© Stephan Boroviczeny Fotografie

Budget
04/11/2014

Größere Klassen, weniger Lehrer

Das Bildungsministerium muss massiv sparen. Das wirkt sich auf den täglichen Unterricht aus.

von Ute Brühl

Der Finanzminister gibt die Richtung vor: Heuer muss im Bildungsressort 57 Mio. Euro gespart werden, und 2015 nochmals 60 Mio. Euro. Das hat Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Freitag in einem Ö1-Interview verkündet und dabei auch gesagt, wo der Rotstift angesetzt wird: "In der Verwaltung, bei Inseraten und bei den Lehrerüberstunden." Für den Schulalltag heißt das: Die Klassenzimmer werden wieder voller – besonders ab der neunten Schulstufe: "In den Werkstätten werden zehn statt acht Schüler sitzen, in den Neuen Mittelschulen wird es zwei Stunden weniger Team-Teaching geben."

Die Gewerkschafter fürchten Schlimmeres, nämlich dass sich bei den Teilungszahlen ab der 9. Schulstufen etwas ändern wird. Derzeit werden Klassen ab 31 Schülern in den Hauptfächern geteilt. Jürgen Rainer, oberster Lehrergewerkschafter der berufsbildenden Schulen fürchtet daher: "Diese Einsparungen werden uns noch teuer kommen, Durch diese Teilungen haben wir es geschafft, dass die Drop-out-Rate in der 9. Schulstufe um 5000 Schüler pro Jahr reduziert wurde. Werden die Mittel gestrichen, wird es wieder mehr Sitzenbleiber und Schulabbrecher geben." Der Gewerkschafter zeigt sich von Heinisch-Hosek enttäuscht: "Ich hätte mir erwartet, dass sie öffentlich gegen die Einsparungsmaßnahmen auftritt und sich für die Ausbildung der Kinder einsetzt."

Gewerkschaft und Opposition befürchten zudem, dass die Einsparungen noch weitaus größer sein werden. Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser rechnet mit mindestens 200 Mio. Euro pro Jahr: "Allein Struktureffekte(Biennalsprünge etc., Anm.) machen heuer 103 Mio. Euro aus, Ganztagsschule und neue NMS-Klassen kosten weitere 112 Mio. Euro. Diese Beträge müssen an anderer Stelle eingespart werden."

Verärgert sind auch die VP-Landesschulräte: "Es ist fahrlässig, uns nicht vorab über die Sparmaßnahmen zu informieren."

Auswirkungen der Sparmaßnahmen

An den Schulen wirken sich die angekündigten Einsparungen vor allem durch größere Gruppengrößen in einzelnen Fächern aus. In den ersten Klassen der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) sowie der Oberstufenrealgymnasien (ORG) werden derzeit Klassen ab 31 Schülern in Deutsch, Mathematik und Englisch in zwei Gruppen geteilt. Das wird es ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr geben. Darüber hinaus werden in den Werkstätten der HTL künftig im Schnitt zehn statt acht Jugendliche pro Gruppe unterrichtet.

An den AHS werden Klassen im Informatik-Unterricht künftig nicht mehr ab 13 Kindern geteilt, sondern erst ab 25. Begründet wird die Maßnahme im Ministerium damit, dass diese Teilungsregel noch aus einer Zeit stammt, wo in den Informatik-Räumen weniger Computer zur Verfügung standen. Im Fach Bildnerische Erziehung entfällt die Klassenteilung überhaupt. Auch die NMS bleiben nicht ungeschoren: Dort stehen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch künftig statt in zwölf nur mehr in zehn Wochenstunden zwei Lehrer in der Klasse. Keine Einsparungen gibt es dagegen bei den Volksschulen.

Die Einsparungen ergeben sich aus den damit verbundenen geringeren Personalkosten. Durch die größeren Gruppen sind weniger Lehrer nötig - wegfallen sollen vor allem Überstunden.

Gekürzt wird außerdem beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das für Projekte wie die Zentralmatura, Bildungsstandards sowie internationale Bildungsvergleichsstudien zuständig ist: Dort fallen etwa durch den wegen Zweifeln an der Datensicherheit verhängten Teststopp für 2014 sowie 2015 Ausgaben weg. Personal soll aber nicht abgebaut werden. Außerdem will Heinisch-Hosek weniger Geld für Inserate ausgeben und die Förderungen auf "Kernbereiche" konzentrieren.

Für das Jahr 2015 sind laut Ministerium keine weiteren Maßnahmen nötig: Die heuer vorgenommenen Einsparungen wirkten auch in den kommenden Jahren fort und erhöhten sich durch die automatische Fortwirkung auf mehr Klassen noch.

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