Politik | Inland
08.02.2017

Gibt es genügend Gratisjobs für Flüchtlinge?

© Bild: Kurier/Juerg Christandl

Flüchtlinge sollen ins Arbeitsleben hineinschnuppern. Laut Studie sind sie im Schnitt jung und unterqualifiziert.

Flüchtlinge zahlen im Schnitt mehr in den Staat ein, als sie kosten, so eine Studie von Caritas und Rotem Kreuz. Untersucht wurden jene, die zwischen 2000 und 2015 in Österreich Asyl bekommen haben und seit zehn Jahren da sind. Männer erreichen nach sieben Jahren das Erwerbsniveau eines Durchschnittsösterreichers, Frauen liegen auch nach zehn Jahren deutlich darunter.

Studienautor Franz Prettenthaler warnt: Die Flüchtlinge sind im Schnitt schlecht qualifiziert, verdienen wenig und sind jung. Rücken sie ins Pensionsalter, könnte sich die positive Bilanz ins negative drehen.

Das zu verhindern, dürfte auch Ziel der Regierung sein, die sich auf ein Integrationsjahr geeinigt hat. Neben Deutsch- und Wertekursen sieht das Programm ein Arbeitstraining vor. Der KURIER hat sich den Plan im Detail angeschaut:

Welche Jobs sollen Asylsuchende machen?

Bei Zivildienstträgern wie dem Roten Kreuz sollen Asylberechtigte in der Betreuung von älteren Menschen, Obdachlosen oder anderen Flüchtlingen beschäftigt werden. Laut Sozialministerium gehe es weniger um die Arbeitsleistung als um die Heranführung an einen Arbeitsalltag. Für Asylwerber, die aufgrund guter Bleibechancen ins Programm aufgenommen werden, gibt es noch immer eine Einschränkung auf gemeinnützige Tätigkeiten, etwa Grünflächenpflege.

Was bekommen sie dafür?

Nichts extra. Asylwerber bekommen Geld aus der Grundversorgung, Asylberechtigte Mindestsicherung. Ähnlich wie bei Österreichern, die Arbeitslosengeld beziehen, kann die Nicht-Teilnahme am Arbeitsintegrationsprogramm durch Kürzungen sanktioniert werden. Ein Zivildiener bekommt übrigens eine monatliche Pauschale von rund 300 Euro, plus 12 Euro am Tag für Verpflegung.

Geld dazuverdienen können Flüchtlinge aber weiterhin mit gemeinnütziger Arbeit (außerhalb des Programms) in den Gemeinden. Die Zuverdienstgrenze liegt bei rund 100 Euro.

Nehmen Asylwerber Inländern den Job weg?

Nein, die Tätigkeit muss "strikt arbeitsmarktneutral" sein, heißt es im Gesetz, das am Montag in Begutachtung gegangen ist. Der Job muss also einer sein, den sonst niemand machen würde.

Was, wenn sie zu wenig Deutsch können?

Deshalb stehen der Kompetenzcheck, die verpflichtenden Deutsch- und Wertekurse sowie ein Bewerbungstraining am Beginn und die Jobs erst am Ende des Integrationsjahres. "Jene, die keine Vorqualifikationen haben, lassen sich vielleicht gar nicht in ein Arbeitstraining vermitteln, weil das Lernen mehr Zeit braucht", erklärt ein Sprecher des Sozialministeriums.

Wie lange sollen sie arbeiten müssen?

Wer schnell lernt, kommt schneller in das Arbeitstraining. Im Schnitt wird es laut einem Ministeriumssprecher vier Monate dauern; Maximum sind neun Monate.

Was kostet das Ganze den Steuerzahler?

Im Gesetz sind als jährliches Budget 137 Millionen Euro für 15.000 Personen festgelegt, 37 davon sind bestehende AMS-Fördermittel.

Reicht das für alle, die zuletzt Asyl bekommen haben?

15.000 düften bei Weitem zu wenig Plätze sein: 2016 wurde 26.517 Menschen Asyl gewährt. Und bis das Programm im September startet, kommen neue dazu.

Man habe vorerst keinen Anspruch auf Vollständigkeit, heißt es aus dem Ministerium. Im Klartext: Obwohl das Integrationsjahr Pflicht ist, wird nicht jeder das volle Programm machen können.