Für Israels Premier wird es eng: Anklage gegen Ehefrau

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Foto: APA/AFP/GALI TIBBON Sarah Netanyahu soll Rechnungen gefälscht haben

Sarah Netanyahu wird Veruntreuung vorgeworfen. Auch gegen ihren Mann wird ermittelt.

Israels Generalstaatsanwalt Mandelblit wird gegen Sarah Netanyahu Anklage wegen schwerer Veruntreuung erheben. Zuvor erhält die Frau des Premiers aber das Recht, in einer Voranhörung die Vorwürfe zu entkräften. Ein Recht, dass vom Gesetz eigentlich nur Regierungsmitgliedern gewährt wird.

Und als solches betrachten manche Sarah Netanyahu: Noch keine Gattin eines Premiers mischte sich bisher so direkt und offen in die Arbeit ihres Mannes ein. Von ihr abgesetzte Minister bestätigten das.

Ursprünglich waren es sieben Verdachtsmomente, in denen die Polizei ermittelte und die mit dem Haushalt der Amtsresidenz zusammenhingen. Übrig blieb der Vorwurf, mit teilweise gefälschten Rechnungen für Take-away-Speisen bei gleichzeitiger Anstellung einer Köchin 85.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Auch Hausverwalter Esra Saidoff soll mehr als 100.000 Euro erschlichen haben, etwa indem er unerlaubt Kellner beschäftigt und mit gefälschten Rechnungen als Putzkräfte abgerechnet habe. Reparaturen in Privatwohnungen der Netanyahus rechnete er über die Amtsresidenz ab.

Späte Unterstützung

Fast zwei Jahre dauerten die Ermittlungen. Der Premier betonte gleich zu Beginn: "Die Hausverwaltung obliegt allein meiner Frau." Ein Vorgänger von ihm, Rabin, hatte 1975 noch seinen Rücktritt eingereicht, als das Finanzamt ein unerlaubtes Auslandskonto seiner Frau entdeckte.

Während der Ermittlungen kam es zu zwei Arbeitsrechtsverfahren gegen Sarah Netanyahu durch frühere Angestellte. Beide gewannen. Die legendären Wutausbrüche Netanyahu wurden dabei vor Gericht protokolliert. Bis hin zu Schuhwürfen und hysterischen Kreischanfällen.

Vor der eigenen Partei nahm der Premier vor vier Wochen auf einer Solidaritätskundgebung seine Frau doch noch in Schutz: Mittlerweile sieht er ihre Strafverfolgung als Teil einer "allgemeinen linken Verschwörung gegen Familie Netanyahu". Alle, alle, alle – Justiz, Polizei und vor allem Medien – planten "den Justizputsch gegen einen gewählten Premier".

Merkwürdig ist nur: Alle diese "Linken" sind von Netanyahu handverlesen ins Amt berufen worden. Vom Generalstaatsanwalt bis zum Polizeichef. Medien und Justizministerin stehen rechts.

Premier korrupt?

Jetzt schließt sich auch der Kreis um Netanyahu selbst, dem korrupte Amtsführung vorgeworfen wird. Durch neue Kronzeugen kam es zu weiteren Festnahmen. Im direkten Arbeitsumkreis Netanyahus.

In seiner Likud-Partei wurde direkt nach der Kundgebung akribisch ermittelt, wie eifrig Minister und Abgeordnete sich dabei solidarisch gezeigt hatten und wer bereits von Nachfolge sprach. Die Ermittlungen führte in Frau Netanyahu persönlich.

(kurier) Erstellt am
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