Am 24. Jänner luden Burschenschafter und FPÖ zum Tanz in die Wiener Hofburg. Bei den Gegendemonstrationen kam es totz massiven Polizeiaufgebots in der Wiener Innenstadt zu schweren Ausschreitungen.

© Gilbert Novy

Grün vs. Blau
02/08/2014

Was bringt der Tanz um den rechten Ball?

Peter Pilz und Harald Vilimsky im KURIER-Streitgespräch über den "braunen" und "schwarzen" Block.

von Bernhard Gaul

Ein FPÖ-Ball, bei dem die Gegen-Demonstration eskaliert, und Burschenschafter, die auch wieder öfter auf die Straße gehen wollen. Was sagen die beiden Sicherheitssprecher von FPÖ und Grüne, Harald Vilimsky und Peter Pilz, zur Causa prima der vergangenen Tage? Der KURIER bat sie zum Streitgespräch.

KURIER: Herr Vilimsky, was ist am Abend des Akademiker-Balls schiefgelaufen?

Harald Vilimsky: Man hat den internationalen Linksextremismus ins Land geholt, die Hamburger Szene, die ganze deutsche autonome Szene. Sogar aus Griechenland ...

Wer hat die geholt?

Vilimsky:Die Plattform zur Einladung war im Bereich der Grünen, das haben wir auch zur Anzeige gebracht. Und die folgenden Ausschreitungen haben zu einer extremen Belastung der Exekutive geführt. Die Polizei hat sehr gute Arbeit geleistet, aber man hätte viel schärfer durchgreifen müssen. Für die Polizei war es ja sehr schwierig zwischen jenen, die nicht randalieren, und jenen, die zur Gewalt bereit sind, zu unterscheiden.

Peter Pilz: Sowohl die FPÖ, die Polizei als auch wir Grüne wissen, dass solche Demos immer öfter von Hooligans genutzt werden, nicht um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren, sondern um zu randalieren und Fensterscheiben einzuschlagen. Diese Herrschaften sind kein Fall für die Politik, sondern für Polizei und Strafjustiz.

Vilimsky: Ihre jungen Grünen haben die eingeladen! Wo ist da Ihre Verantwortung?

Pilz: Unser Beitrag ist klar. Es gibt keine Gemeinsamkeit zwischen Hooligans und friedlichen antifaschistischen Demonstranten. Ich will, dass Grüne die Sicherheitsexekutive gegen die Hooligans unterstützen, und zwar alle Grünen, sonst gehören sie nicht zu uns.

Vilimsky: Lächerlich! Das waren doch keine Hooligans, das waren Linksextremisten. Und die jungen Grünen haben sie eingeladen!

Pilz: Die, die von der FPÖ eingeladen wurden, sind die Köpfe des europäischen Rechtsextremismus, der Abschaum der europäischen Politik, mitten in der Wiener Hofburg. Russische Rechtsextremisten ...

Vilimsky: Kein Einziger! Bleiben Sie bei der Wahrheit!

Pilz: Belgische und schwedische Rechtsextremisten, Vertreter der deutschen NPD

Vilimsky: Das stimmt doch alles nicht.

Pilz: ... die der Einladung der FPÖ folgen und Jahr für Jahr in der Hofburg tanzen. Diese Leute haben in der Wiener Hofburg nichts verloren. Da bin ich ganz beim Bundespräsidenten, der ersucht, die Veranstaltung dort nicht mehr abzuhalten. Verschonen Sie die Hofburg.

Vilimsky: Das war jetzt eine Märchenstunde von Pilz. Die Krawallbrüder waren keine Fußballfans, sondern Autonome. Außerdem gab es bei dem Ball keinen einzigen Besucher, der der Hofburg Schaden zugefügt hat. Das war kein Extremismus-Treffen, sondern eine würdige Tanzveranstaltung mit einem studentisch-historischen Charakter.

Pilz: Also: Ich bin dafür, die Polizei im Kampf gegen den Kern des schwarzen Blocks zu unterstützen. Wenn ich mich um den schwarzen Block kümmere, erwarte ich mir, dass sie sich um den brauen Block kümmern.

Was meinen Sie damit?

Pilz: Vor zehn Jahren hat sich niemand um diesen Ball gekümmert, erst mit Strache hat sich etwas geändert, nämlich der Import der Crème des europäischen Rechtsextremismus. Dahinter versteckt sich die Absicht der FPÖ, sich europaweit als treibende Kraft des Rechtsextremismus zu profilieren. Das hat die FPÖ vor Strache nicht getan. Aber was heuer passiert ist, darf sich nicht wiederholen.

Vilimsky: Na dann pfeifen S’ Ihre Freunde zurück. Bei uns gibt es keine Extremisten und nichts Braunes. Man kann doch nicht vor dem Ball zusehen, wie man die Extremisten ins Land holt, und nach dem Ball den Finger heben, und sagen, so weit hätte es nicht kommen dürfen.

Pilz: Sie haben ein Farbenproblem. Sie sehen alle Farben grell leuchten, nur bei der Farbe Braun haben sie ein Wahrnehmungsproblem.

Im Mai soll es in Wien einen Spaziergang geben, organisiert von einem ehemaligen FPÖ-Studentenfunktionär. Was ist da zu erwarten?

Vilimsky: Das ist eine burschenschaftliche Aktion, die mit der Partei nichts zu tun hat. Ich erachte es als ein gutes Zeichen, wenn diese Gruppe die Hand zur Versöhnung reicht und einen „Marsch des Friedens“ macht. Wenn die Grünen auch dagegen mobil machen, befürchte ich aber Probleme.

Herr Pilz, werden Sie zur Gegendemo aufrufen?

Pilz: Nein, das ist doch offensichtlich nur eine Provokation. Ich bin dafür, diese Herrschaften spazieren zu lassen, mit ihren sonderbaren Kapperln und ihren zerschnittenen Gesichtern. Wir wollen ganz Wien dazu einladen, diese Ewiggestrigen einfach öffentlich auszulachen. Ich glaube, dass ist die Antwort, die man geben muss.

Vilimsky: Ich glaube, dass immer weniger Menschen dem grünen Ruf folgen werden, genauso wie immer weniger Menschen die Grünen wählen. Weil die ja gar kein Programm mehr haben, sondern nur noch gegen die FPÖ hetzen. Ich bin kein Burschenschafter, aber studentische Traditionen lächerlich zu machen, mag Ihnen obliegen. Ich halte nichts davon.

Randale in der Wiener Innenstadt

Die FPÖ und ihre Burschen: Gratwanderung für Frontmann Strache

In Linz tanzen sie heute Abend auf, die heimischen Rechten. Beim Burschenbundball. Es ist die zweite derartige Zusammenkunft binnen eines Monats. Am 24. Jänner wurde in der Wiener Hofburg rechtsgewalzt – Demonstrationen und Gewalt des „schwarzen Blocks“ in der Innenstadt inklusive. In der Wiener City werden schlagende Verbindungsmänner Mitte Mai unterwegs sein. „Spaziergang“ zur Erinnerung an das Revolutionsjahr 1848 nennen sie den Aufmarsch.

Die Renaissance Ewiggestriger? Wie viele es von ihresgleichen gibt, tun die deutschnationalen Burschenschafter nicht kund. Etwa 4000 seien es , heißt es im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Nachkommenschaft hätten nur die Mittelschul-Verbindungen, den akademischen gehe es „in der Hinsicht schlecht. Sie stagnieren bzw. sind schwächer als vor 20 Jahren“, sagt Andreas Peham vom DÖW.

Väter und Söhne

Ein Milieu reproduziert sich. Sind die Väter dabei, sind es großteils auch die Söhne: „Von Barbara Rosenkranz’ zehn Kindern ist das nur eines nicht.“ Leute von außerhalb sind für Korporierte schwer zu rekrutieren: „Das Bewusstsein, um welche Gruppen es sich handelt, ist größer als früher. Die Selbstdarstellung, es gehe bloß um Kameradschaft, geht nicht mehr durch.“

Auch wenn die Burschenschafter „quantitativ fast zu vernachlässigen“ seien, hätten sie in der FPÖ seit 2005 „an Einfluss gewonnen“, sagt Peham. Jörg Haider verließ damals mit Getreuen die Partei; die ideologisch gefestigten Burschenschafter blieben: „Sie sind der personelle und organisatorische Kern.“ Und so quartierte Frontmann Heinz-Christian Strache das Bekenntnis zur „Deutschen Volksgemeinschaft“, das Haider 1997 aus dem Parteiprogramm verbannt hatte, 2011 wieder ein. Mit Martin Graf, Mitglied der vom DÖW als rechtsextrem eingestuften Olympia, hatten sie bis Herbst 2013 einen Vertreter an hoher Polit-Stelle. Er war Dritter Nationalratspräsident.

Als deutschnationalen Gedenkverein möchte Strache die FPÖ aber nicht erscheinen lassen. Das schadet beim Wählerfang abseits des schmissigen Biotops. Lothar Höbelt, FP-naher Historiker, beschreibt Straches Verhältnis zu den Burschenschaftern so: „Er ist bereit, jene aus dem Milieu mitzunehmen – so lange sie ihn nicht stören.

Warum lud dann die FPÖ zum „Akademikerball“? „Das hat eher Straches Macht gegenüber den Burschenschaftern gestärkt: Die Partei hat das Sagen, nicht irgendwelche Altherrenverbände“, meint Höbelt. Gegen einen solchen Ball hätten die meisten Leute wohl nichts. „Sie wollen aber, dass sich die FPÖ für sie, nicht für Burschenschafter einsetzt.“ Und so sei auch deren Wien-Aufmarsch kurz vor der EU-Wahl „ein Risiko für Strache, es birgt Unruhegefahr“. Höbelt schließt nicht aus, dass er versucht, die Sache „abzudrehen“. Anlass für den Stadt-„Spaziergang“ gebe es ohnehin keinen: „Es ist der Versuch der Burschenschafter, sich zu profilieren.“

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