Politik | Inland
17.02.2018

Grünen-Chef Kogler: "Ohne Kampfeslust wird’s nicht gehen"

Grüne rappeln sich vier Monate nach Niederlage auf und starten ihr Comeback.

"Wie legen wir es an?", fragt Werner Kogler mit hochgekrempelten Hemdsärmeln in die Runde. Den Grünen geht es an diesem neblig-kalten Samstagnachmittag in Wien-Leopoldstadt ums Zuhören und die Zukunft; das impliziert schon der Titel der Veranstaltung: "ZuKUNFThören".

Input holte sich die gebeutelte Bundespartei bei den rund 300 Anwesenden – die Hälfte davon Interessierte, die zuvor nicht bei der Partei waren. In fünf Gruppen wurde zu den Themen Umwelt, Integration, Arbeitsmarkt, Soziales und Gleichstellung diskutiert; jeweils mit einem Experten im Mittelpunkt, darunter etwa Ex-Flüchtlingskoordinator Ferry Maier oder Gewerkschafter Roman Hebenstreit.

An bekannten Grün-Köpfen waren die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, die nö. Landeschefin Helga Krismer sowie die Spitzenkandidaten der Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten, Astrid Rössler und Rolf Holub, vertreten.

Auch sie hören genau hin: Was wollen die Leute? Im Publikum sagt einer die Stichworte "Ziele und Strukturen", andere rufen "Aktionismus" und "Sichtbarkeit". Und als Kogler dann einen fast halbstündigen Vortrag über Ökologie und Soziales hält, schreit einer: "Werner, du überziehst auf Kosten der Diskussion."

Vida-Chef Roman Hebenstreit, der in der Gruppe "Beschäftigung im Zeitalter der Digitalisierung" mitarbeitete, merkt gegenüber dem KURIER augenzwinkernd an: "Nach dem Eingangsstatement von Werner Kogler wird offensichtlich, dass Zuhören ein langer Lernprozess für die Grünen wird."

"Sogwirkung"

Ah ja, zuhören. Also: "Was ist Grün? Was treibt uns an? Wozu braucht es die Grünen?" Für Kogler sind das keine rhetorischen Fragen.

"Es muss sich etwas Grundlegendes ändern", betont er. Denn dass es nicht reiche, anderen die Welt zu erklären, sondern dass man auch "breitentauglich und authentisch" sein müsse, hat die Öko-Partei durch ihren Rauswurf aus dem Nationalrat auf die harte Tour lernen müssen.

Veranstaltungen wie diese soll es ab Mai, wenn die Landtagswahlen überstanden sind, auch in anderen Städten geben. Die Ideensammlung dort ist die Basis, die großen Entscheidungen werden dann beim Bundeskongress im Herbst getroffen. Für Kogler kann es gar nicht schnell genug gehen: "Es geht gerade eine enorme Sogwirkung von der Grünen Idee aus. Die müssen wir jetzt nutzen."

Aufbruchstimmung spürt auch Ferry Maier, der als Experte für Integrations- und Flüchtlingspolitik zu Rate gezogen wurde. Der ehemalige ÖVP-Politiker ist überzeugt: "Es braucht die Grünen im Parlament, gerade bei Themen wie Ökologie, Menschenrechte und Europa."

Die Veranstaltung am Samstag war laut Maier "der erste Versuch eines Neustarts. Aber ich habe den Eindruck, dass die Grünen noch im Dunkeln tappen, wer das in Zukunft machen soll."

Entschlossenheit und Zuversicht

Die personelle Frage ist tatsächlich unklar, denn auch Kogler lässt offen, wie seine Position bei den "neuen Grünen", die er sich wünscht, aussehen soll. Der 56-jährige Steirer wurde nach der Niederlage bei der Nationalratswahl als Chef installiert und konnte den drohenden Konkurs der Bundespartei gerade noch abwenden. Viele, die angesichts anderer noch aktiver Alt-Grüner mit den Augen rollen, wünschen sich weiterhin ihn als Bundessprecher. Kogler ziert sich, scheint dem Frieden noch nicht recht zu trauen.

Und eines macht er jetzt, vier Monate nach der Wahlniederlage, vor Publikum klar: "Die Trauer, die Enttäuschung, sollte vorbei sein. Bei mir ist jedenfalls längst eine Entschlossenheit, eine Zuversicht zurückgekehrt." Und auch eine Kampfeslust, fügt er hinzu. "Ohne die wird’ s nicht gehen." Applaus.