Klimaschutz-Versagen in Europa: Diese Hitzewelle in Österreich ist kein Zufall
Symbolbild: Hitzewelle und Abkühlung
Während Europa unter extremer Hitze stöhnt, liefern Forscher der Universität Graz den wissenschaftlichen Beleg für das, was viele längst erahnen: Die aktuelle Hitzewelle ist kein Zufallsereignis – sie ist eine direkte Folge der menschengemachten Erderwärmung. Und es wird noch heißer.
Gottfried Kirchengast vom Wegener Center für Klima und globalen Wandel und sein Kollege Jürgen Fuchsberger haben die aktuelle Hitzewelle in Österreich und Europa mit einer neu entwickelten Methode zur Berechnung von Klimagefahrengrößen analysiert.
Das Ergebnis ist eindeutig: Selbst dieses einzelne Extremereignis ist messbar durch die langfristige Erderwärmung gesteuert. Die Methode verknüpft den Anstieg der Wärmeenergie in der globalen Atmosphäre mit der Zunahme extremer Hitze – und zeigt, dass Intensität und Häufigkeit solcher Ereignisse ohne die menschengemachte Erwärmung deutlich geringer wären.
„Ich bin durch mein Vorwissen fachlich nicht überrascht, aber wirklich bestürzt, wie deutlich wir an einer einzelnen Hitzewelle schon den Einfluss der Erderwärmung und damit das bisherige Klimaschutz-Versagen sehen“, sagt Gottfried Kirchengast. „Die aktuelle Extremhitze ist kein Zufall, sondern eine vermeidbar gewesene Folge unzureichenden Klimaschutzes – und eine Ungerechtigkeit vor allem gegenüber ärmeren Bevölkerungsgruppen sowie der jetzigen Kindergeneration.“
Und es wird noch heißer
Die Hitzewelle trifft Europa in einem Moment, in dem die globalen Temperaturen ohnehin beunruhigende Rekorde ansteuern. Kirchengast und sein Doktorand Moritz Pichler haben parallel eine Methode entwickelt, mit der sie die Erderwärmung erstmals zwei Jahre im voraus berechnen konnten. Ihre Prognose: 2026 liegt die globale Durchschnittstemperatur bei 1,62 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2027 bereits bei 1,71 Grad. Damit wären beide Zielgrenzen des Pariser Klimaabkommens massiv in Gefahr. Ausgehandelt wurde damals, dass die Erderwärmung „deutlich unter zwei Grad und möglichst bei 1,5 Grad“ begrenzt werden soll.
Besonders alarmierend sei der langfristige Trend: Der gleitende 20-Jahres-Mittelwert der globalen Erwärmung überschreitet bereits 2026 die 1,5-Grad-Grenze des Pariser Abkommens. Und bis 2032 könnte auch das zweite Pariser Ziel gerissen werden — dann würde die langfristige Erwärmung 1,7 Grad erreichen, womit selbst der Grenzbereich von „deutlich unter zwei Grad“ verfehlt wäre.
Nur ein rascher Emissionsabbau von mehr als 50 Prozent bis 2035 könnte die Kurve noch abflachen, sagt Klimaforscher Kirchengast. „Ursache ist die fehlende Ambition beim Klimaschutz. Vermeidbar gewesene Klimagefahren wie die derzeitige extreme Hitzewelle in Europa sind die direkte Folge“, sagt Kirchengast.
Die zugrunde liegenden Klimadaten sowie Hitzegefahrenmetriken für Österreich und Europa hat die Uni Graz im Portal Climate Tracer veröffentlicht (climatetracer.earth ).
Eine gestern veröffentlichte Studie des World Weather Attribution Consortiums, dem Wissenschaftler des Imperial College London und des Red Cross Red Crescent Climate Centre angehören, kommt zum selben Schluss wie die Grazer Forscher: „Dieses Ereignis in West- und Mitteleuropa wäre im Juni ohne den Klimawandel nicht möglich gewesen“, heißt es. Bis 1976 hatte sich die Erde nur um 0,3 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau erwärmt, 2003 waren es 0,6 °C und im vergangenen Jahr 1,4 °C.
Das Hitzetelefon 0800/880-800 ist aus ganz Österreich kostenlos erreichbar
(Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr; Samstag von 8 bis 20 Uhr; Sonntag von 8 bis 18 Uhr)
Tipps gegen die Hitze:
- Genug trinken: zwei bis drei Liter pro Tag, bei körperlicher Belastung mehr.
- Sonnencreme verwenden
- Auf die Ernährung achten: Gedünstetes Gemüse, Getreidesalate aus Bulgur, Couscous oder Hirse, Tofu-Spieße oder Suppen sind ideal.
- Wohnung kühl halten: Wer ohne Klimaanlage in der Wohnung auskommen muss, sollte tagsüber die Fenster schließen und die Räume verdunkeln.
- Körper und Kleidung: Füße in kaltes Wasser halten, ein feuchtes Tuch in den Nacken legen. Bei der Kleidung sollte man auf Leinen, Baumwolle oder Seide setzen. Diese Stoffe sind atmungsaktiv, nehmen Feuchtigkeit auf und fördern die Luftzirkulation, was zu einer natürlichen Kühlung führt.
- Direkte Sonne meiden: Besonders zwischen 11 und 17 Uhr möglichst im Schatten bleiben und körperliche Aktivitäten auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.
- Körperliche Anstrengung reduzieren: Sport und schwere körperliche Arbeit möglichst vermeiden oder auf kühlere Tageszeiten verschieben.
- Kopf schützen: Im Freien einen Hut, eine Kappe oder ein Tuch tragen.
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