Attentäter vor Gericht: Selbstmordattentate? "Hätte ich mich nicht getraut"

Judge holding gavel in courtroom
Dem KURIER liegt das Prozess-Protokoll des Attentäters vor. Es gibt interessante Einblicke, wie gewaltbereit Kujtim F. war.

Sieben Monate – zuerst vier Monate in der Türkei, dann in Österreich – war Kujtim F. bereits in Haft, als er vor dem Richter Andreas Hartz am 25. April 2019 erschien. Keinen Bart wie andere Gefährder trug er damals. Sein Anwalt Niki Rast beschreibt den späteren Attentäter sogar als „Milchbuben-Gesicht“.

Der Wiener mit nordmazedonischen Wurzeln präsentierte sich geläutert, er bekannte sich schuldig, stellte es als Jugendsünde dar, dass er nach Syrien reisen wollte, um sich dem IS anzuschließen. Prozessbeobachter schildern, dass der damals 18-Jährige vom Verteidiger durchaus gut gecoacht war, weil Kujtim F. auf den ersten Blick die Einsicht, dass der IS die „radikalste Form des Islam sei“, durchaus glaubhaft machte. So spulte er vor dem Gericht alle Sätze gefügig ab, die notwendig waren, um Distanzierung vom IS zu demonstrieren.

Liest man aber das Gerichtsprotokoll von Kujtim F. genau durch, dann existierten sie doch, die kleinen Hinweise, dass nicht alles so war, wie es oberflächlich schien. Etwa in all den kurzen Antworten. Kein Wort der Läuterung zu viel lieferte Kujtim dem Richter, etwa als dieser ihn zum IS befragte. Möglicherweise hätten zu viele Worte Kujtim F. auch enttarnt.

Alles war gut einstudiert, zeigt das Protokoll:

Richter: „Was würden Sie sagen, welche Richtung der IS vertritt?“ Kujtim F.: „Die schlimmste Schiene“.

Richter: „Was heißt das für Sie? Kujtim F.: „Dass man Leute tötet, dass man solche Gräueltaten macht“.

Richter: „Ungläubige zum Beispiel?“ „Ja“.

Richter: „Wer sind Ungläubige?“. Kujtim F.: „Alle Nicht-Muslime“.

Richter: „Wer wurde als Ungläubiger gesehen?“

Kujtim F.: „Jeder“.

Vorsitzender: „Den darf man mit allen Mitteln verfolgen?“

Angeklagter: „Ja“.

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