Werner Kogler.

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Politik | Inland
07/06/2019

NR-Wahl: Grüne wählen drei Quereinsteiger unter die ersten Fünf

Die Grünen kürten ihre Bundeskandidaten für die Wahl. Hinter Kogler sind Gewessler, Hamann, Reimon und Überläuferin Zadic.

Die Grünen schlossen am Samstag die Listenerstellung für die Nationalratswahl auf ihrem Bundeskongress ab.

Werner Kogler, der sich als Einziger um die Spitzenkandidatur bewarb, erhielt mit mit 98,58 Prozent der Delegiertenstimmen fast einhellige Zustimmung. Er bekam 209 der 212 gültigen Stimmen.

Die Frage, ob er die Wahl annehme, beantwortete er mit: "Ja, danke schön." Für die Wahl Ende September versprühte er Optimismus. "Wir haben vor zwei Jahren gemeinsam verloren. Jetzt werden wir gemeinsam wieder gewinnen."

Wehrpflicht-Debatte

Auch die Journalistin Sibylle Hamann will für die Grünen ins Parlament. Die Falter-Autorin wurde aus dem Publikum nach der Wehrpflicht für Frauen gefragt. Sie hatte einmal Gleichberechtigung in diesem Bereich gefordert.

Gefragt, ob das ihre Privatmeinung ist oder ob sie das als Grün-Politikerin auch fordern wird, sagte sie: "Mein Verständnis von Gleichberechtigung ist, dass es keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern geben darf. Männer sind nicht automatisch für den Wehrdienst geeignet und Frauen haben nicht automatisch eine soziale Ader, die sie am Schießen hindert."

Hamann weiter: "Egal, was wir haben - Wehrdienst, Berufsheer oder Sozialdienst -, ich bin überzeugt, dass wir dieselben Regeln für Frauen und Männer brauchen."

Sie werde als Grün-Politikerin für Gleichberechtigung kämpfen. Am Schluss erhielt Hamann für Listenplatz drei 91,5 Prozent von den Delegierten.

Gewessler, Reimon, Zadic auf vorderen Plätzen

Hinter Kogler wählte der Bundeskongress Global-2000-Chefin Leonore Gewessler auf Platz zwei. Gewessler erhielt sogar 99,52 Prozent.

Auf Platz vier setzte sich der bisherige EU-Mandatar Michel Reimon mit 87,44 Prozent gegen Alexander Spritzendorfer durch. Zuvor hatte Nina Tomaselli, Spitzenkandidatin in Vorarlberg und stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, "zugunsten des großen Ganzen" ihre Kandidatur zurückgezogen. Platz fünf erhielt Alma Zadic, die 2017 für die Liste des Ex-Grünen Peter Pilz in den Nationalrat eingezogen war. Die Delegierten stimmten für sie mit 77,66 Prozent, womit sich Zadic gegen Bettina Bergauer durchsetzte.

Prominente Kandidatinnen

Für einen der Plätze hinter Kogler trat unter anderem auch Bloggerin Dariadaria, mit bürgerlichem Namen Madeleine Alizadeh. Die Öko-Influencerin will den Grünen helfen, aber nicht in den Nationalrat einziehen, weshalb sie sich um den letzten Listenplatz bemüht habe.

Unter den Bewerbern finden sich auch ehemalige grüne Abgeordnete wie Ex-Bundessprecherin Madeleine Petrovic.

Hier die prominentesten Kandidaten, die sich am Samstag der internen Wahl der Delegierten stellten.

Werner Kogler, grünes Urgestein und Parteichef, will als Spitzenkandidat in die Wahl gehen.

Auf sein EU-Mandat hat er dafür verzichtet. Bei der EU-Wahl hatte der 57-jährige Steirer mit Promi-Köchin Sarah Wiener an seiner Seite ein überraschendes Wahlergebnis von 14,1 Prozent eingefahren.

Leonore Gewessler hat Listenplatz 2 auf der Grünen-Bundesliste bekommen.

Die frühere Global-2000-Chefin hat schon früher (hinter den Kulissen) bei den Grünen mitgearbeitet - jetzt wagt sie den Schritt in die erste Reihe und will in den Nationalrat.

Was sie mitbringt? "Engagement und einen langen Atem", sagt die Klimaschutz-Expertin zum KURIER.

Sibylle Hamann, Journalistin, geht als Listendritte ins Rennen.

Auch sie ist zwar Quereinsteigerin, den Grünen aber keine Unbekannte - immer wieder trat sie bei Parteiveranstaltungen auf. "Ein bissel kennt man mich ja als berüchtigte Feministin", sagte sie bei ihrer Präsentation am Dienstag. 

Ihre politischen Hauptanliegen sind Frauenrechte, Generationenfragen, Bildung, Integration und Zuwanderung sowie globale Fragen.

Alma Zadic hat der Liste Jetzt zu deren Missfallen den Rücken gekehrt und ist zu den Grünen übergelaufen, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Die 35-Jährige holte Listenplatz fünf. Im Nationalrat will sie sich für eine "progressive Integrationspolitik" einsetzen. In der aktuellen Legislaturperiode hat sich die Juristin an der Seite von Peter Pilz im BVT-U-Ausschuss einen Namen gemacht.