Helfer Andi beklagt die "Machtspiele auf dem Rücken der Ärmsten."

© /Gaul/Schett

Zivilbevölkerung
09/16/2015

"Politiker sollen sich an Freiwilligen ein Beispiel nehmen"

Die ehrenamtlichen Helfer in den Wiener Bahnhöfen stellen der Flüchtlingspolitik kein gutes Zeugnis aus.

von Bernhard Gaul, Stefan Schett

Unermüdlich helfen Tausende Freiwillige in ganz Österreich den ausgezehrten Flüchtlingen. "Ohne uns Helfer wäre das System hier am Westbahnhof längst zusammengebrochen", sagt Mirjam selbstbewusst. Wie urteilt sie über Österreichs Asylpolitik? "Da geht alles so schleppend. Die Politiker sollen sich mal an den Freiwilligen hier ein Beispiel nehmen. Denen geht es immer nur um Geld und Wirtschaft, und nie um die Menschen, die Hilfe brauchen", sagt sie resignierend.

"Nur gestritten"

Inge ist den ersten Tag da, sie hilft in der ÖBB-Lounge, wo Kinder aus Flüchtlingsfamilien ein bisschen spielen können. "Die Politik hat doch viel zu spät reagiert. Ich habe mir im TV die Runde der Klubobleute angeschaut. Grässlich war das, die haben nur gestritten." Besonders ärgere sie, dass "manche Parteien" im Wahlkampf "nur hetzen. Das macht mich fassungslos. Die sollten einmal hierher kommen und helfen." Auch Lydia hilft freiwillig mit, von der Politik hat sie vorerst genug. "Montagabend sitzen die EU-Innenminister zusammen, und lösen dann doch nichts. Ich würde die dort in Brüssel einkasernieren, bis sie eine echte Lösung haben."

Was soll die Politik anders machen? "Ich habe ehrlich keinen Plan. Aber dafür zahlen wir ja Politikern viel Geld, damit die sich was einfallen lassen", ärgert sich Andi. Er erlebe nur "Machtspiele auf dem Rücken der Ärmsten. Merkel und auch Faymann haben für mich zuletzt richtig reagiert." Den "Hetzern" empfiehlt er eine Reise nach Syrien.

"Einfach helfen"

Das gleiche Bild am Hauptbahnhof. "Man sieht die Überforderung. Da kann man sich nur auf das konzentrieren, was jetzt notwendig ist. Einfach helfen", sagt Richard. Seine Lösung? "Bewusstsein schaffen. Wenn jede Gemeinde eine Familie aufnehmen würde, täte das niemandem weh."

Die Ereignisse der letzten Tage sieht auch Larissa skeptisch. "Wir hatten Angst, wie die Flüchtlinge reagieren", erzählt die Studentin. Was sie tun würde, wäre sie zuständig? "Ich glaube, es funktioniert nicht, wenn man alles zumacht und sich abschottet. Die Leute haben einen Grund zu kommen. Und sie werden kommen. Aber wenn ich Innenministerin wäre – ich wüsste nicht, was ich tun soll."

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