Großkampftag im Parlament: Präsidenten ziehen hinter die Hofburg

Umzug Österreichisches Parlament
Foto: KURIER/Rainer Eckharter Das Parlament wird bis 15. August für die Sanierung ausgeräumt.

Großer Umzug wegen Sanierung des Hohen Hauses. Der KURIER schaute hinter die Kulissen.

„Ned auf den Fernseher steigen, Vorsicht!“, sagt der zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP), der sich im Slalom durch sein Büro bewegt. An seinem letzten Tag empfängt er hier zwischen aufgetürmten Umzugskartons noch den tschechischen Botschafter, dann werden seine Habseligkeiten und der Flachbildfernseher, der gerade am Boden liegt, in sein neues Büro gebracht.

Es ist nur etwa halb so groß wie jenes im Parlament, hat keinen prächtigen Stuck an der Decke, und statt auf poliertem Parkett wandelt man auf schallschluckendem Teppichboden. Für die nächsten drei Jahre, in denen das Hohe Haus saniert wird, residieren die drei Präsidenten und die Parlamentsdirektion in einem Pavillon hinter der Hofburg. Die Klubs von SPÖ und ÖVP sind bereits vergangene Woche in zwei separate Quartiere am Heldenplatz eingezogen.

Menschenleere Gänge

Am meisten werde er in den kommenden drei Jahren die Säulenhalle vermissen, sagt Kopf: „Wenn ich da durchgehe, habe ich das Gefühl von etwas Imposantem, es hat fast etwas Sakrales.“ Hinter ihm hängt noch ein Kruzifix an der Wand. „Das gehört auch noch eingepackt“, fällt dem ÖVP-Mann ein.

Etwas Wehmut schwingt an diesem Freitagnachmittag bei allen drei Nationalratspräsidenten und ihren Mitarbeitern, die an diesem Wochenende übersiedeln, mit. Nach der Ausschusssitzung am Freitagvormittag, bei der der Wahltermin 15. Oktober fixiert wurde, ist es in den langen Gängen menschenleer geworden, auch die meisten Büros sind verwaist. Bei SPÖ-Klubchef Andreas Schieder ist nur ein einsames Telefon am Boden übriggeblieben. „Ein komisches Gefühl“, sagt er angesichts der leeren Räume.

In den Büros der Nationalratspräsidenten war am Freitagvormittag alles gepackt und bereit für die Übersiedelung. Karlheinz Kopf, zweiter Nationalratspräsident (ÖVP), hat am Freitag im Umzugsstress noch den tschechischen Botschafter in seinem Büro empfangen. Die Spedition ist mit 30 Mitarbeitern am Wochenende mit der vierten Tranche des Umzugs beschäftigt. Am Montag sollen die Nationalratspräsidenten Karlheinz Kopf und Norbert Hofer schon in den neuen Büros im Pavillon hinter der Hofburg arbeiten können. Im Büro von Norbert Hofer wird es im Laufe des Freitags noch voller - die Spedition hat nach und nach Umzugskartons und Mobiliar gebracht. Sein neues Büro gefällt Hofer: "Es ist hell, es ist funktionell, und es hat eine Klimaanlage." SPÖ-Klubchef Andreas Schieder ist bereits vergangene Woche in einen der Pavillons am Heldenplatz gezogen. Das überdimensionale Graffiti, das in Schieders altem Büro im Parlament hing, hat im neuen keinen Platz - im Vorraum geht es sich gerade noch aus. Süßigkeiten und einen alten Watschenmann vom Wiener Prater: Damit gibt SPÖ-Klubchef Schieder dem neuen Büro eine persönliche Note. Der Plan des Parlaments - bis 15. August muss die Übersiedelung beendet sein, dann übernimmt die Sanierungsfirma. Im neuen Plenarsaal im Großen Redoutensaal in der Hofburg können ab August Sondersitzungen abgehalten werden.

In seinem neuen Büro ist schon eine persönliche Note sichtbar.  Da stehen ein Automat mit Mannerwafferln, eine chinesische Zuckerldose; und um „im Training zu bleiben“, wie Schieder sagt, drischt er auf einen antiquarischen Watschenmann vom Wiener Prater ein.

Sein Lieblingsstück: Ein Handbuch der Parlamentsabgeordneten von 1907 bis 1913, darunter etwa Viktor Adler, Begründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

Von seinem Schreibtisch aus hat der SPÖ-Klubchef die Hofburg und die Nationalbibliothek im Blick. „Das ist das Herz Österreichs, da ist die ganze Geschichte unseres Landes gestaltet worden. Schon beeindruckend“, sagt Schieder.

Schachbrett und Stein-Portrait

Weniger spannend ist der Ausblick, den der dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) von seinem Eck-Büro in einem Pavillon im kleinen Bibliothekshof hinter der Hofburg hat. Aber: „Es ist hell, es ist funktionell. Und es hat eine Klimaanlage“, meint ein zufriedener Hofer bei einer Besichtigung mit dem KURIER.

Das Schachbrett seines Vater hat er persönlich übersiedelt, sonst befindet sich in dem 29 Quadratmeter-Zimmer nur ein Stuhl und ein 15 Kilo schweres Portrait des FPÖ-Mannes aus Stein, das er während des Hofburg-Wahlkampfes geschenkt bekommen hat.

Am Montag, wenn die neue Arbeitswoche beginnt, stehen hier schon Schreibtisch, ein Besprechungstisch und fertig eingeräumte Regale. Bis dahin hat das 30-köpfige Team der Spedition noch einiges zu tun, und bis 15. August müssen sämtliche Büros fertig übersiedelt sein. Dann übernimmt die Sanierungsfirma und das Hohe Haus wird bis 2020 zur Großbaustelle.

Ob sich das ausgeht? „Es sind einige skeptisch, leicht wird es nicht. Aber wir müssen alles daran setzen, dass auch der Kostendeckel eingehalten wird“, sagt Präsident Hofer. 51,4 Millionen Euro wird der Umzug kosten, die Sanierung 352 Millionen.

Parlamentsvizedirektor Alexis Wintoniak ist jedenfalls zuversichtlich: "Ein Großprojekt in einem historischen Gebäude kann natürlich immer Überraschungen bringen, aber bis jetzt sind wir im Zeitplan."

Video: Tobias Pehböck
Fotos: Rainer Eckharter

 

(kurier) Erstellt am
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