Nach Christian Kerns Absage: Wie gespalten ist die SPÖ?

Die parteiinternen Unterstützer des Ex-Kanzlers sind ernüchtert. Was Andreas Bablers Gegner nun befürchten.
LANDESHAUPTLEUTEKONFERENZ IN LEOGANG/ LUDWIG, BABLER

Kurz sei „große Hoffnung“ da gewesen, ein „Ruck“ sei durch die ganze Partei gegangen, erzählt ein roter Ländervertreter, der namentlich nicht genannt werden will, dem KURIER. Mittwoch vergangener Woche folgte dann die Ernüchterung: Ex-Kanzler Christian Kern gab auf Facebook bekannt, am 7. März beim SPÖ-Parteitag nicht gegen den amtierenden Vorsitzenden Andreas Babler antreten zu wollen.

Das war für sich schon deshalb interessant, als dass Kern zuvor öffentlich nie verkündet hatte, über einen Antritt nachzudenken. Teile mehrerer SPÖ-Landesparteien – allen voran in Niederösterreich und Kärnten – brachten ihn medial vehement ins Spiel. Und bekundeten nur wenige Tage vor Kerns Absage, dass dieser ihnen eine Kandidatur de facto zugesagt habe.

„Männliche Egos“

Babler sprach nach Kerns Absage im Interview mit dem Standard von „männlichen Egos“. Das öffentliche Theater habe der SPÖ geschadet, Personaldebatten in den Medien würden die Partei hemmen. Seine internen Gegner – über alle Bundesländer verstreut – erachten wiederum die Bundesspitze als Hauptproblem.

Einen Tag bevor Kern die Öffentlichkeit über seinen Nicht-Antritt unterrichtete, begleitete er Kärntens neuen SPÖ-Chef Daniel Fellner zu einem Termin bei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Auch dabei: Doris Bures, dritte Nationalratspräsidentin.

Ludwig soll Kern gesagt haben, er werde ihn in keiner Weise unterstützen. Dass Gesprächsinhalte des Termins kurz danach in den Medien landeten habe, so glauben Kern-Kenner, den Ex-SPÖ-Chef gewissermaßen „retraumatisiert“ – und ihn final dazu bewogen, nicht anzutreten.

Ein Trugschluss?

Ein Babler-Gegner meint zerknirscht: „Wer wirklich glaubt, dass wir keine Personaldebatte brauchen, erliegt einem großen Trugschluss.“ Der da wäre? Sollten Ludwig oder andere Parteigranden glauben, Babler erst kurz vor der nächsten Nationalratswahl austauschen zu können, wäre das „hochgradig naiv. Wenn du einmal in der Machtzentrale bist, kannst du die Gremien beeinflussen“. Wer am 7. März für Babler stimme, „muss davon ausgehen, dass wir ihn vor der Wahl nicht mehr loswerden“.

In Umfragen lag die SPÖ zuletzt deutlich unter 20 Prozent. Babler und das rote Regierungsteam hoffen darauf, dass die gesunkene Inflation und leicht verbesserte Konjunktur auch der Partei Aufschwung verleihen. Seine Gegner sehen das, wie mehrfach berichtet, anders.

Wie viele sie tatsächlich sind und wie gespalten die SPÖ wirklich ist, wird aber ohnehin Bablers Ergebnis am 7. März zeigen.

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