Zwei Jahrzehnte im roten Fauteuil: Michael Häupl ist Wiens längstdienender Bürgermeister seit 1945. Den Namen seines Nachfolgers hat er noch nicht auf einem Zettel notiert.

© KURIER/Gerhard Deutsch

20 Jahre Wiener Bürgermeister
11/01/2014

Häupl: "Ich halte mich nicht für unsterblich"

Michael Häupl über seine Amtszeit, Wahltermine und seine persönliche Zukunft.

von Michael Jäger, Elias Natmessnig

Seit 20 Jahren lenkt Michael Häupl die Geschicke der Stadt. Als er 1988 als Stadtrat seine Karriere startete, war die politische Landschaft noch eine andere, der Eiserne Vorhang teilte Europa. Heute sind die Herausforderungen ebenso groß: Jährlich wächst Wien um 20.000 Menschen. Die Stadt braucht Wohnungen, Schulen und eine moderne Infrastruktur.

2015 schlägt Häupl seine letzte Wahl – bei der nächsten Wahl will er nicht mehr zur Verfügung stehen. "Im Gegensatz zu Erwin Pröll halte mich nicht für unsterblich", sagt Häupl im KURIER-Gespräch. Beim Wahltermin will er sich noch nicht festlegen. Selbst der 28. Juni, der Sonntag des Donauinselfests, ist für ihn kein Tabu.

KURIER: 20 Jahre Bürgermeister Michael Häupl. Es gibt kein großes Fest in der Stadt, nur einen Festakt im Rathaus. Gibt es nichts zu feiern?

Häupl: Zu feiern schon, es gibt einen Festakt, den meine Freunde organisieren. Aber mir geht es nicht darum, selbstverliebt zurückzuschauen, sondern nach vorne.

Gibt es im Rückblick etwas, das Sie mit dem Wissen von heute anders gemacht hätten?

Bei kleinen Details mag das so sein. Aber im Großen und Ganzen nicht. Als ich Bürgermeister wurde, war die große Herausforderung, die Stadt in die Europäische Union zu führen. Wien hat heute in der Union einen sehr guten Ruf. Das ist ein Ergebnis einer entsprechenden Arbeit dazu.

Aber fehlerfrei ist man nicht.

Niemand. Aber lernfähig. Ich bin fest überzeugt davon, dass die Wahlniederlage 1996 in ihrer Bewältigung den Wahlsieg 2001 ausgemacht hat.

Was war für Sie die stärkste Bundesregierung in den vergangenen 20 Jahren?

Na die jeweilig letzte natürlich. Was für eine Frage.

Man könnte auch sagen Schwarz-Blau, da sie Ihnen geholfen hat, in Wien die Absolute zurückzugewinnen.

Nein, diesen Zynismus bringe ich bis jetzt nicht auf und hoffe, dass das auch in der Zukunft nicht der Fall ist. Es ist in der Zeit mehr zerstört worden, als man bis heute vordergründig sieht.

Die Stärke der aktuellen Regierung ist?

Man muss zur Kenntnis nehmen, dass das Menschen sind, die Politik machen. Und der derzeitige Parteivorsitzende der ÖVP und der derzeitige Finanzminister vertreten durchaus die Auffassung, dass man die Binnennachfrage durch die Steuerreform stärken muss.

Es fehlt die Gegenfinanzierung.

Das wird noch eine interessante Diskussion.

Zurück zu Wien. Sie hatten eine Alleinregierung, Rot-Schwarz und jetzt Rot-Grün. Was war die stärkste politische Zeit?

Stark waren für mich die ganzen 20 Jahre. Wir haben sehr gut mit der ÖVP zusammengearbeitet, arbeiten aber auch mit den Grünen sehr gut zusammen.

Mit den Grünen spießt es sich gerade bei der Wahlrechtsreform. Braucht der Bürgermeister die Wahlrechtsreform?

Ich brauche sie nicht. Aber es steht so im Regierungsprogramm. Und ich bin vertragstreu.

Viel wird über den Wahltermin gerätselt. Wann erfolgt die Festlegung auf den Termin?

Wenn die Zeit reif ist. Formell ist es der erste Sonntag im Oktober.

Viele reden von Vorverlegung.

Ich nicht.

Ist für Sie Sonntag, der 28. Juni, als Wahltermin tabu?

Nein, warum?

Weil da das Wiener Donauinselfest stattfindet.

Das wäre kein Hindernis. Aber der 28. Juni wäre wohl ein bisschen spät, denn mitten im Sommer wurden bisher keine Regierungen verhandelt und gebildet.

Wo liegen die Herausforderungen für Wien in den kommenden 20 Jahren?

Eindeutig in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Forschung, Technologie und Innovation. Da reden wir über den Wohlstand von morgen, da reden wir über die Arbeit für unsere Kinder und unsere Enkel. Wir müssen daher neben der Stadt der Kultur auch eine Stadt des Wissens werden.

Die Unis rufen schon lange nach mehr Geld. Was tun?

Zahlen! Das ist ja relativ einfach. Es diskutiert kein Mensch darüber, wie viel Geld wir in die Hypo Alpe Adria hineinstecken. Aber über die Investitionsmilliarde bei den Universitäten gibt’s heftigste Diskussionen. Auch da bin ich positiv überrascht, wie mit den neuen Führungspersönlichkeiten der Bundes-ÖVP zu diskutieren ist.

Haben Sie es bereut, den Grünen das Verkehrsressort zu geben? Besonders, wenn Sie Schlagzeilen zur abgelaufenen Baustellensaison lesen?

Nein, habe ich nicht. Manches ist nicht unmittelbar der Politik anzulasten, denn die Baustellenkoordination ist keine politische, sondern administrative Frage.

Und die Lehre daraus ist?

Eines kann ich sicher sagen, in der nächsten Saison wird die Baustellenkoordination eine andere sein.

Sollte sich eine SPÖ-Absolute nicht ausgehen, kommt nur Rot-Grün infrage?

Nein. Auch Rot-Schwarz ist nicht festgeschrieben. Was ich allerdings ausschließe, ist eine Koalition mit der FPÖ.

Sind die Neos eine Alternative?

Vielleicht, kommt auf ihr Wahlergebnis an. Aber nicht, wenn sie den Privatisierungswahnsinn weitermachen.

Gibt es für Sie eine Schmerzgrenze, was das Wahlergebnis anbelangt?

Das beantworte ich natürlich nicht. Jetzt arbeiten wir alle auf das ehrgeizige Ziel hin, die absolute Mehrheit zu holen.

Trotz verschärften Wahlrechts?

Man gewinnt Wahlen noch immer durch das Gewinnen von Wählern und nicht durch ein Wahlrecht. Und wenn die Neos tatsächlich in den Gemeinderat einziehen, schaut die Welt wieder anders aus.

Wenn Sie wieder zum Bürgermeister gewählt werden, bleiben Sie eine ganze Periode?

Aller Voraussicht nach wird das meine letzte Wahl sein. Bei der nächsten Wahl wäre ich 71. Wir wollen also nicht übertreiben. Ich schätze Erwin Pröll sehr, aber im Gegensatz zum niederösterreichischen Landeshauptmann halte ich mich nicht für unsterblich.

Warum ist es in der Wiener SPÖ so ein Tabuthema, über Ihre Nachfolge zu reden?

Die vernünftigen Menschen sprechen nicht darüber, weil sie keine Notwendigkeit sehen.

Gibt es im Bürgermeisterbüro in der untersten Lade Ihres Schreibtischs einen Zettel‚ wo der Nachfolger bereits drauf steht?

Nein.

Häupls Karriere

1983 wird Häupl Gemeinderat, 1988 Umweltstadtrat.

1994 folgt er Helmut Zilk als Bürgermeister.

1996 muss Häupl eine herbe Niederlage einstecken. 38,15 Prozent bedeuten den Verlust der Absoluten und die Koalition mit der ÖVP.

2001 holt Michael Häupl 46,91% und damit die Absolute zurück.

2005 konnte er den Zuspruch sogar auf 49,09 % ausbauen.

2010 gab es 44,43 % und damit erstmals eine Koalition mit den Grünen.

2015 wird erneut gewählt.

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