Stronach: „Wollte keine Insider-Infos von Lindner“

Frank Stronach
Foto: KURIER/Gruber Franz Frank Stronach wirft sich in Pose.

Stronach über die abgesprungene Kandidatin, Nachbaur als Kanzlerin und Gedenkpausen für Schüler.

Die Beziehung zwischen Frank Stronach und Ex-ORF- Generalintendantin Monika Lindner hielt nur zwei Wochen. Begonnen hat alles bei einer Rotary-Club-Veranstaltung. Lindner saß bei dem Essen neben Stronach. Der Milliardär überzeugte sie, bei der Wahl für ihn anzutreten. Nicht einmal 24 Stunden Bedenkzeit brauchte Lindner. So schnell, wie alles begonnen hatte, war es auch wieder vorbei. Am Donnerstag zog sie ihre Kandidatur zurück, weil sie nicht zur „Speerspitze gegen ORF, Raiffeisen und Erwin Pröll“ werde wollte. Frank Stronach im Interview dazu.

KURIER: Herr Stronach, Monika Lindner ist überraschend zurückgetreten, weil sie nicht zur „Verräterin“ werden wollte. War das Ihr Plan?

Frank Stronach Foto: KURIER/Gruber Franz Frank Stronach und KURIER-Redakteurin Ida Metzger Frank Stronach: Weder Frau Lindner noch ich hatten die Absicht, über Insiderinformationen zu sprechen. Um zu sehen, wie schlecht die rot-schwarze Regierung wirtschaftet und wie viele Verluste sie seit Jahrzehnten bauen, braucht es keine Insiderinformationen. Jeder weiß, wie hoch die Schulden stehen und die jährlichen Zinszahlungen sind.

Haben Sie versucht, Frau Lindner doch noch umzustimmen?

Ich habe es zur Kenntnis genommen. Es ist schade, ich hatte das Gefühl, dass sie die Werte des „Team Stronach“ schätzt – und dass sie es gut findet, dass ich politisch tätig bin.

Was auffällt, ist, dass es auf der Bundesliste keine Kandidaten gibt, die jünger als 34 sind. Ist das „Team Stronach“ keine Partei für Jungwähler?

Ich habe nichts dagegen, dass 16-Jährige wählen können. Aber das „Team Stronach“ braucht Menschen mit Erfahrung. Und ein 18-Jähriger hat noch keine Erfahrung.

Kathrin Nachbaur kandidiert als Nummer 2. Wollen Sie sie als Nachfolgerin aufbauen?

Sie wird eine sehr wichtige Rolle spielen. Sie kennt die wichtigsten Prinzipien und stimmt mit ihnen vollkommen überein. Aber ich hoffe, dass Sigi Wolf (Ex-Magna-Chef) nach der Erfüllung seiner Verträge in Russland mit dabei sein und eine wichtige Rolle spielen wird. Nach den Olympischen Spielen in Sotschi könnte es so weit sein.

Welche wichtige Rolle soll Nachbaur dann übernehmen?

Sie könnte Ministerin, aber auch Kanzlerin werden. Die erste Bundeskanzlerin wäre für Österreich sehr wichtig.

Ihr Klubobmann Lugar sagte in einem Interview, er könne sich eine Koalition Schwarz-Grün-Team Stronach vorstellen. Können Sie das auch?

Frank Stronach Foto: KURIER/Gruber Franz Ich hänge niemandem einen Maulkorb um, aber letztendlich fälle ich die Entscheidungen. Unsere Bedingungen sind: Keine weiteren Schulden machen, die Verwaltung jedes Jahr um fünf Prozent zivilisiert reduzieren. Und das für die nächsten fünf Jahre. Nächster Punkt ist: Das Steuergesetz vereinfachen, das ist voller Grauzonen.

Sie wollen 5000 Lehrer umschulen. Die Regierung will das neue Lehrerdienstrecht relativ zügig umsetzen. Glauben Sie, dass die Regierung das wirklich durchzieht?

Zuerst möchte ich Folgendes sagen: Ich habe in keiner Art und Weise gesagt, dass ich 5000 Lehrer entlassen will. Ich bin gegen jede Form von Massenentlassung, und ich mag es auch nicht, wenn man auf die Schwächsten hinschlägt. Schuld sind die Funktionäre – nicht die Lehrer. Die Eltern müssen mehr Rechte bekommen: Die Eltern müssen das Recht haben, einen Direktor zu bestimmen. Und der Direktor muss sich seine eigenen Lehrer aussuchen dürfen.

Das heißt, Fritz Neugebauer, der Chef der Beamtengewerkschaft, gehört für Sie weg?

Nicht weg, aber wo anders hin.

Und wo soll das sein?

Vielleicht ins Kunsthistorische Museum als Führer (lacht).

Sind Sie auch dafür, dass Lehrer mehr unterrichten müssen?

Frank Stronach Foto: KURIER/Gruber Franz Die Schule sollte ein Zentrum sein, wo die Kinder den ganzen Tag einen Zufluchtsort haben. Aber sie sollten nicht den ganzen Tag lernen müssen. Am Vormittag Unterricht, am Nachmittag Aufgaben machen und dann Sport. Und die Lehrer sollten 40-Stunden-Anwesenheitspflicht haben. Das finde ich fair, weil andere Arbeitnehmer haben auch Anwesenheitspflicht. Und eines ist mir ganz wichtig: Jeden Tag vor dem Unterricht muss es eine zweiminütige Gedenkpause geben. Da sollen die Schüler nachdenken, was sie zu einem besseren Österreich beitragen können. Die Österreicher müssen wieder stolz auf ihr Land werden, wie die Amerikaner.

Wie viel sollte ein Lehrer verdienen?

So viel wie ein guter Installateur oder Tischler.

Und wie viel verdient ein guter Tischler Ihrer Meinung nach?

3000, 4000 oder 5000 Euro. Die Lehrergehälter gehören angehoben, die können sich jetzt kaum das Leben leisten.

Was waren Sie für ein Schüler?

Meine Lieblingsfächer waren Religion und Sport, weil da gab es immer einen Einser. Der Rest hat mich nicht sonderlich interessiert.

Sie versprechen seit Langem, Ihren Steuerakt offenzulegen. Wird das noch vor den Wahlen passieren?

Das wird in zwei Wochen sein. Aber ich habe mehrmals gesagt, wie viel Steuern ich in Österreich bezahle. Hier versteuere ich zwei Millionen Euro. Das heißt, ich zahle eine Million Steuern.

Portrait

Frank Stronach

„Let’s be Frank“, lautete sein Wahlspruch in den 1980ern: Damals versuchte Frank Stronach – laut Taufschein Franz Strohsack - in Kanada erstmals politisch Fuß zu fassen. Gelungen ist ihm dies erst mehr als zwei Jahrzehnte später in Österreich: 2013 konnte er mit seiner nach ihm benannten Truppe in Landesparlamente einziehen. Der Weg dorthin war allerdings weit. Berühmt wurde Stronach einst, als er auszog, um Kanada für sich zu erobern. Nach einem Jahr in Bern, wo er ein Zwischenspiel als aktiver Fußballer beim FC Helvetia gab, zog es ihn nach Nordamerika – nach eigenen Angaben mit „nur 200 Dollar in der Tasche“. Danach begann sein steiler Aufstieg: Als Gründer der Magna profitierte er von einer Quotenregelung, die die kanadischen Autobauer zum Zukauf von Teilen aus dem eigenen Land verpflichtete – was Stronachs Taschen füllte. Ende der 80er zog es ihn dann wieder in die Heimat. Zuerst mit dem Plan, in Ebreichsdorf einen Vergnügungspark zu errichten; später mit dem Vorhaben, die Voest zu übernehmen – beides scheiterte. Gelingen sollte ihm der Einstieg bei der Austria – nicht zur Freude aller. 2012 setze er sich dann in den Kopf, nach Jahrzehnten auf wirtschaftlichem Boden und den damit verbundenen Höhenflügen, auch politisches Terrain in Österreich zu erobern. Bisher sind die Erfolge nicht allzu gering – vor allem im Vergleich mit anderen „Jung-Parteien“: Sowohl in Niederösterreich als auch in Kärnten wurde sein Team in den Landtag gewählt. Bei der Nationalratswahl blieb sein Team dann aber doch unter den Erwartungen. Dass sein Auftreten auf die Gunst der Wähler trifft, ist für so manchen nicht ganz nachvollziehbar – schließlich gleichen seine Interviews und Auftritte sowohl für Fragensteller als auch Zuseher verbalen Hürdenläufen. „Sie wollen streiten mit mir?", fragte er etwa erbost im ORF, als Armin Wolf einmal zu oft nachfragte. Sein autoritärer Stil hat Tradition: Auch innerparteilich hat der gelernte Werkzeugmacher das Sagen. In seiner Firma hat er sich in den Hintergrund zurückgezogen, das Werk läuft auch ohne sein große Zutun wie geschmiert: Mehr als 100.000 Mitarbeiter und 286 Produktionsstätten zählt Magna.
  Seine Vorstellungen, wie eine Firma zu führen sei, hat er eins zu eins in die Politik mitgenommen: „Werte, Werte, Werte“, lautet sein immerwährender Sager. Was genau er aber darunter versteht, ist nicht leicht aus ihm herauszukitzeln. Wieso dies so ist, bringt sein Biograph gut auf den Punkt: „Er ist eine Art Genie und dabei auch immer ein bisschen Clown, alles auf einmal", schreibt Wayne Lilley. Und glaubt man der New York Times, wird es sich bei seinen Wählern ähnlich sein verhalten wie bei seinen Aktionären: „Stronachs herrschaftlicher und oftmals sprunghafter Managementstil hat seine Aktionäre mal bereichert, mal verschreckt.“

(kurier) Erstellt am
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