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Gödl statt „Gust“: Das ist der neue Klubchef der Volkspartei

Der 54-jährige Steirer Ernst Gödl wird nach dem Rücktritt Wögingers neuer Klubobmann der Volkspartei. Seine Wahl verlief reibungslos und einstimmig. Wie tickt der Landwirt und Jurist mit einem großen Faible für Mexiko?
PK DES ÖVP-PARLAMENTSKLUB ZUM THEMA "VORSTELLUNG DES NEUEN ÖVP-KLUBOBMANNS": GÖDL (ÖVP)

Was jedenfalls fehlte, waren klare Aussagen, dass Postenschacher nicht in Ordnung und daher abzulehnen sei. Weder ÖVP-Chef Christian Stocker, noch der Neue an der Spitze des Parlamentsklubs, der Steirer Ernst Gödl, sahen sich veranlasst, bei dessen Vorstellung sich von August Wögingers Tat abzugrenzen.

Wöginger war am Montag von einem Schöffengericht in Linz zu sieben Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Er meldete Rechtsmittel gegen Schuld und Urteil an, das damit nicht rechtskräftig ist, und gab dennoch seinen sofortigen Rücktritt als Klubobmann der ÖVP bekannt – ein Posten, den Wöginger fast zehn Jahre bekleidete.

Gödl, 54 Jahre alt, verheiratet mit Lisa und Vater von den beiden Töchtern Rosa und Theresa, erzählte beim Pressegespräch dann mit Leidenschaft, wie er zu seinem neuen Job gekommen ist. Er sei grad dabei gewesen, die Sommerreifen an seinem Pkw zu montieren, als ihn der Anruf von Parteichef Stocker erreichte. Danach habe er sofort seine Frau angerufen, und diese habe ihn bestärkt, das Angebot Stockers (nach nicht einmal 20 Minuten Bedenkzeit) anzunehmen.

Für Ernst Gödl war das fast ein logischer, nächster Schritt seiner ungewöhnlichen politischen Karriere.

Auslandsjahr in Oaxaca

1971 in Graz geboren, maturierte Gödl, wie er extra betonte, in Latein und Altgriechisch. Ein Austauschjahr 1989/90 während seiner Schulzeit am Bischöflichen Gymnasium in Graz brachte ihn nach Mexiko, konkret nach Oaxaca, ganz im Süden Mexikos an der Pazifikküste. Gödl sprach in früheren Interviews immer in höchsten Tönen von Mexiko und seiner damaligen Gastfamilie, mit der er bis heute in Kontakt steht.

Damals, erzählt er, habe er aber auch verstanden, was für ein Privileg es sei, in einem „sicheren und schönen Land“ wie Österreich zu leben, das sei Ergebnis einer funktionierenenden Politik. Damals nahm er sich vor, seinen Beitrag leisten und sich engagieren zu wollen.

1995 war er (als Parteifreier) der jüngste Bürgermeister Österreichs, und zwar in Zwaring-Pöls südlich von Graz. Diese Gemeinde wurde 2015 im Rahmen der Gemeindestrukturreform mit der Gemeinde Dobl zusammengeschlossen, die neue Gemeinde führt den Namen „Dobl-Zwaring“.

Gödl studierte in Graz Jus und Anglistik, schloss das Jusstudium aber erst 2013 als Magister ab. Bis dahin war er auch Betriebsführer der elterlichen Landwirtschaft, Gödl ist also Landwirt und Jurist.

Im Jahr 2000 kontaktierte ihn ÖVP-Landesparteichefin und Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und überredete ihn, für den Landtag zu kandidieren. 2014 folgte sein Wechsel in den Bundesrat, seit 2017 ist er Abgeordneter im Nationalrat, zuletzt als ÖVP-Bereichssprecher für Sicherheit, Integration und Migration.

Reibungsloser Wechsel

Dienstagfrüh nun wählten ihn seine Klubkollegen einstimmig – wie Stocker betonte – zum neuen Klubobmann. Der Postenwechsel verlief also reibungslos – das klare Votum hatte sich schon in der Früh abgezeichnet, als Gödl beim gemeinsamen Eintreffen mit Wöginger mit lange anhaltendem Beifall begrüßt wurde.

Wöginger bleibt übrigens Mandatar im Hohen Haus, als Bereichssprecher für Arbeit und Soziales, und auch Obmann des mächtigen Arbeitnehmer-Bundes (ÖAAB).

Stocker begründete seine Entscheidung für Gödl damit, dass dieser „Erfahrung, Verhandlungsgeschick und politisches Gespür“ vereine. Stocker meinte zudem, dass Gödl auch dann im Amt bleibe, sollte Wöginger in zweiter Instanz freigesprochen werden. Er sei bis zum Ende der Legislaturperiode gewählt.

Als seine Grundprinzipien nannte Gödl dann: „Haltung, Haftung und Hingabe.“ Sein Ziel sei es, den Klub mit ruhiger Hand weiter zu führen. Er wolle dazu beitragen, „ein Stabilitätsanker“ in unruhigen Zeiten zu sein: „Ich stehe nicht für große Sprüche, ich stehe für eine Handschlagqualität.“

Wöginger, der den Klub mit Unterbrechungen seit 2017 anführte, hatte viel Geschick gezeigt, mit den anderen Klubs Konsens und Kompromisse zu finden. Insofern liegt die Latte für den neuen Klubobmann Gödl sehr hoch.

Die Arbeit wird ihm so schnell nicht ausgehen, suchen doch zahlreiche Gesetze innerhalb der Koalition als auch mit der Opposition nach Mehrheiten.

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