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Politik | Inland
05/23/2019

Ibiza-Affäre könnte Wahlbeteiligung bei EU-Wahl spürbar heben

Europawahl ist von innenpolitischen Themen dominiert. Das steigert das Interesse der Wähler, sagt Meinungsforscher Bachmayer.

Mit der Elefantenrunde der EU-Spitzenkandidaten im ORF bog der EU-Wahlkampf am Donnerstagabend in die Zielgerade. Wieder unter regem Zuschauerinteresse.

Schon bisher sei die Reichweite bei den Fernsehdebatten bemerkenswert gewesen, sagt Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM). Das sei  vor allem mit Blick auf die geringe Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl 2014 (45,4 Prozent) überraschend. 

Das große Interesse an den Diskussionsrunden der Spitzenkandidaten erklärt Bachmayer damit, dass die "Europawahl hauptsächlich von europäisch verpackten innenpolitischen Themen getragen" werde. "Das wird durch die jüngsten Ereignisse (Stichwort: Ibiza-Affäre) verstärkt."

Testwahl für den Herbst

Der Meinungsforscher hält es sogar für möglich, dass durch den Skandal und die dadurch ausgelöste Regierungskrise die Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl am Sonntag merklich steigen könnte: "Es heißt nur noch Europawahl. In Wirklichkeit ist es eine Testwahl für die Nationalratswahl im Herbst." Auch bei der Elefantenrunde am Donnerstagabend dürften innenpolitische Themen dominieren: "Man kann es nicht ausblenden."

Der ORF dürfte jedenfalls auch am Donnerstag starke Reichweiten bejubeln. Die Ibiza-Affäre und ihre Folgen bescheren dem Sender Traumquoten. Alleine am Samstag verfolgten 3,6 Millionen Zuschauer die Sondersendungen. Auch seither verzeichnen alle Sendungen zu dem Thema Marktanteile von 30 Prozent aufwärts. 

Medien als Gewinner

„Drei Millionen Zuschauer an einem Samstagnachmittag – das ist enorm“, sagt Meinungsforscher Bachmayer zum KURIER. Für ihn sind die Medien, allen voran der ORF, die „Hauptgewinner dieser Krise“.

Im ORF dürfte es „ein wohltuendes Gefühl der Bestätigung“ geben, sei dieser doch ständig Ziel freiheitlicher Angriffe gewesen, so Bachmayer. Nun dürften der Sender und seine Gebührenfinanzierung nicht mehr so in Frage gestellt sein, sagt der Meinungsforscher. „Da herrscht jetzt Partystimmung.“