Politik | Inland
22.03.2012

Hypo klagt Ex-Eigentümer

Kärntner Landesholding, Grazer Wechselseitige und ein Finanzinvestor sollen der Hypo 50 Millionen Euro entzogen haben.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hat der oberste Anwalt der Republik Österreich, Wolfgang Peschorn, den Alt-Eigentümern der Hypo-Alpe-Adria-Bank einen geharnischten Brief geschrieben: Sie hätten unmittelbar vor dem Verkauf der Hypo an die BayernLB 2007 beschlossen, unrechtmäßig 50 Millionen Euro aus der Bank abzuziehen.

Peschorn forderte die Rückzahlung des Betrags. Die früheren Aktionäre – Kärntner Landesholding, Grazer Wechselseitigen-Tochter Bank Burgenland und der Finanzinvestor B&Co sowie die Hypo Mitarbeiterstiftung zahlten nicht. Jetzt wurden sie von der Hypo auf Zahlung dieser 50 Millionen Euro geklagt.

Zudem klagt die Hypo die damals zuständigen Vorstände – darunter Finanzinvestor Tilo Berlin, den jetzigen Grazer Wechselseitigen-Vize Siegfried Grigg und Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer. Verklagt werden zudem die Aufsichtsräte – unter anderem der Chef der Grazer Wechselseitigen, Othmar Ederer und der Kärntner Landesholding-Chef Hans-Jörg Megymorez.

Der Vorwurf: Die Ex-Eigentümer konnten sich diese 50 Millionen Euro an Sonderdividende nur holen, weil sie "im Jahresabschluss 2007 einen Gewinn vorgetäuscht" hätten. Denn laut "zwingend anwendbaren Bilanzvorschriften" wären Wertberichtigungen auf Kredite vorzunehmen gewesen, die den Gewinn bei Weitem überstiegen hätten. Für die Zahlung einer Sonderdividende wäre dann aber kein Geld mehr übriggeblieben.

Sorgfaltswidrig

Der vorgetäuschte Gewinn 2007 entstand laut Klage durch einen sorgfaltswidrigen Verkauf einer Hypo-Tochter. Dabei blieben alle Risiken bei der Bank, alle Gewinne beim Käufer.

Abgelaufen ist der seltsame Deal folgendermaßen: Die Hypo hatte in ihrer Tochtergesellschaft Hypo Consultants Immobilien und Projektentwicklungen am Balkan zusammengefasst: 225 Millionen Euro an Krediten hatte die Hypo für diese Consultants-Projekte vergeben. Die Ex-Hypo-Aktionäre beschlossen im Frühjahr 2007 die Consultants-Gruppe um rund 60 Millionen Euro zu veräußern. Sie verkauften die Immobilien und Projekte, die Hypo blieb auf den 225 Millionen Euro Finanzierungen ohne die zugehörigen Sicherheiten in Form der Immobilien sitzen.

Später mussten diese Kredite in hohem Maß abgeschrieben werden. Die Alt-Aktionäre aber kamen dank dieses Consultants-Verkaufs zu ihrer Sonderdividende.

Auch der Käufer der Consultants-Gruppe rieb sich die Hände: Die extra für den Erwerb der Consultants von Kroaten – unter anderem dem Chef der Consultants-Kroatien – gegründete Auctor-Gruppe finanzierte den Kaufpreis über einen Kredit einer kroatischen Bank. Diese Bank bekam für den Kredit die Consultants-Immobilien als Sicherheit. Die damaligen Hypo-Eigentümer belohnten laut Klage den Consultants-Käufer aber nicht nur mit der Überlassung der Sicherheiten, sondern ließen auch noch zu, dass die Auctor die Consultants-Gruppe sofort mit Gewinn weiterverkaufte. Der Hypo blieben die Verluste.

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