Politik | Inland
11/05/2016

Grazer FPÖ retuschiert Muslimen Lächeln aus Gesicht

Mit grimmig dreinblickenden Muslimen wirbt die Grazer FPÖ aktuell für eine Anti-Ausländer-Aktion im Gemeindebau. Im Original heißt die Illustration "happy muslim arabic family". Die Urheberin ist selbst Flüchtling - und verärgert.

"Fremd im eigenen Haus - Gemeindewohnungen zuerst für Grazer" - unter diesem Slogan wirbt die hiesige FPÖ aktuell für eine neue Unterschriftenaktion (der KURIER berichtete).

Illustriert wird das Begehren mit dem Bild einer 16-köpfigen arabischen Familie, deren Mitglieder allesamt nicht sonderlich freundlich bei der Tür hereinschauen. Dass nur 16 Prozent der Gemeindebau-Bewohner Nicht-EU-Bürger sind, ist aber nicht der einzige Schönheitsfehler.

Im Original ist das Bild mit dem Schlagwort "happy muslim arabic family" versehen, leicht zu finden auf gängigen Bildagenturen. Von dem breiten Lächeln, das den arabischen Familienvater dort ziert, ist in der FPÖ-Version jedoch nichts mehr zu sehen. Der Großvater sieht eher verbissen denn sympathisch aus und das Lächeln der Großmutter ist einem offenen Mund gewichen. Selbst das Grinsen der Kinder wurde für die FPÖ-Version verändert.

Urheberin verärgert

Änderungen, die der Urheberin der Illustration so gar nicht gefallen. Unter den Pseudonymen "Evellean" und "Bluebearry" veröffentlichte eine ukrainische Grafikdesignerin die Vorlage auf unterschiedlichen Bildagenturen bereits im März dieses Jahres.

Vom KURIER mit der Bearbeitung durch die FPÖ konfrontiert, reagiert die Ukrainerin mit Entsetzen. Wegen des Konflikts in der Ostukraine sei auch sie gezwungen gewesen, ihre Heimat zu verlassen. "Ich weiß, wie schwer das Leben als Flüchtling ist", sagt sie. Dass ihre Illustration nun für eine Anti-Ausländer-Aktion verwendet werde, findet sie "wirklich schrecklich".

Dass die FPÖ bei ihrer Kampagne Zuwanderer nicht mit einem Lächeln zeige, sei naheliegend, heißt es dazu aus dem Büro des Grazer FPÖ-Stadtrats Mario Eustacchio. "Wir wollen ja nicht der Willkommenspolitik das Wort reden." Deshalb habe man auch neutrale Gesichter verwendet. Grimmige Gesichtsausdrücke will man dabei jedenfalls nicht erkennen.

Gängige Praxis

Dass Illustrationen für Werbezwecke auf Bildagenturen erworben werden, ist gängige Praxis. Auf "iStock"-Photo etwa zahlt man dafür neun Euro - und erhält damit ausdrücklich das Recht, das Bild zu spiegeln, zu drehen, zuzuschneiden oder Text hinzuzufügen. Ebenso ausdrücklich ist in den Nutzungsbedingungen dieser Bildagentur jedoch festgehalten, dass die "Änderungen nicht gegen den Inhalt verstoßen dürfen." Eine Interpretationsfrage. Bei sogenannten Vektorgrafiken wie "happy muslim arabic family", die zur Bearbeitung extra aufbereitet sind, sind weitreichende Änderungen jedenfalls üblich.

"Wir haben das Bild so gekauft, dass wir es so verändern können, wie wir es brauchen"

Rechtlich sieht man sich in der Grazer FPÖ damit auf der sicheren Seite. "Wir haben das Bild so gekauft, dass wir es so verändern können, wie wir es brauchen", heißt es dazu.

Hintergrund der Aktion ist die Forderung der FPÖ, Gemeindewohnungen nur an jene Personen zu vergeben, die ihren Hauptwohnsitz fünf Jahre lang in Graz hatten und Deutschkenntnisse haben. Rund 250 Personen haben die Petition online inzwischen unterschrieben.

Am Donnerstag machte Mario Eustacchio im KURIER-Gespräch kein Hehl daraus, dass die Petition "uns quasi im Vorwahlkampf zugute kommt". Die Illustration verteidigte er. "Manchmal muss man einen provokanten Ansatz wählen."