"So wahr mir Gott helfe": Dass Hofer damit wirbt, sorgt für Debatten.

© APA/HELMUT FOHRINGER

FPÖ-Wahlkampagne
10/23/2016

Hofer und Gott: Wie das zur antiklerikalen Tradition der Blauen passt

Dass der FPÖ-Hofburg-Kandidat auf Hilfe von "oben" setzt, sorgt für Kritik.

von Maria Kern

Hofburg-Wahlkampf. Langsam geht es wieder los – mit dem Hofburg-Wahlkampf. Am Montag präsentiert Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen seine neuen Plakate. FPÖ-Konkurrent Norbert Hofer hat das schon am vergangenen Freitag getan – und damit eine Debatte ausgelöst. Auf seinen Werbebannern steht: "So wahr mir Gott helfe."

Dem evangelischen Bischof Michael Bünker missfällt das: "Gott hat im Wahlkampf nichts verloren."

Wahrhaftigkeit oder Stimmenfang

Michael Prüller, Kommunikationschef der Erzdiözese Wien, stellte in der Presse die Frage, ob es Hofer "wirklich um Wahrhaftigkeit im Angesicht Gottes oder nur um Stimmenfang" gehe – und verwies auf das Zweite Gebot: "Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen."

Der freiheitliche Ideologe Andreas Mölzer meint, Hofer wolle mit den Plakaten signalisieren, "dass er sich als christlich-fundierter Politiker sieht". Dass auch Strategie dahintersteht, verhehlt der Ex-FPÖ-Politiker nicht: "Ich konzediere den Kritikern, dass man in einem Wahlkampf natürlich auch taktische Überlegungen hat. Das ist legitim. Wenn der Herr Van der Bellen auf einmal die Heimat erfunden hat, ist das auch eine taktische Überlegung."

Trennung von Staat und Kirche

Wie passt der Slogan zur antiklerikalen Tradition der dritten Lagers? "Es gibt diesen Antiklerikalismus, der ins 19. Jahrhundert zurückgeht – und vom Liberalismus her die Forderung nach Trennung von Staat und Kirche." Damit stehe der Wahlspruch "in einem gewissen Widerspruch", gesteht Mölzer ein. "Die FPÖ hat sich andererseits aber zu einer Partei entwickelt, die die europäisch-abendländische Tradition gegen die Islamisierung vertritt." Schon in den 1990er-Jahren sei das Christentum im Parteiprogramm verankert worden. Darum sei es "legitim", christliche Symbole zu verwenden.

Mit Kruzifix gegen Moschee

Das hat auch Heinz-Christian Strache schon getan, als er 2009 mit einem Kruzifix in der Hand gegen eine Moschee wetterte. Heute wollen die Blauen auch keine Kreuze aus Klassenzimmern entfernen, wie sie das noch vor 30 Jahren forderten.

Könnten sich liberale Wähler daran stoßen, dass Hofer auf Gottes Hilfe setzt?

Mölzer: "Da gibt es vielleicht noch fünf, sechs liberale Fundamentalisten, aber die kenne nicht einmal mehr ich."

Van der Bellen wird jedenfalls nicht mit göttlicher Unterstützung werben. Der 72-Jährige ist Agnostiker.

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