Gesundheitsreform: Über diese drei Modelle verhandelt die Politik

Ende Juni soll ein Konzept für eine effizientere und kostengünstigere Versorgung stehen. Vor allem im Spitalsbereich könnten große Änderungen kommen.
KH Barmherzige Brüder Wien: Interventionelle Radiologie

Viel Zeit bleibt allen Beteiligten nicht mehr: Bis Ende Juni soll das Konzept für die Reform des Gesundheitswesens, auf die sich Bund, Länder und Gemeinden im Vorjahr verständigt haben, stehen. 

Ziel ist ein Aufräumen mit dem seit Jahrzehnten bestehenden Kompetenzen-Wirrwarr zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungen, das zu einer ineffizienten und teuren Versorgung der Patienten geführt hat. Das ist in Zeiten enormer Sparzwänge schlichtweg nicht mehr finanzierbar.

Die schlechte Nachricht: Den ganz großen Wurf wird auch diese Reform nicht bringen, wie aus Verhandlerkreisen zu vernehmen ist. Experten hatten eine völlige Neuaufstellung des Systems gefordert, etwa in Form einer völligen Zentralisierung von Planung, Steuerung und vor allem Finanzierung der Versorgung. 

Im Idealfall kommt am Ende des Tages eine Struktur heraus, die immerhin mit einem typisch österreichischen Problem aufräumen würde, das seit vielen Jahren kritisiert wird: Zu viele Patienten, die aufgrund ihrer Beschwerden dort gar nicht hingehören, nehmen eine Behandlung beim Facharzt oder im Spital in Anspruch, was unnötige Kosten verursacht und Ressourcen blockiert. 

Doch wie ist der aktuelle Stand der Gespräche? Den Verhandlern liegen drei Modelle vor, wie die Versorgungsstrukturen 2040 aussehen könnten. Sie wurden von externen Fachleuten skizziert.

  • Modell eins des Konzepts, das dem KURIER vorliegt, ist im Wesentlichen das bestehende System – mit einer sehr spitalslastigen Versorgung, wo es nach wie vor ein Nebeneinander zahlreicher Krankenhäuser mit Teil-, Voll- und Spitzenversorgung (Unikliniken) gibt. Vorgesehen wäre lediglich eine Optimierung der bestehenden Strukturen, etwa über den ohnehin geplanten Ausbau der Primärversorgungseinheiten (PVE) oder der Gesundheitshotline 1450 bzw. telemedizinischer Angebote. 
     
  • Am anderen Ende steht eine Maximalvariante, die vor allem im Spitalsbereich massive Einschnitte bringen würde: Allen voran eine radikale Verkleinerung der Zahl der Krankenhäuser. Übrigbleiben würden nur mehr einige wenige Standorte mit einer Vollversorgung. Vorbild wäre Dänemark, das die Zahl der Krankenhäuser von knapp 80 auf 17 große, hochmoderne Superspitäler reduziert hat. In diesem Modell werden so viele Patienten wie möglich im niedergelassenen Bereich versorgt. Laut KURIER-Informationen ist diese Variante allerdings bereits vom Tisch. Zu unrealistisch wäre ihre politische Durchsetzbarkeit, vor allem gegenüber den Ländern, in deren Zuständigkeit die Spitäler liegen.
  • Bleibt ein drittes, dazwischenliegendes Modell, das im Idealfall zur Umsetzung kommt. Die Teilversorgungsspitäler mit nur einzelnen medizinischen Schwerpunkten (wie sie in vielen ländlichen Regionen noch typisch sind) würden verschwinden, die Standorte aber erhalten bleiben – etwa in Form von ambulanten Versorgungszentren für die fachärztliche Behandlung. Vorgesehen ist aber auch in diesem Modell eine Neustrukturierung des niedergelassenen Bereichs: Der Hausarzt – egal ob in der Einzelordination oder in einer PVE – würde zum Gatekeeper im Gesundheitssystem werden. Sprich: Er wird auf jeden Fall die erste Anlaufstelle für die Patienten. Dass sie wie jetzt auf eigene Faust einen Facharzt oder eine Spitalsambulanz aufsuchen, soll nicht mehr möglich sein. Denkbar wäre, dass man künftig nur mehr mit einer Überweisung durch den Hausarzt einen Facharzt aufsuchen kann, ja sogar die (Wieder-)Einführung einer Ambulanzgebühr als Lenkungsinstrument wird dem Vernehmen nach aktuell diskutiert. 

Grundsätzlich, ist aus Verhandlerkreisen zu vernehmen, bestehe unter den Beteiligten durchaus der Wille, das letzte Modell umzusetzen. 

Viele Fragen noch offen

Was aber nicht bedeutet, dass dies auch passieren wird. Denn vieles ist noch ungeklärt. Vor allem, was die künftige Finanzierung der Gesundheitsversorgung anbelangt. Die Rede ist aktuell von einer angestrebten „Vereinfachung der Finanzierungsstränge“ und der „Nutzung von Synergien“. So könnte für die Spitäler eine übergeordnete Struktur entstehen, die sich zum Beispiel für Bereiche wie Ausbildung kümmert.

Kommen könnte auch eine Art zentrales Dashboard, über das österreichweit die aktuellen Kapazitäten an Spitalsbetten und Personal abgerufen werden können. Was vor allem die Notfallversorgung verbessern soll. 

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