Politik | Inland
07.08.2017

Haut-Sache Inszenierung: Halbnackte Politiker

Putin hat wieder einmal vorgezeigt, wie man sich mit nacktem Oberkörper Aufmerksamkeit sichert. Stronach, Strache, Grasser und andere versuchten damit ebenfalls bereits ihr Glück.

Er hat es wieder getan: Russland Präsident Wladimir Putin zeigt sich als starker Mann mit nacktem Oberkörper. Er jagt im Taucheranzug nach Raubfischen und reitet durch die sibirische Landschaft.

Was will uns Putins Inszenierung als toller Hecht sagen? Vor allem, dass eine Wahl bevorsteht. Zwar hat Putin noch immer nicht gesagt, ob er im März 2018 für eine weitere sechsjährige Amtszeit kandidiert. Doch die sommerliche Medienoffensive kann als weiteres Indiz für seine allseits erwartete Kandidatur gelten.

Bereits 2007 ließ Putin Fotos als Reiter mit freiem Oberkörper veröffentlichen, ebenso unvergessen ist sein Auftritt als Biker in Lederkluft.

Von Haider bis Stronach

Auch hierzulande zogen Politiker bereits medienwirksam die Oberbekleidung aus. Im Wahlkampf 2013 wurde die sommerliche Politik regelrecht zum Nacktbadestrand. Frank Stronach entblößte als damals 80-Jähriger bei einem KURIER-Interview seinen Oberkörper und sagte: "Ich brauche mich für meinen Körper nicht zu schämen." Um im Macho-Wettkampf nicht ins Hintertreffen zu geraten, stellte Heinz-Christian Strache ein Urlaubsbild im Höschen auf Facebook. "Topfit in den Wahlkampf" lautete die Botschaft dazu.

Nachdem Alois Mock (ÖVP) einst eher unfreiwillig mit kurzen Hosen auf Staatsbesuch für Wirbel sorgte, war Jörg Haider der erste heimische Politiker, der bewusst auf nackte Haut setzte. Der ehemalige FPÖ-Chef ließ sich mit braungebranntem Körper, sowie beim Klettern und beim Bungy-Jumpen ablichten. Auch Karl-Heinz Grasser präsentierte die Brust – in ästhetischer Pose für die italienische Vogue, abgelichtet von einem Starfotografen.

Bilder: Politiker im Nackt-Wahlkampf

Hüllenlose Politik

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Manch einer lässt die Hüllen gern fallen, ein anderer tappt in die Paparazzi-Falle: Frank Frank Stronachs Polit-Entblößung im KURIER war nicht die erste ihrer Art.

Prominenter Nachfolger Stronachs und Grassers: Blauen-Chef HC Strache hat es sich nicht nehmen lassen, für seine Fans die Hüllen fallen zu lassen. Auf Facebook veröffentlichte er am Wochenende „einmal ein anderes privates Foto aus dem vergangenen Urlaub“.  

Ein etwas weniger anziehendes Bild lieferte Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer 2006 ab, als er mit Radlerhosen bekleidet Österreichs Bergwelt erkundete. Das politische Beben danach war zwar nicht so groß wie 1987, als Alois Mock in kurzen Hosen in Jordanien auftauchte, die enganliegende „Kurze“ blieb danach allerdings in Gusis Schrank.

Jörg Haider gilt vielen als Ur-Badehosenmodel in der Politik. Dabei hat sein Vorgänger als FPÖ-Chef, Norbert Steger, bereits 1981 einen lockeren Auftritt hingelegt. Noch dazu beim ORF-"Sommergespräch" mit Peter Rabl. Am Urlaubsort des späteren Vizekanzlers wurden aufgrund brütender Hitze die letzten Gesprächsminuten im Pool aufgezeichnet.

Bei diesen Inszenierungen werde "mit irrationalen, wenig vernunftgetriebenen Argumenten spekuliert. Das dürfte Wähler, die 'wenig aus dem Bauch' entscheiden, eher abschrecken", sagt Körpersprache-Experte Stefan Verra.

Bauch-Wähler wollte offenbar auch die grüne Nachwuchshoffnung Julian Schmid ansprechen, als er im Sommer 2015 vor der Wien-Wahl ein Urlaubsfoto in der Badehose ins Netz stellte. Davor war Eva Glawischnigs bauchfreies Hochzeitskleid der größte Aufreger dieser Art bei den Grünen. Üblicherweise vermeidet die Öko-Partei jede Sexualisierung.

Ein anderer ließ erst die Hüllen fallen, als er sich bereits in die Politpension verabschiedet hatte. Ex-ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner begab sich nach der Übergabe des Wirtschaftsministeriums quasi direkt nach Sardinien und schickte von dort Urlaubsgrüße aus dem Swimmingpool.

Der Trend zur politischen Hüllenlosigkeit ist auch international seit Jahren bemerkbar – Ronald Reagan zeigte sich an Nancys Seite bereits 1984 in Meerwasser und kurzen Shorts.  

Ihm nachgetan haben es seither einige US-Präsidenten: Bill Clinton zeigte sich oberkörperfrei auf Honolulu. Auch mit Hillary - im Badeanzug  tanzend - wurde er dort gesichtet.  

Sein Nachfolger Barack Obama wurde 2008 badend von einem AP-Fotografen eingefangen. Absicht oder nicht, darüber wurde viel spekuliert.  

Ganz hochoffiziell aufgenommen wurde hingegen dieses Bild: Obama beim Baden auf Hawaii, fotografiert vom Weißen-Haus-und-Hof-Fotografen Pete Souza.

Ähnlich „ungekünstelt“ soll diese Aufnahme des französischen Ex-Präsidenten wirken: Nicolas Sarkozy, für seinen Optik-Fimmel durchaus bekannt, beim entspannten Paddeln auf dem Winnipesaukee-See in den USA.

Auch andere „zufällige“ Aufnahmen des Ex-Präsidentenpaares – Sarkozy händchenhaltend mit Carla Bruni – gelangten in die Gazetten.

Der Umstand, dass dem französischen Politiker ab und an ein Fettröllchen wegretuschiert worden sein soll, ließ der Elysée-Palast unkommentiert.

Gestellt oder nicht – diese Frage stellt sich angesichts dieser Bilder nicht: Jahr für Jahr wartet der russische Präsident Wladimir Putin mit neuem Fotomaterial seines Oberkörpers auf.

Zumeist in martialischer Pose, oft auch mit frisch erlegtem Tier in der Hand.

Höchst unabsichtlich gelangten jedoch diese Aufnahmen in die Medien: die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit ihrem Ehemann Joachim Sauer beim Badeurlaub auf Ischia.

Italienische Medien bildeten "Mutti Merkel" mit hämischen Kommentaren auf den Titelseiten ab, Berlin reagierte dementsprechend verschnupft. Merkel selbst nahm die Veröffentlichung allerdings so, wie man es von ihr gewohnt ist: gelassen.

Bauchentscheidung

Körpersprache-Experte Stefan Verra erklärte im KURIER den scheinbaren Erfolg der legeren Fotos: "Bei Wahlen von Führungspersönlichkeiten agieren Menschen weit weniger rational, als wir es gerne glauben. Die Grundsatzentscheidungen dazu passieren in vorbewussten Hirnteilen. Vor allem im Stamm- und Mittelhirn". Dabei gehe es vor allem darum, ob wir der Person zutrauen uns schützen zu können. "Deswegen schneiden Menschen, die Kraft und Vitalität ausstrahlen, besser ab. Ein nackter, kräftiger Oberkörper vermittelt dies eben besser."

Freilich werde "hier mit irrationalen, wenig vernunftgetriebenen Argumenten spekuliert. Das dürfte Wähler, die 'wenig aus dem Bauch' entscheiden, eher abschrecken. Vor allem da eher männliche Kraft symbolisiert wird. Und die ist am politischen Verhandlungstisch selten vonnöten."