Rudolf Fußi will von SPÖ kein Geld genommen haben

Rudolf Fußi

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Politik Inland
10/01/2019

Fußi kritisiert wortgewaltig SPÖ: "Es ist so eine Verarschung"

Der SPÖ-nahe PR-Berater hat sich auf Facebook zu Wort gemeldet und geht mit den Sozialdemokraten und Rendi-Wagner hart ins Gericht.

Rudi Fußi, PR-Berater und bekanntermaßen SPÖ-nah, hat in einem Facebook-Video gewohnt schonungslos seinen Unmut über den derzeitigen Zustand der SPÖ geäußert. Sein Fazit: "Man kann gar nicht so viel essen wie man speiben muss bei der Performance der sozialdemokratischen Partei."

Stein des Anstoßes dürfte die Entscheidung des Parteivorstandes gewesen sein, Christian Deutsch zum Bundesgeschäftsführer zu ernennen. Zur Erinnerung: Thomas Drozda war am Montag aufgrund des schlechten Ergebnisses für die Roten bei der Nationalratswahl von dieser Funktion zurückgetreten. Kurze Zeit später wurde Deutsch, zuvor Wahlkampfmanager für eben diese geschlagene Nationalratswahl, als Nachfolger verkündet.

Der PR-Berater, der auch schon Reden für den ehemaligen SPÖ-Kanzler Christian Kern verfasst hat, zählt in dem Video die Errungenschaften der Sozialdemokratie auf: "Alles in diesem Land, was mit dem Sozialstaat zu tun hat, angefangen vom Bildungsbereich über faire Bezahlung der Arbeit über ein Gesundheitssystem, das halbwegs funktioniert, all das wurde von der Sozialdemokratie erkämpft – über Jahrzehnte."

Aber das sei nicht genug, seine Schlussfolgerung: "Nur für die Vergangenheit wählt einen niemand – es braucht einmal neue Ideen für die Zukunft."

Die SPÖ habe kein Programm für die Zukunft vorgelegt. Slogans wie "Menschlichkeit siegt" seien "lieb" aber die Menschen bräuchten Konzepte für unter anderem leistbares Wohnen, gegen Ärztemangel, Arbeit von der man leben könne. 

Die SPÖ liefere hier kein Konzept. Fußi: "Das alles versteht keiner mehr."

Deutsch sei "Super-Apparatschik"

Rendi-Wagners Ansage nach der Wahlniederlage, dass die Richtung stimme, stößt bei Fußi auf Unverständnis: "Was für eine Richtung? Die in den Abgrund?"

Und: "Jetzt sind wir am historischen Tiefpunkt bei 22 Prozent. Reicht das noch nicht? Will man jetzt auf 15?" Und: "Die Antwort ist: Es ist alles ok, wir machen weiter. Wir machen Christian Deutsch vom Wahlkampfmanager zum Bundesgeschäftsführer einen Super-Apparatschik."

Die Partei nehme die Probleme nicht wahr, fahre an gesellschaftlichen Entwicklungen vorbei. Niemand glaube mehr der SPÖ. Sein persönliches Fazit: "Ich verachte all jene in der Führung dafür, dass sie diese Entscheidung heute getroffen haben, weil es dazu geführt hat, dass man als Sozi nicht einmal mehr die Roten wählen kann. Weil sie nichts verstanden haben."

Man müsse die Partei öffnen und neue Leute reinholen. Unter anderem der Parteivorsitz sollte unter den Mitgliedern gewählt werden und es brauche endlich "rote Linien".

Statt sich eine mögliche Koalition mit den türkisen Wahlsiegern offen zu halten, sollte sich die Partei neu gründen.

Fußi umreißt die aktuelle Lage der SPÖ folgendermaßen: "Wir haben kein Konzept für die Zukunft, weil wir nur an den nächsten Wahltag denken, damit wir mit unseren Ärschen auf unseren Sesseln picken bleiben. Das ist die Situation der Sozialdemokratie."

Auch Rendi-Wagner wird nicht verschont

Auch mit der Parteivorsitzenden Rendi-Wagner geht Fußi hart ins Gericht. Zwar sei sie sympathisch, aber für ihren Posten so geeignet "wie ich für eine Olympia-Teilnahme auf 100 Meter im Sprint."

Die SPÖ sei zu einem Verwaltungsverein geworden: "Es ist so eine Verarschung."

Kreisky – aber auch andere große Sozialdemokraten wie Johanna Dohnal – würden sich im Grab umdrehen.

Mit geballtem Zynismus beendet Fußi seine Ausführungen: "Alles Gute. Die Richtung stimmt. Bravo!"

Weidenholzer für zeitgemäße Organisation

Der ehemalige SPÖ-Politiker Josef Weidenholzer aus Oberösterreich forderte unterdessen von seiner Partei einen Reformparteitag und eine neue Parteistruktur. Die derzeitige Struktur der Partei "entspricht dem ausgehenden 19. Jahrhundert". Anstatt immer alles an Personaldiskussionen festzumachen, solle man die Instrumente der Mitbestimmung ans digitale Zeitalter anpassen, sagte der frühere SPÖ-EU-Abgeordnete.

Personalpolitische Dinge seien "einfach zu vermitteln", sagte Weidenholzer zur APA, aber "es geht um strukturelle Reformen". Weidenholzer: "Jedes Unternehmen gibt sich neue Entscheidungsabläufe", aber jene der SPÖ würden aus einer Zeit stammen, in der es "noch nicht einmal das Telefon gegeben hat".

Urabstimmungen

Dabei würden sich heute so viele Möglichkeiten der Mitbestimmung auftun. "Man ist oft überrascht, wie stark sich die Leute beteiligen wollen. Das ist Kapital, das brachliegt." Auch die Parteijugend will er wieder besser vertreten sehen, ebenso mehr Nicht-Mitglieder einbinden.

Bei der Frage einer neuen Organisation kann sich Weidenholzer konkret vorstellen, den Parteichef oder die Parteichefin via Urabstimmung zu wählen. Gleiches gilt für Koalitionsbildungen. In der aktuellen Situation glaubt Weidenholzer übrigens, dass der SPÖ die Opposition "guttun" würde.