019 starben an der Grippe 1.373 Personen. Österreich hat sich bis zu 4,5 Impfdosen des ersten Impfstoff-Herstellers gesichert.

Stichtag 12. Jänner 2021: Mitte Jänner sollen ausreichend Impfdosen in Österreich sein, um flächendeckend in den Alten- und Pflegeheimen impfen zu können.

Bis März 2021 sieht der Plan vor, dass auch Gesundheitspersonal, Hochrisikogruppen und Mitglieder der kritischen Infrastruktur geimpft werden

 

Warum werden Ältere, Asylwerber oder Obdachlose vor anderen geimpft?

Weil die genauen Termine der Impfzulassungen noch nicht feststehen, hat das Nationale Impfgremium eine „Priorisierung von Zielgruppen“ vorgenommen. Deshalb wird im ersten Quartal 2021 mit den Impfungen von Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen, Gesundheitspersonal sowie Personen, die einer Hochrisikogruppe (etwa mit Vorerkrankungen) angehören, begonnen. Asylwerber in Heimen, Haftinsassen und deren Betreuungspersonal sowie Obdachlose haben laut Impfgremium ob ihrer Unterkunftssituation eine „erhöhte Priorität“ bei der Impfung. Selbiges gilt für Menschen, die bei ihrer Arbeit den Mindestabstand nicht immer einhalten können (Postverteilerzentren, Arbeitsplätze im Kühlen wie in der fleischverarbeitenden Industrie u. a.). Sobald ausreichend Impfdosen der unterschiedlichen Hersteller in Österreich sind, kann von den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums abgesehen werden.

Wann bekommen Menschen, die nicht Teil einer Risikogruppe oder kritischen Infrastruktur sind, eine Impfmöglichkeit?

Sobald ausreichend Impfstoff vorhanden ist, wird dezentral geimpft. Das heißt durch niedergelassene Ärzte, mobile Impfteams, an öffentlichen Impfstellen und später in Spitals- und Krankenhausambulatorien, in weiterer Folge von Betriebs- oder Schulärzten. Beim praktischen Arzt werden – sofern noch nicht ausreichend Impfstoff vorhanden – betagte und ältere Patienten zuerst geimpft. Sobald genug Vakzine vorhanden sind, wird jeder – unabhängig vom Alter – kostenlos geimpft werden können. Sollte es eine enorme Nachfrage nach der Impfung geben, könnte es in Ballungszentren auch Impfstraßen geben (ähnlich wie bei den Massentests).

Kann ich trotz Impfung andere anstecken?

Auf diese Frage hat die Forschung derzeit noch keine valide Antwort. Wie die Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums, Ursula Wiedermann-Schmidt, erklärt, sei der Forschungsfokus bisher auf der Symptombekämpfung gelegen. Nun müsse erforscht werden, ob eine Übertragung trotz Impfung möglich ist. Vom Gesundheitsministerium heißt es: "Man kann annehmen, dass geimpfte Personen auf Grund einer geringeren Viruslast weniger infektiös sind. Aufgrund präklinischer Daten nimmt man an, dass es auch durch Covid-19-Impfungen zu einer geringeren Virustransmission kommt, obwohl dies derzeit noch nicht klinisch belegt ist.“

Wie lange dauert es, bis genug Menschen geimpft sind?

Damit eine Art "Herdenimmunität“ gegen das Coronavirus entsteht, muss der Impfstoff wirksam und eine möglichst hohe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung gegeben sein. Wenn der Impfstoff auch eine Virus-Übertragung verhindert, würde es laut Wiedermann-Schmidt einer Impfrate von 50 bis 70 Prozent bedürfen. Kann er das nicht, muss die Quote höher sein. Laut Experten wird es bis zu zwei Jahre dauern, bis eine Herdenimmunität erreicht ist.

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