General view shows the nuclear power plant KKW Beznau of Swiss energy company Axpo near Beznau

© REUTERS / ARND WIEGMANN

Politik Inland
12/07/2020

Grün gegen Rot-Pink: Streit um Atomenergie erneut entfacht

Hannes Androsch und Meinl-Reisinger haben im "Trend" atomare statt fossiler Energie nicht als abwegig dargestellt. Die Grünen üben harsche Kritik.

von Daniela Kittner

Der Industrielle und frühere SPÖ-Politiker Hannes Androsch und Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger gaben dem Wirtschaftsmagazin "Trend" ein rot-pinkes Doppelinterview. Dabei kam auch die Energiewende weg von fossiler Energie zur Sprache.

Öko-Steuerreform bisher "Augenauswischerei"

Androsch rechnet in dem Interview mit der türkis-grünen Energiepolitik ab: "Wir haben beim Klimaschutz außer Ankündigungen nichts erreicht. Wir sind im Unterschied zur Schweiz ein Klimasünder mit dem doppelten CO2-Ausstoß pro Kopf. Wenn die jetzige Ökosteuer-Reform nur eine NoVA-Erhöhung bleibt, ist das reine Augenauswischerei. Was ist mit Mineralölsteuer, Speckgürtel-Pauschale, Abschaffung des Diesel-Privilegs, Umstellung von 1,5 Millionen privaten Heizungen? Warum fährt die Regierung nicht selbst mit Elektroautos und stellt die Lkw-Flotte auf Wasserstoff um? Die Öffentliche Hand hätte ein weites Feld, mit gutem Beispiel voranzugehen."

Schweiz hat fünf AKW

Androsch sagt dann, "dass die Schweiz um so viel besser dasteht, ist auch auf ihre fünf Atomkraftwerke zurückzuführen. Neue Atomkraft-Technologien könnten mit dazu beitragen, den Planeten vor dem Umkippen zu schützen".

Meinl-Reisinger sagt dann über ihre Einstellung zu Atomenergie: "Ich habe den sehr raschen Atom- Ausstieg in Deutschland für einen Fehler gehalten. Weil der Ersatz ohne fossile Energien unklar ist. Jedenfalls bin ich dagegen, auch Forschung und Entwicklung in diesem Bereich zu unterbinden. Wir sind in Österreich - im Gegensatz zu vielen anderen - aber in der glücklichen Lage, auf erneuerbare Energien ganz ohne Atomkraft umstellen können."

Maurer: "Gute Nacht"

Daraufhin setzte es eine harsche Kritik der Grünen. „Atomenergie als Chance für die Energiewende zu preisen, ist absurd“, meint die Klubobfrau der Grünen, Sigi Maurer. „Androsch und Meinl-Reisinger würden "die Argumente der Atomlobby verwenden, denen wissenschaftliche Erkenntnisse aus Klima- und Wirtschaftsforschung entgegenstehen. Atomenergie ist zu teuer und zu gefährlich. Wenn Atomenergie der rot-pinke Weg aus der Klimakrise ist, na dann gute Nacht".

Atomstrom 5 x teurer als Alternativenergie

Maurer weiter: „Ohne staatliche Milliardenförderungen würde kein einziges Land auf der Welt mehr Atomkraftwerke bauen. Atomenergie ist schlichtweg unwirtschaftlich. Berechnet man Bau und Betrieb mit ein, ist Atomstrom bis zu fünf Mal so teuer wie Windenergie und Photovoltaik-Technologien. Während die Kosten für Erneuerbare Energien in den letzten Jahren gefallen sind, sind jene für Atomkraft sogar gestiegen - und das trotz jahrzehntelanger staatlicher Milliarden-Unterstützung! Wie rechtfertigt man das vor den Steuerzahler*innen? Es ist mir schleierhaft, wie Neos als liberale Partei überhaupt für Atomkraft sein kann: Eine Technologie, die ohne massive staatliche Unterstützung gar nicht denkbar ist“, wundert sich Maurer.

Uran nicht endlos vorhanden

Dazu kommt: Uran ist eine nicht-erneuerbare Ressource, die Vorräte werden in ein paar Jahrzehnten zur Neige gehen. „Schauen so die langfristigen rot-pinken Lösungen für eine globale Krise aus?“ fragt Maurer.
Der Klimawandel ist eine akute, globale Bedrohung, die schnelle und nachhaltige Lösungen verlangt. Und Österreich zeigt es vor: Durch den raschen Ausbau werde sich Österreich schon bald bilanziell mit Ökostrom versorgen können.

Auch ÖVP "entsetzt"

"Atomkraft darf in Europa keinen Platz haben", zeigt sich auch ÖVP-Energiesprecherin Tanja Graf "entsetzt".
„Atomkraft kann niemals eine taugliche Alternative für mehr Klimaschutz sein“, so Graf.„Aber während wir gegen Bedrohung der österreichischen Bevölkerung durch grenznahe Atomraftwerke konsequent auftreten, tätigt die Klubchefin der Neos hier Aussagen pro Atomenergie.“

„Unser Land arbeitet konsequent an einer Energieversorgung ohne Atomenergie“, so Graf weiter. Der Weg in die Zukunft müsse in erneuerbarer Energie und Energieeffizienz liegen, das sei zugleich die beste Maßnahme gegen Atomkraft, unterstrich die Abgeordnete.
„Wir brauchen in Österreich einen parteiübergreifenden nationalen Schulterschluss, aber niemanden, der sich für Atomkraft als Lösungsansatz für die Klimakrise stark macht“, schloss die Energiesprecherin.

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