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Politik Inland
09/26/2019

Hofer in TV-Wahlfinale: "Strache hat im Moment andere Sorgen"

Der FPÖ-Skandal stand am Beginn der ORF-Elefantenrunde im Mittelpunkt. Hofer kündigte Konsequenzen an. Insgesamt wirkten die Kandidaten bereits etwas müde. Die KURIER-Analyse.

von Michael Bachner, Ida Metzger

Vor allem ein Spitzenkandidat wirkte in der letzten Elefantenrunde müde – FPÖ-Chef Norbert Hofer.

Die Turbulenzen der letzten Tagen hatten ihre Spuren hinterlassen. Mit angeschlagener Stimme und ohne Elan artikulierte der blaue Spitzenkandidat einige Sätze, die Einblicke geben, wie es um die FPÖ und ihren Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache steht.

Strache hat im Moment sicher andere Sorgen“, antwortete Hofer auf die Frage von ORF-Anchorman Armin Wolf, wie ihn sein Ex-Chef wohl beurteilen würde.

Zwischenerkenntnisse über die Spesenprüfung von Strache wollte Hofer nicht verraten, aber er versprach „volle Transparenz“ und: „Ich bin keiner, der sanft vorgeht, wenn es notwendig ist“.

Die Ergebnisse der internen Prüfung werden erst kommende Woche öffentlich gemacht. In der Sitzung des FPÖ-Präsidiums am Dienstag werde über Straches Zukunft entschieden. „Wir werden die Konsequenzen besprechen“, so Hofer.

Kein VP-Innenminister?

Damit war gleich zum Start der Runde das wichtigste Thema der Woche abgehandelt. OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer sagte: „Hofer zeigt Strache nur die dunkelgelbe, noch nicht die Rote Karte.“

Was nach dem Spesen-Thema folgte, war ein Abklopfen altbekannter Positionen in Themen wie Migration, Bildung, Pensionen, Luftraumüberwachung.

Es war eine Debatte, die wenig Konfrontationen zuließ, sondern in der ein Mal mehr die unterschiedlichen Partei-Positionen breit getreten wurden.

Eine Überraschung bot Altkanzler Sebastian Kurz – und zwar in der Frage des nächsten Innenministers. Für Kurz muss es nicht zwingend eine Person mit einem Parteibuch sein. „Beides ist möglich. Die Person soll kompetent sein“, so der ÖVP-Chef. Bisher hatte er das Ressort für die Türkisen reklamiert.

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

„Klimahysterie“

Am Abend vor dem weltweiten Klimastreik wetterte Hofer gegen die „Klima-Hysterie, mit der man nichts erreicht außer Panik“ und auch gegen die „Zöpferl-Diktatur“ von Klimaaktivistin Greta Thunberg. „Was kommt als Nächstes? Das Klima-Kriegsrecht?“, so Hofer.

Worte, die Peter Pilz und Werner Kogler auf die Palme brachten. Pilz verteidigte die jungen Demonstranten. „Sie gehen auf die Straße, weil Politiker wie sie versagen.“

Phasenweise war die Diskussion lähmend und langatmig. Ex-ORF-Moderator und Mediencoach Gerald Groß sagte dazu: „Die erste Stunde wirkte wie eine mündliche Matura. Armin Wolf litt phasenweise sichtbar. Seine Stärke des Nachhakens konnte er nicht ausspielen.“

Vor allem nutzen die Spitzenkandidaten nicht die Chance, den blauen Spesenskandal zu thematisieren.

"Alle wirken schon ein bisschen müde"

Bachmayer hat nahezu alle Duelle und Konfrontationen gesehen und für den KURIER analysiert. Die Erwartungshaltung des Experten, wonach die anderen Kandidaten Hofer in die Enge treiben werden und ihm noch die eine oder andere Stimme abnehmen werden, erfüllte sich nicht. In der Fußballsprache: Mehrere Elfmeter wurden vergeben.

Groß: „Als echte Entscheidungshilfe war diese Elefantenrunde nicht geeignet.“ Bachmayer sprach von einer „recht disziplinierten, aber auch wenig lebendigen Runde. Alle wirken schon ein bisschen müde.“

Er rechnet dennoch mit gewissen Verlusten der Blauen aufgrund des Strache-Skandals. Entweder weil Enttäuschte gar nicht wählen gehen oder zu einer anderen Partei überlaufen.

Unter 20 Prozent

„Höchstwahrscheinlich“ werde die FPÖ  am Wahlsonntag unter 20 Prozent rutschen. Damit geht auch das Match um Platz 2 zwischen SPÖ und FPÖ für die Roten aus.  Und: „Natürlich sinkt durch die anhaltenden FPÖ-Turbulenzen auch die Chance auf eine Neuauflage von Türkis-Blau.“

Zwei Lacher gab es: Pamela Rendi-Wagner nannte die Übernahme des SPÖ-Vorsitzes nicht (!) als die „verrückteste Sache“ in ihrem Leben, auch wenn Peter Pilz ihr diesen Schmäh aufgelegt hatte. Beate Meinl-Reisinger nannte als ihren „größten Fehler“, einmal für die ÖVP gearbeitet zu haben.

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