Gute Noten zum Start: Selbst FPÖ-Fans für Michael Ludwig

Michael Ludwigs erster öffentlicher Termin als Wiener Bürgermeister
Wiener SPÖ steigt auf 34 Prozent. Ludwig punktet bei FP-Wählern, dennoch viele Baustellen.

Was hat Michael Ludwig, was sein Vorgänger Michael Häupl nicht hatte?

Einen überraschend hohen Zuspruch bei FPÖ-Wählern: Laut KURIER-OGM-Umfrage schafft Ludwig es nämlich, „auf Kosten der zurückfallenden FPÖ aufzuholen“, sagt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. 34 Prozent würden derzeit rot wählen, das sind um zwei Prozent mehr als in der letzten Umfrage vom Dezember 2017. An den Wert der letzten Häupl-Wahl – 39,6 Prozent – kommt Ludwig zwar nicht heran, dafür verweist er FPÖ-Chef Johann Gudenus auf die Plätze: Nur 27 Prozent würden heute in Wien blau wählen – also weniger als 2015.

Gute Noten zum Start: Selbst FPÖ-Fans für Michael Ludwig

Wie sich das erklären lässt? Für Bachmayer hat das mehrere Gründe. Der eine sei Ludwigs neuer Kurs in der Zuwanderungsfrage. Damit mobilisiere er – ohne die eigenen Wähler abzuschrecken – abtrünnige Blau-Wähler. „Ihre Ablehnung gegen Häupl ist ja jahrelang gewachsen.“ Dass knapp ein Drittel der FPÖ-Wähler Ludwig für eine „gute Lösung“ und für den „besseren Bürgermeister als Häupl“ halten, mache aber selbst ihn „baff“, wie Bachmayer sagt.

Der andere Grund für Ludwigs gutes Abschneiden sind aber seine Gegner, so der Experte. „FPÖ-Chef Johann Gudenus ist einfach kein Strache.“ Das erklärt auch, warum Gudenus in einer Direktwahl nur auf zwölf Prozent kommt, auch ÖVP-Chef Gernot Blümel nur auf elf – Ludwig hält hingegen bei 33. Überraschend groß ist hingegen der Zuspruch für Peter Pilz: Er liegt mit sieben Prozent deutlich vor Neos-Frontfrau Beate Meinl-Reisinger (fünf Prozent) und Grünen-Chefin Maria Vassilakou – sie liegt bei desaströsen zwei Prozent.

Viele Hürden warten

Alles paletti für Ludwig also? Jein, muss man sagen. Denn obwohl die Abschiedsbilanz für Ex-Bürgermeister Häupl durchaus positiv ausfällt – mehr als 80 Prozent attestieren ihm durchschnittlich gute bis sehr gute Arbeit –, so hat die SPÖ in politischen Detailfragen viele Baustellen offen.

In puncto Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung etwa halten 41 Prozent der Wähler die FPÖ für die Partei mit den besseren Rezepten, ebenso ist es in der Asylfrage. Einziger Lichtblick für Ludwig: „In beiden Bereichen hat die SPÖ aufgeholt“, sagt Bachmayer. Schwach schneiden die Roten auch bei der Frage ab, welche Partei gut geführt sei – hier liegt die ÖVP mit 32 Prozent vor der SPÖ. „Das ist kein Wunder angesichts der Querelen der letzten Zeit“, sagt Bachmayer – für 46 Prozent kam der Wechsel an der Spitze auch zu spät. Noch schlimmer sieht es nur für die Grünen aus: „Selbst unter den eigenen Wählern halten nur 16 Prozent die Grünen für gut geführt und einig.“

Positiv fällt das Urteil über die SPÖ allerdings in Sachen Gesundheit aus – trotz des Krankenhauses Nord – und bei der Unterstützung von sozial Schwachen, einer Kernkompetenz der Roten. Auch bei dem roten Lieblingsthema kann die SPÖ zufrieden mit sich sein: Sie steht für immerhin 45 Prozent für ein „lebenswertes Wien“.

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